|Leseliebe| Lesemonat März 2022

Mit 10 gelesenen Büchern konnte ich auch im Lesemonat März 2022 den hohen Standard der Vormonate halten. Trotzdem habe ich gegen Ende dieses Monats so etwas wie eine kleine Leseflaute erlebt. Wobei, wahrscheinlich trifft es „book hang-over“ besser. Denn nachdem ich die drei wirklich großartigen Bücher „Where the Clouds Move Faster“ von Kathinka Engel, „Worlds Collide“ von Anabelle Stehl und „High Hopes“ von Ava Reed hintereinander weg gelesen hatte, ist etwas für mich völlig Untypisches passiert, und ich wusste nicht, zu welchem Buch ich als nächstes greifen sollte. Etwas ähnliches wie diese drei großartigen Romanzen habe ich nicht gefunden und nach etwas ganz anderem stand mir nicht der Sinn. So war ich ein bisschen planlos und habe nicht ganz so viel gelesen wie üblich.

Der Statistik hat diese Unentschlossenheit zum Glück nicht geschadet. Meine 10 gelesenen Bücher teilen sich auf in 7 klassische Bücher, 2 E-Books und 1 Hörbuch. Untypisch viele klassische Bücher für meine Verhältnisse. Aber es sind im Lesemonat März 2022 z.B. die oben erwähnten 3 Highlights erschienen, die ich unbedingt physisch in meinem Regal stehen haben muss.

 


 

Jahreshighlight

 

Lesemonat März 2022_Worlds Collide_High Hopes

 

„Worlds Collide“ von Anabelle Stehl

Ich mochte diese umfangreiche „slow burn“-Romanze von Anabelle Stehl so, so gerne. Dafür habe ich zwei Gründe ausgemacht:

  1. Beauty-Bloggerin Fiona und YouTuber Demian haben für mich als Paar perfekt funktioniert. Dabei hat es ewig gedauert, bis die beiden begonnen haben, sich romantisch wahrzunehmen. Lange Zeit war da nämlich überhaupt gar nicht zwischen den beiden. Auch keine von Hass überlagerte heimliche Liebe wie in klassischen „Enemies to Lovers“-Geschichten. Genau das hat für mich die Faszination ihrer Geschichte ausgemacht. Ich habe mich beim Lesen gefühlt, als hätte ich das Privileg, einer sich langsam entwickelnden, zarten Pflanze der Liebe beim Wachsen zuzusehen. Sooo schön.
  2. Das World Building hat voll meinen Geschmack getroffen. Neben dem Schauplatz London hat mich vor allem beeindruckt, wie tief Anabelle Stehl in die „Social Media“-Welt eingetaucht ist. Für mich der erste richtig komplexe Roman, der sich mit den Vor-und Nachteilen der sozialen Medien beschäftigt.

Ihr seht, ich bin restlos begeistert. Endlich eine „Enemies to Lovers“-Geschichte, wo die beiden Protagonisten tatsächlich „verfeindet“ sind. Und zwar nicht nur auf den ersten 10 Seiten des Buches sondern richtig lange. Hinzu kommt, dass diese Art der Feindschaft ohne großes Drama auskommt. Die zwei brauchen einfach Zeit, um hinter die Fassade des jeweils anderen zu blicken. Um ihre eigenen Vorurteile bezüglich der Tätigkeit des Gegenübers abzubauen. Sobald das geschehen ist, kann auch das oben erwähnte zarte Pflänzchen der Liebe wachsen. Hach…

 

„High Hopes – Whitestone Hospital“ von Ava Reed

Direkt im Anschluss an das oben hoch gelobte „Worlds Collide“ habe ich dessen „Buchzwilling“ gelesen. Denn „Worlds Collide“ und „High Hopes“ sind nicht nur am selben Tag sondern auch beim selben Verlag erschienen.

Was kann ich sagen, auch Ava Reed hat sich mit dem Auftakt ihrer Krankenhausreihe direkt in  mein Herz geschrieben. Das freut mich besonders, da ich Ava Reed als Autorin so unbedingt mögen möchte – aber mich die bislang von ihr gelesenen Bücher nicht komplett überzeugen konnten.

Ganz anders sieht es mit ihrer Geschichte aus dem „Whitestone Hospital“ aus. Was mich eigentlich wenig überraschen sollte, ist das Setting für mich als alten „Schwarzwaldklinik“- und „Emergency Room“-Fan (ja, bei „Grey’s Anatomy“ bin ich schon vor langer Zeit ausgestiegen…) nahezu perfekt.

Ich mochte die Krankenhausatmosphäre, die Aufregung eines Neubeginns im Beruf und den „Forbidden Love“-Trope. Außerdem konnte mich die Nebencharaktere total überzeugen. Ja, ich gebe es zu, am Anfang dachte ich, nicht Dr. Nash Brooks sei Frischling Lauras „Love Interest“ sondern dieser andere Arzt, mit dem sie an ihrem ersten Tag eine unfreiwillige, sehr besondere Begegnung hat. Ein Arzt, der sich direkt in mein Herz geschlichen hat, da er durch seine chaotische, vorlaute und sehr „flirty“ Art bei mir „Dr. Doug Ross“-Vibes ausgelöst hat. Dieser (= George Clooney als Arzt in „ER“) ist für immer und immer mein liebster Charakter in einer Arztserie. Carol & Doug forever!

Um klar zu machen, wie sehr ich „High Hope“ mochte, eine finale Anmerkung: Nach „Worlds Collide“ in Kombi mit „High Hopes“ konnte mich im Lesemonat März 2022 kein Buch mehr so richtig abholen…

 


 

Super gute Bücher

 

Lesemonat März 2022_Süße Magnolien_Where the Clouds Move Faster_Neon Gods

 

„Süße Magnolien – ein Traum wird wahr“ von Sherryl Woods

Wenn ich erwähne, dass ich bereits die erste Staffel der Netflix-Serie, die auf den Büchern von Sherryl Woods basiert, gesehen habe, wird sich der ein oder andere fragen, warum ich nun nachträglich das Buch gelesen habe. Die Antwort ist simpel: mir hat das Ende (Stichwort „ausgegangen wie das Hornberger Schießen) dieser ersten Staffel nicht gefallen. Weshalb ich überprüfen wollte, ob der erste Band der Buchreihe ein „abgeschlosseneres Ende“ hat. Das kann ich vorweg nehmen: ja, hat er.

Nicht nur wegen des Endes hat mir dieser erste Teil sehr gut gefallen. Vor allem die Love Story zwischen der frisch verlassenen Maddie und dem 10 Jahre jüngeren Baseballcoach Cal hat es mir angetan. Es war einfach so erfrischend, von einer etwas älteren Protagonistin zu lesen – und trotzdem Herzklopfen zu verspüren.

Auch das Südstaaten-Setting hat mich gepackt – mit dem Hinweis versehen, dass man in diesem Wohlfühlbuch keine kritische Auseinandersetzung mit z.B. dem Thema Rassismus erwarten kann.

Klickt hier für meine ausführliche Rezension.

 

„Where the Clouds Move Faster“ von Kathinka Engel

Hach, mit diesem dritten Band um Effie, die jüngste der drei Schwester, geht die „Shetland Love“-Reihe von Kathinka Engel auch schon zu Ende. Ich mochte diese durch leise Töne beeindruckende Familiengeschichte mit vielen unterschiedlichen Charakteren so gerne. Wie schade, dass sich wahrscheinlich die ein oder andere potentielle Leser*in vom Label „New Adult“ abschrecken lässt. Denn hier wird so viel mehr geboten als „nur“ ein bisschen Liebe mit „Happy End“.

Sonnenschein Effie offenbart in Band 3 ihre dunkle Seite. Nach und nach entblättert sich ihre Lebensgeschichte, die sehr vom komplizierten Verhältnis zu ihrem verstorbenen Vater geprägt ist. In einer jährlich wiederkehrenden, besonders schwierigen Phase muss Effie ein Cottage mit dem schrulligen Adair teilen. Und traut sich zum ersten Mal, sich komplett zu öffnen und ganz neue Erfahrungen zu machen.

Wunderschön erzählt. Inklusive Kathinkas ganz eigener und sehr bereichernder Art, mit „spicy“ Szenen umzugehen.

 

„Neon Gods“ von Katee Robert

Ich wollte mich im Lesemonat März 2022 endlich einmal wieder an einer Fantasy-Geschichte versuchen und auf Englisch lesen. So bin ich bei diesem Reihenauftakt einer modernen Interpretation der griechischen Mythologie gelandet.

In „Neon Gods“ stehen Persephone und Hades im Mittelpunkt. Sie möchte aus dem goldenen Käfig ausbrechen, in den ihre Mutter Demeter sie zu setzen versucht. Und rennt direkt in die Arme von Unterweltkönig Hades. Schnell stellt Persephone fest, dass dieser nicht nur eine dunkle Seite hat. Kein Wunder, dass diese unglaubliche Anziehung zwischen den beiden entsteht…

Wer im Bereich „Fantasy“ eine eher locker, leichte Geschichte ohne komplexes World Building und epische Schlachtszenen oder langwierige Ritte durch die Prärie sucht, der ist bei „Neon Gods“ genau an der richtigen Stelle. Allerdings sollte man auch spicy (sehr spicy…) Szenen nicht abgeneigt sein. Eine Sache, die mir zu Beginn des Buches nicht klar war, weshalb ich es beinahe den falschen Personen empfohlen hätte… Das hätte peinlich für mich enden können.

In mir hat „Neon Gods“ die Lust geweckt (hi hi hi) wieder mehr im Bereich „Fantasy“ zu lesen. Ich habe da schon ein paar Bücher im Hinterkopf… Mit „Electric Gods“, dem zweiten Teil der „Dark Olympus“-Reihe werde ich mir noch ein bisschen Zeit lassen, da mich Psyche und Eros als Paar nicht so ansprechen. Was vor allem dem etwas blutleeren Auftritt von Eros in „Neon Gods“ geschuldet ist…

 


 

Gute Bücher

 

Lesemonat März 2022_Tödlicher Inselfrühling_Ich sammle mein Leben zusammen_Bürgerwache

 

„Tödlicher Inselfrühling“ von Christoffer Holst

Ich kann es kaum glauben, mit diesem 4. Band geht die Reihe rundum die schwedische Journalistin Cilla Storm, die ungelenk von Verbrechen zu Verbrechen stolpert, bereits zu Ende. Ich werde sie, ihren heißen Polizisten Adam und vor allem das idyllische Bullholmen vermissen. Mir hat außerdem die Idee, dass die vier Bände jeweils zu einer der vier Jahreszeiten spielen, besonders gut gefallen.

Dieses Mal rollt Cilla den vor vielen Jahren geschehenen Mord an einem Studenten wieder auf. Wie gewohnt spannend und dennoch irgendwie „cozy“. Ich hoffe, der Autor wird uns bald mit neuen Geschichten beglücken.

Hier geht es zu meiner kompletten Rezension inklusive Links zu allen Bänden.

 

„Ich sammle mein Leben zusammen. Tagebücher 1996-1997“ von Manfred Krug

Manfred Krug ist vermutlich dafür mitverantwortlich, dass ich bei den Rechtswissenschaften gelandet bin. Denn ich habe als Kind seine Serie „Liebling Kreuzberg“ sehr gerne geschaut. Zum Glück war mir „Auf Achse“ zu aufregend (ich war als Kind sehr schreckhaft, was Fernsehserien betrifft), denn sonst würde ich jetzt vielleicht LKWs fahren – was ich für einen echten Knochenjob halte.

Die Tagebücher von Manfred Krug haben mir sehr gut gefallen. Denn zum einen sind sie wirklich unterhaltsam geschrieben, zum anderen liefern sie einen tiefen, manchmal sehr überraschenden Einblick in das Seelenleben des Schauspielers. Trotz mancher Eigenwilligkeit blieb mir Manfred Krug sympathisch.

Besonders beeindruckt haben mich seine Schilderungen zu seinem Schlaganfall. Dieses Ohnmachtsgefühl – hervorgerufen durch das „Nicht kommunizieren können“ – das er beschreibt, werde ich nie vergessen.

Meine ausführlichen Gedanken findet Ihr hier.

 

„Bürgerwache“ von Wildis Streng

Die Regionalkrimireihe von Wildis Streng spielt in meiner Heimat Hohenlohe und ist mit einer ordentlichen Portion Lokalkolorit versehen. Im Fokus stehen ein ungleiches, wenn auch als Paar verbandeltes Ermittlerteam: sie zugezogen aus dem hohen Norden, er waschechter, entsprechend stoffeliger Hohenloher.

Der aktuelle Fall spielt im Kosmos der historischen „Bürgerwache“ von Crailsheim. Das ist nicht wahnsinnig spannend oder übermäßig actionreich, hat mir beim Lesen aber trotzdem Spaß gemacht. Denn ich mochte es, die beiden Kommissar*innen bei der Tätersuche zum „Eberl“ oder nach Hinteruhlberg zu begleiten.

Ich würde diese Krimireihe also durchaus empfehlen – aber eben vorwiegend an Ortskundige, die am Lokalkolorit genauso viel Spaß haben wie ich.

 


 

Not My Cup of Tea

 

Lesemonat März 2022_Gebrauchsanweisung für Slowenien_Wo das Glück den Himmel berührt

 

„Gebrauchsanweisung für Slowenien“ von Aleš Šteger

Eigentlich mag ich es, über Länder, die ich schon bereist habe, zu lesen. Bei der „Gebrauchsanweisung für Slowenien“ gerieten manche Abschnitte für meinen Geschmack jedoch zu langatmig. Außerdem ist mir ein Kritikpunkt, den ich bei anderen „Gebrauchsanweisungen“ schon geäußert habe, erneut aufgestoßen: ich finde es unschön, wenn sich Autor*innen herablassend über Dinge äußern, bei denen sie die Begeisterung anderer nicht nachvollziehen können. In der „Gebrauchsanweisung für Stuttgart“ ist mir das beim Thema Fußball aufgefallen, hier ging es um Slavko Avsenik und die Oberkrainer.

Hier gelangt Ihr zu meiner ausführlichen Rezension – inklusive Bildern aus meinem eigenen Slowenien-Urlaub.

 

„Wo das Glück den Himmel berührt“ von Maxi Hofer

Eine Liebesgeschichte, die in Südtirol auf einer Hütte spielt – ich wollte dieses Buch unbedingt mögen. Vor allem, da ich es auch noch zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Was beim Auspacken ein fettes Grinsen auf mein Gesicht gezaubert hat.

Aber leider war die Umsetzung dieser coolen Story-Idee so gar nicht meins. Das lag vor allem an den folgenden Faktoren:

  • Die Hauptdarstellerin blieb völlig blass. Ich hatte bis zum Ende des Buches keine Vorstellung, ob sie normschön oder eher durchschnittlich oder pummelig ist. Einerseits scheinen ihre alle Männer ohne große Anstrengung zu verfallen, andererseits stellt sie ihr Licht ständig unten der Scheffel. Ja was denn nun?
  • Apropos, wo kommen all diese attraktiven Männer her, die ihr hinterher jagen. Und warum gibt es die im echten Leben nicht?
  • Ihre beste Freundin fand ich nervig und teilweise sehr übergriffig und überhaupt nicht so, wie eine beste Freundin sein sollte. Eigentlich möchte ich dieses Wort nicht in den Mund nehmen, aber für mich hatte sie „toxic vibes“.
  • Die vielleicht größte Enttäuschung für mich: wie sehr der Geschichte der echte Südtiroler Lokalkolorit gefehlt hat. Im Prinzip hätte „Wo das Glück den Himmel berührt“ in jedweder Bergregion spielen können. Es gab kaum typische Südtiroler Eigenheiten oder Spezialitäten. Wie sehr habe ich das Schüttelbrot, den „blauen Schurz“ oder Anspielungen auf die (ehemalige) innere Zerrissenheit des Landes vermisst.

Für mich nicht nur die größte Enttäuschung im Lesemonat März 2022 – sondern auch des bisherigen Lesejahrs 2022.

 


 

Ich hoffe, dass ich im Lesemonat April meine klitzekleine Leseflaute im Anschluss an die Lesehighlights im Lesemonat März 2022 hinter mir lassen kann. Ich möchte unbedingt eine Geschichte finden, die mich genauso fasziniert wie die Bücher von Anabelle Stehl und Ava Reed.

 

2 Kommentare

  1. Hallo liebe Steffi,
    du hattest einen sehr erfolgreichen Lesemonat, wenn ich mir deine Bücher so anschaue. Mit deinen Worten zu „Worlds Collide“ hast du mich sehr neugierig gemacht. Das Buch hatte ich bislang noch nicht auf dem Schirm. Das könnte aber was für mich sein. Was die Bücher von Ava Reeds angeht, musste ich schmunzeln. Da haben wir beide wohl genau die gleichen Erfahrungen gemacht. Ich habe zwei Bücher von ihr gelesen. Beide mochte ich, aber mir fehlte eben irgendwie noch der letzte Funke. Daher war ich auch skeptisch, was das neue Buch – mit diesem im Übrigen wunderschönen Cover – anbelangt. Dass du nun schreibst, dass sich die Autorin mit diesem Buch in dein Herz geschrieben hat, klingt richtig gut. Ich konnte mich nämlich auch zu 100 % in deinen Worten – ich zitiere „da ich Ava Reed als Autorin so unbedingt mögen möchte“ – wiedererkennen :o)

    Ich wünsche dir einen ganz wundervollen Mai.

    Liebe Grüße
    Tanja :o)

    • glimrende
      Autor
      6. Mai 2022 / 20:35

      Hi Tanja,

      „Worlds Collide“ fand ich wirklich richtig gut. Vor allem auch weil die YouTube-Thematik (inklusive kontroverser Dinge wie z.B. „Shitstorms“) super eingearbeitet wurde.

      Gerade höre ich übrigens „The Colors of Your Soul“ von Kim Leopold. Das hat eine ähnliche Thematik.

      Ava Reeds „High Hope“ lege ich Dir vor allem ans Herz, wenn Du Krankenhausserien magst. Denn ich habe beim Lesen definitiv „Grey’s Anatom“-Vibes verspürt.

      Viele Grüße.

      Steffi

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