|Sportsgeist| Meine Sportgeschichte – Sportmuffel vs. Sportnerd

Da ich in den letzten Wochen positives Feedback bezüglich meiner Sportlichkeit bekommen habe, möchte ich Euch heute von meiner persönlichen Sportgeschichte erzählen. Denn eins kann ich an der Stelle vorwegnehmen: Sport und ich, das ging lange Zeit nur vor dem TV zusammen.

 

Meine Sportgeschichte Yoga am Pragser Wildsee Lotussitz

 

Kindertage – die Anfänge meiner Sportgeschichte

Obwohl ich mich bereits im Kindesalter gerne drinnen beschäftigt habe (Lesen, Playmobil…), bin ich trotzdem mit ausreichend natürlicher Bewegung aufgewachsen. Computer und Co. waren kein Thema und auf dem Land konnten wir uns uneingeschränkt und vor allem unbeobachtet draußen bewegen. Hauptsache wir waren zum Abendessen zu Hause.

Die wöchentliche Sportstunde im Kindergarten hat mir ebenfalls viel Spaß gemacht. Ich habe mich zwar schon damals nicht durch absolutes Bewegungstalent ausgezeichnet (ich erinnere mich an ein Wettrennen beim Abschlussausflug des Kindergartens, bei dem ich mich lang gelegt habe. Oder eine zweitägige Wanderung in der Grundschule, bei der es geregnet hat, und ich in den Matsch gefallen bin. Im Heimatdialekt würde man mein Aussehen danach mit „wie mit dem Schäufele gestrichen“ beschreiben. Es ist bis zum heutigen Tag ein Mysterium für mich, dass meine Mutter diesen Unfall antizipiert hat, und mit einer Tasche voller Wechselklamotten am Abholort aufgetaucht ist. Für sie war klar, dass ich hinfallen würde…), es gab aber durchaus „Sportarten“, die ich gerne ausgeübt habe. Wie „Gummi hüpfen“ oder Rollschuhlaufen.

Dass der Sportunterricht und ich keine Freunde werden würden, stand hingegen spätestens ab der zweiten Klasse fest. Damals hatten wir einen Sportlehrer, der mir im Grundschulzeugnis bescheinigt hat, ich müsste mich „mehr beweisen“ und „mehr Mut aufbringen“. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, hat die Klassenlehrerin meiner Mutter erzählt, dass sie und alle anderen Kollegen diesen Eintrag unmöglich fanden.

 

Schulsport – der langanhaltende Tiefpunkt meiner Sportgeschichte

Danach war es um mich und meine Schulsportkarriere geschehen. Das lag an verschiedenen Faktoren. Zum einen bestand unser Unterricht zu 1/4 aus Schwimmen (die Kapazität der Sporthalle war nicht ausreichend, weshalb wir je ein halbes Schuljahr alle 14 Tage in die Schwimmhalle ausquartiert wurden) und zur Hälfe aus Ballspielen. Beides Dinge, die nicht in den Bereich meiner Kernkompetenz fallen. Entsprechend wurde ich bei (für mich) nervigen Ballspielen wie Völkerball oder Brennball immer als Letztes gewählt, was nicht gerade ein Boost für mein Selbstbewusstsein war. Und mich schon damals tierisch aufgeregt hat, denn in allen anderen Schulfächern war ich top. Warum wurde also nicht z.B. im Englischunterricht nach Leistung aufgestellt? Da wäre ich unschlagbar gewesen!

Zum anderen war es der typisch deutsche Schulsport der 80er und 90er Jahre, d.h. man musste irgendwelche Sportarten durchführen, ohne dass je Wissen vermittelt oder konsequent geübt worden wäre. Verbesserung? Fehlanzeige. Entweder man konnte etwas sowieso – oder eben nicht.  In den ersten 10 Schulsportjahren meines Lebens erinnere ich mich deshalb nur an drei Dinge, die mir jemals Spaß gemacht haben: Schwebebalken (was gefühlt nur 2 Sportstunden in der ganzen Zeit unterrichtet wurde…), Ringtennis (war wahrscheinlich langsam genug für meine Auffassungsgabe) und eine einmalige Laufübung, bei der wir in konstantem Lauftempo durch die Halle rennen mussten, und ich für mein inneres Uhrwerk gelobt wurde.

Daneben sind mir nur unendlich viele, schreckliche Volleyballspiele, seltsame Aufwärmrituale à la „Linienfange“ und „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ (dürfte heute kaum noch politisch korrekt sein), das eine Mal, als ich beim Schwimmen unbemerkt abgesoffen bin und – der größte Horror aller Zeiten – die Bundesjugendspiele im Gedächtnis geblieben. Bei letzterem habe ich nie eine Urkunde gewonnen. Auch so eine psychologische Topmotivation meiner Sportgeschichte: wenn alle Schüler einer Klasse mit zwei Ausnahmen eine Auszeichnung verliehen bekommen.

 

Meine Sportgeschichte Yoga Lotussitz Seiser Alm

 

Ein Lichtblick am Ende meiner schulischen Sportgeschichte

Eine Besserung trat erst ein, als ich nach dem Realschulabschluss in die gymnasiale Oberstufe gewechselt bin. In der 11. Klasse habe ich zum ersten Mal eine Sportnote bekommen, die besser als eine 4 war. Wir mussten zu viert einen Tanz choreographieren und hatten glücklicherweise eine Gardetänzerin in unserer Gruppe. Unsere spektakuläre Schlusspose (eine Klassenkameradin und ich waren die „Base“, eine zierliche Freundin stand auf unseren Oberschenkeln und die vierte „Tänzerin“ ist unter der Hebefigur gekniet) hat es herausgerissen, und wir wurden mit einer guten Note belohnt.

Richtig super wurde es in der 12. und 13. Klasse. Denn da hatten wir eine Sportlehrerin vom Typ „Duracell Häschen“. Zwar lag der Fokus noch immer auf Ballspielen (man musste damals Sportarten wählen, aber die Auswahl war SEHR eingeschränkt) – in meinem Fall Volleyball, Basketball und Badminton – aber immerhin gab es auch Gymnastik/Tanz (mit einer mega Choreographie mit dem „Band“ zu einer Musik, die ich noch heute im Ohr habe). Aber immerhin war die Lehrerin mitreißend. Und hat nicht nur von außen Sachen angeleitet, bei denen wir uns sicher waren, dass sie sie selbst nie hinbekommen hätte (wie einst von Klasse 5 bis 10, als wir eine total „verlebte“ Sportlehrerin hatten).

Ihr habe ich außerdem den erfolgreichsten Sportmoment meiner gesamten schulischen Sportgeschichte zu verdanken: in 13/2 hat sie mir 7 Punkte in Sport gegeben. Nicht für Können, sondern weil ich immer da war und mein Bestes gegeben habe. Endlich ein bisschen positive Vibes und Motivation ganz am Ende meiner „Schulsportkarriere“.

 

Meine Phase der absoluten Sportabstinenz

Trotzdem war ich durch 13 Jahre kapitalen Misserfolgs zum absoluten Sportmuffel mutiert. Auch in meiner Freizeit hatte ich mich allen Versuchen meiner Eltern, mich zum Sport zu drängen – mit Ausnahme des Voltigierens (aber da gab es schließlich Pferde!) – erfolgreich verweigert. Im Nachhinein lag das bestimmt nicht nur an meiner Abneigung gegen Sport sondern auch an der völligen Inkompatibilität meiner Persönlichkeit mit jeglicher Art der „Vereinsmeierei“. Das wäre auch heute noch mein größter Alptraum, wenn ich einem Verein beitreten müsste.

In den Jahren nach dem Abitur habe ich also erst einmal überhaupt keinen Sport gemacht. Und ich kann Euch versichern, mir hat nichts gefehlt! Erst durch zwei Schlüsselerlebnisse habe ich eine (langsame) Drehung  um 180 Grad hingelegt. Das eine war ein Urlaub am Comer See, bei dem wir eine Sehenswürdigkeit nicht gefunden haben. Es ging bergauf, und ich musste irgendwann stehen bleiben und meine fitte Begleitung voran gehen lassen, weil ich nicht mehr konnte. Der zweite Vorfall war ein Besuch bei einem Ex-Kollegen. Damals haben wir das Freiburger Münster bestiegen, und ich wäre am liebsten wieder umgekehrt, weil ich so außer Atem war. Da war für mich der Punkt erreicht, an dem ich endlich fitter werden und meinen langanhaltenden Babyspeck verlieren wollte. Der entscheidende Erfolgsfaktor war im Nachhinein vermutlich, dass mein Ehrgeiz geweckt war. Ich mag nur wenig sportliches Talent haben, bin aber durch einen eisernen Willen gesegnet. Das bedeutet, wenn ich etwas wirklich will, schmeiße ich mich mit allem, was ich habe, rein und beiße mich durch.

 

Meine Sportgeschichte Yoga Die Göttin

 

Ein bisschen Laufen…

Und so bin ich nach Jahren ohne Sport (mit Ausnahme zweier eher halblebiger Versuche mit einem „Bauch Beine Po“-Kurs und ein bisschen „Step Aerobic“ – einmal in der Woche und danach gab es traditionell Kuchen) mit dem Joggen in ein neues Kapitel meiner Sportgeschichte gestartet. Ich bin einfach los gelaufen und habe Schritt für Schritt die Länge meiner Laufstrecke vergrößert. Mein Grundtempo war nie überragend, aber irgendwann war es kein Problem für mich, 7 bis 10 km am Stück zu laufen. Ich habe in 2014 sogar einen Halbmarathon geschafft. Ich mochte neben der effektiven Art, Kalorien zu verbrennen, vor allem das „den Kopf freibekommen“ und „Lösungen für Probleme finden“ beim Laufen.

 

… und ganz viel Yoga

Meine große Sportliebe ist jedoch eine andere: das Yoga. Angefangen hat es mit einem Kurs in der Mittagspause bei der Arbeit, für den ich mich spontan angemeldet habe. Im Nachhinein alles Teil einer glücklichen Fügung. Denn ich bin an einen Yogalehrer geraten, der einen wenig esoterischen und sehr sportlichen Stil unterrichtet. Alles Dinge, die mir entgegenkommen. Aber das aller, aller schönste am Yoga war für mich, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Sportart ausgeübt habe, in der ich nicht die Untalentierteste war (ja, ich weiß, man soll auf seiner Matte bleiben, aber es kann mir keiner erzählen, dass er sich nicht doch vergleicht und besser werden möchte). Im Gegenteil. Ich bin absoluter Hüftöffner-Spezialist und werde in dem Bereich bei mancher Übung sogar vom Yogalehrer um meine Ausführung beneidet. Natürlich habe ich trotzdem genügend Baustellen (Stichwort Armbalancen bei hyperlaxer Schulter), aber es macht so viel Spaß, an diesen Schwachpunkten zu arbeiten. Deshalb kann ich mittlerweile aus voller Überzeugung sagen: ich habe „meine“ Sportart gefunden. Und jedem, der an seiner Sportlichkeit zweifelt, möchte ich zurufen: irgendwo da draußen ist auch Eure ganz persönliche Sportart versteckt. Ihr müsst sie nur finden <3

 

2 Kommentare

  1. Carina Holberndt
    5. Juni 2020 / 17:35

    Kjære Stefanie,

    mit Vergnügen las ich Ihre Sportgeschichte und dachte:“Das habe ich auch so erlebt!“
    Schulsport(bei mir in den 70er und 80er Jahren) bestand leider auch fast nur aus den
    verhassten Ballspielen Brennball und Völkerball und ich gehörte auch meistens zu den letzten Kindern, die gewählt wurden.
    Die Bundesjugendspiele habe ich auch als den absoluten Horror in Erinnerung und ich wünschte mir jedes Jahr, dass diese aus irgendwelchen Gründen nicht stattfänden.
    Allerdings hatte ich noch Glück mit meiner Schule – meine Freundin hatte auch Winterbundesjugendspiele und der Leichtathletikunterricht beinhaltete auch solche tollen Dinge wie Hürdenlauf oder Stabhochsprung… Ich glaube, ich hätte die Schule wechseln müssen..
    Nach Abitur und Berufsschule hatte ich auch erst einmal die Nase voll und habe fast nichts gemacht und dann ein wenig step aerobic und solche Sachen. 2003 fing ich mit Laufen an und brauchte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich eine halbe Stunde durchlaufen konnte. Aber ich laufe heute noch gern ca. dreimal in der Woche.
    Im Urlaub gehe ich auch ganz gern wandern (in Norwegen und Südtirol).

    Ich glaube, dass die von Ihnen beschriebene Sportgeschichte viele Kinder erlebt haben und wahrscheinlich auch heute noch erleben(ich weiß nicht, ob der Schulsport besser geworden ist).

    Hilsen

    Carina

    • glimrende
      Autor
      5. Juni 2020 / 20:10

      Hallo Carina,
      ich bin mir auch nicht sicher, ob der Sportunterricht wirklich besser geworden ist. Dabei könnte man da so tolle Sachen machen. Auch eher in Richtung Rückenschule, Prävention etc.

      Und beruhigend zu hören, dass ich nicht die Einzige bin mit solchen Erfahrungen im Schulsport…

      Viele Grüße.

      Stefanie

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