|Leseliebe| Mein Lesemonat Januar 2022

Mein Lesemonat Januar 2022 schließt nahtlos an die sehr guten Lesemonate Ende des vorangegangenen Jahres an. Ich konnte im ersten Monat von 2022 12 Bücher beenden. Diese teilen sich in 5 klassische Bücher, 4 E-Books und 3 Hörbücher auf. 8 dieser Bücher waren in deutscher Sprache und 4 auf Englisch. Die beste Nachricht: darunter war keine einzige Enttäuschung!

 


 

Jahreshighlight (gelesen im Lesemonat Januar 2022)

„Blue“ von Nikola Hotel

 

Blue von Nikola Hotel

 

Wer meinen Jahresrückblick 2021 verfolgt hat, weiß, dass „Ever“ (Teil 1 der Dilogie) eines meiner Jahreshighlights 2021 gewesen ist. Entsprechend gespannt war ich auf Teil 2. Was kann ich sagen, „Blue“ hat mir direkt zu Beginn vom Lesemonat Januar 2022 ein Jahreshighlight beschert. Was für eine grandiose Geschichte!

Im Fokus steht Jane, die kleine Schwester von David aus „Ever“. Die kabbelt sich regelmäßig mit einem arroganten Gast in dem Diner, in dem sie als Servicekraft arbeitet. Nach und nach blickt Jane hinter dessen Fassade – und dort tun sich Abgründe auf…

Meine ganze Bewunderung gilt Nikola Hotel und ihrer sensiblen Art, mit schwierigen Themen (hier dem weiten Feld der mentalen Gesundheit) umzugehen. Trotz aller unterschwelligen Schwere fliegen die Funken zwischen den Protagonisten. So dass ich beim Lesen die ganze Zeit ein Kribbeln verspürt habe.

Ich möchte in 2022 unbedingt mehr Geschichten von dieser Qualität und Tiefe lesen.

 

„Allein“ von Daniel Schreiber

 

Allein von Daniel Schreiber

 

Auf dieses Essay bin ich durch Daniel Schreibers Interview im Podcast „Hotel Matze“ gestoßen. Passend zu einer Diskussion, die ich zu dem Zeitpunkt in meinem eigenen Leben bezüglich „alleine Leben in Zeiten der Pandemie“ führen musste.

Daniel Schreiber widmet sich in „Allein“ genau diesem Thema: was bedeutet es, in einer Pandemie allein zu leben? Ist dies gleichbedeutend mit Einsamkeit? Hierbei liefert er einen tiefen Einblick in sein eigenes Seelenleben und seine persönlichen Unsicherheiten. So hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass viele der Verletzungen, die Daniel Schreiber in der Vergangenheit erfahren hat, in seinen Worten sichtbar werden. Als schwuler Mann, der irgendwo in der ostdeutschen Provinz aufgewachsen ist, und lange den Stempel „viel zu unmännlich und verweichlicht“ getragen hat, musste er eine Menge davon erleben.

Ich selbst bin in der schwäbischen Provinz aufgewachsen und hatte in der Jugend das Gefühl, nicht so richtig in die Welt voller Vereinsmeier und Traum vom Einfamilienhaus hineinzupassen (obgleich mit weniger Abweichung von der Norm als Daniel Schreiber) und kann mich deshalb gut in ihn hineinversetzen. Gleichzeitig bin ich ziemlich dankbar, dass ich von einer höheren Macht mit einer großen Portion Resilienz ausgestattet wurde. So dass ich mit einem nennenswerten Grundvertrauen gesegnet bin und leichter durchs Leben gehe als Daniel Schreiber. Den ich beim Lesen ab und zu am liebsten zum Trösten in den Arm nehmen wollte.

Da ich beim Schreiben meiner Rezensionen von der SEO-Analyse regelmäßig dazu aufgefordert werde, einfachere Sätze zu formulieren, war ich begeistert, dass Daniel Schreiber lange Sätze bildet (bilden darf), die einen zum aufmerksamen Lesen zwingen. Ich bin ein bisschen verliebt in seine Kunst des Formulierens und hoffe, dass es in Zukunft weitere Bücher von ihm geben wird.

 


 

Super gute Bücher

„Conventionally Yours“ und „Out of Character“ von Annabeth Albert

 

Out of Character umd Conventionally Yours von Annabeth Albert

 

Bei dieser Reihe von Annabeth Albert steht eine Gruppe nerdiger, queerer Teenager im Mittelpunkt:

(1) Kann das gut gehen? Zwei Table Top Gamer, die sich auf den Tod nicht ausstehen können, auf einem Roadtrip zu einem Entscheidungsturnier, bei dem beide um denselben Startplatz in der Pro League kämpfen wollen. Wir begleiten den hochintelligenten, aber in zwischenmenschlichen Dingen unbeholfenen Aiden und den draufgängerischen Conrad auf ihrem Roadtrip.

(2) Einst waren sie beste Freunde, doch dann wurde Jasper von Milo schmählich im Stich gelassen und die beiden befanden sich an den entgegengesetzten Enden der High-School-Beliebtheitsskala. Milo war einer der allseits beliebten Jocks und Jasper einer der regelmäßig gehänselten Nerds. Noch dazu mit queerem Background. Jahre später braucht Milo dringend die Hilfe seines ehemaligen besten Freundes. Doch ist dieser bereit zu verzeihen? Und was für ein Geheimnis verbirgt Milo vor der Welt?

Was für ein grandioses World Building! Die Autorin hat ein eigenes, komplexes Kartenspiel erfunden, es geht um YouTube und im ersten Band um die Reise zu einer Convention. Dieses Setting muss das Herz eines jeden Nerds höherschlagen lassen.

Außerdem ist in beiden Geschichten so unglaublich viel Chemistry zwischen den Protagonisten, so dass diese mein Herz im Sturm erobert haben. Es muss sich unbedingt ein deutscher Verlag finden, der diese Reihe herausbringt. Denn auch hier gibt es viele Jugendliche, die nicht so recht in den schulischen Mainstream passen wollen und denen solche Geschichten deshalb unglaublich viel bedeuten.

 

„The Secrets of the Ice“ von Alexei Mishin

 

The Secrets of the Ice von Alexei Mishin

 

Alexei Mishin ist einer der bekanntesten russischen Eislauftrainer, der mit mittlerweile über 80 Jahren noch immer bei EMs und WMs für seine Schützlinge an der Bande steht. Einen entsprechend reichen Schatz an Erinnerungen, Anekdoten und Wissen nennt er deshalb sein Eigen und teilt diesen in dieser Autobiografie

Ich hatte sehr viel Spaß dabei, Alexei Mishin auf seinem wilden Ritt durch fast 60 Jahre Eiskunstlaufgeschichte (und auch Welthistorie) zu begleiten. Zunächst stand er noch selbst als Paarläufer mit der nicht minder berühmten Tamara Moskvina auf dem Eis. Später coachte er eine ganze Armada an Läufern zu olympischem Ruhm. Ganz nebenbei erlebte er auch sämtliche Höhen und Tiefen der russischen Geschichte.

Ich fand es sehr erfrischend, dass Alexei Mishin sich kein Blatt vor den Mund nimmt und sowohl die politische als auch sportliche Führung kritisiert. Gegenüber Trainerkollegen und ehemaligen Schützlingen bleibt er genauso ehrlich – ohne ihnen gegenüber die Wertschätzung zu verlieren.

Man merkt, wie jung er im Kopf geblieben ist. In der Hinsicht ist er eine wahre Inspiration. Hoffentlich bleibt er uns noch lange an der Bande erhalten.

 

„Wandern, Glück und lange Ohren“ von Lotta Lubkoll

 

Wandern, Glück und lange Ohren von Lotta Lubkoll

 

Nach dem qualvollen Krebstod ihres Vaters leidet Lotta Lubkoll unter nächtlichen Angstzuständen. Sie beschließt, sich an den Träumen ihres Vaters zu orientieren und für einige Wochen auf große Reise zu gehen. Gemeinsam mit dem Esel Jonny macht sie sich zu Fuß auf den Weg von Bayern nach Italien ans Meer. Auf dieser abenteuerlichen Tour lernt Lotta nicht nur, dass der Weg das Ziel ist, sondern auch, dass ein kleiner Esel Herzen öffnet.

Was für ein herzerwärmendes Tagebuch! Gerade in diesen Zeiten, in denen Reisen nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist, war es so schön, von Lottas und Jonnys Abenteuern zu lesen.

Ich fand es sehr bewegend, wie offen und hilfsbereit die Menschen auf Lotta und ihren tierischen Begleiter reagiert haben. Egal ob Heu, Schlafplätze oder eine Melone (was es mit der auf sich hat, müsst ihr selbst lesen) – meist waren die Menschen, denen Lotta und Jonny unterwegs begegnet sind, unglaublich nett.

Da ich die Gegend um Garmisch sowie Südtirol gut kenne, war auch die Reiseroute an sich für mich sehr interessant.

Ein weiteres Highlight in meinem Lesemonat Januar 2022 – das sich auch für Nichtvielleser eignet, da es locker, flockig geschrieben ist,

 

„Gefrorenes Herz“ von Line Holm & Stine Bolther

 

Gefrorenes Herz von Holm & Bolther

 

Wer mich und meinen Lesegeschmack ein kleines bisschen kennt, weiß, dass ich um skandinavische Krimis eher einen Bogen mache, da mir die generell zu düster und blutrünstig sind. Für „Gefrorenes Herz“ habe ich eine Ausnahme gemacht – und das war genau die richtige Entscheidung. Denn diese Jagd nach dem Mörder einer politisch wichtigen Person, hat mich so richtig in ihren Bann gezogen. Das lag zum einen am Spannungsgrad des Falls, der sich sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt, als auch an dem illustren Ermittlerteam bestehend aus Polizeihistorikerin und „normalen“ Kommissaren.

Da ich nebenbei einiges über die politische Lage in Dänemark erfahren durfte, werde ich dieser Reihe definitiv treubleiben.

Meine ausführliche Rezension findet Ihr hier.

 

„The Love Hypothesis“ von Ali Hazelwood

 

The Love Hypothesis von Ali Hazelwood

 

Dieses Buch ist ein totaler „Tik Tok“-Trend, der es mittlerweile auch auf Instagram und in die normale Buchblogger-Welt geschafft hat. Weshalb ich davon ausgehe, dass die meisten von „The Love Hypothesis“ gehört haben.

Aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände – oder auch einer sehr spontanen Eingebung – küsst Doktorandin Olive ausgerechnet Adam Carlsen, einen der bekanntesten und aufgrund seiner Strenge auch berüchtigtsten Wissenschaftler von ganz Stanford und findet sich unversehens in einem Fake-Dating-Verhältnis mit diesem wider. Eigentlich unvorstellbar – aber irgendwie zeigt Adam bei Olive eine liebevolle Seite, die er vor seinen eigenen Doktoranten bisher gut versteckt hat.

Hach, was für eine süße Geschichte, die zudem mit Tiefgang und einem sehr authentischen Setting im wissenschaftlichen Umfeld (denn die Autorin weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie schreibt) zu überzeugen weiß. „Fake Dating“ ist einfach immer wieder super zu lesen und wurde hier ganz besonders gut umgesetzt. Füge noch ein paar tolle Nebencharaktere und erwähnenswert realistische „explizite Szenen“ hinzu – und fertig ist ein Buch, das ich an einem Wochenende binnen 24 Stunden verschlungen habe.

Wer nicht gerne auf Englisch liest, der kann sich darauf freuen, dass die deutsche Version unter dem Titel „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ am 14.02.2022 erscheinen wird.

 


 

Gute Bücher

„Alt werde ich später“ von Dr. Marianne Koch

 

Alt werde ich später von Marianne Koch

 

Es ist nie zu früh, sich über das Älterwerden zu informieren. Deshalb habe ich mir dieses Hörbuch der großartigen Dr. Marianne Koch – die ein tolles Vorbild für gesundes Altern ist – zu Gemüte geführt. Auch wenn ich einiges bereits grob wusste (gesunde Ernährung, Bewegung und Vorsorgeuntersuchungen als Schlüsselelemente), liefert „Alt werde ich später“ eine hervorragende Zusammenfassung. Insbesondere aus dem Kapitel zu „Einsamkeit im Alter“ konnte ich einige Ansätze mitnehmen. Denn genau dieses Phänomen ist die Alterserscheinung, die die meisten am Härtesten trifft…

Hier geht es zu meiner kompletten Rezension.

 

„Wut und Böse“ von Ciani-Sophia Hoeder

 

Wut und Böse von Ciani-Sophia Harder

 

„Wut und Böse“ ist das zweite klassische Sachbuch, das ich im Lesemonat Januar 2022 gelesen habe. Hier analysiert Ciani-Sophia Hoeder, warum das Gefühl „Wut“ so negativ besetzt ist und warum diese Emotion Frauen abgesprochen wird – und was das alles mit Feminismus zu tun hat.

Keine leichte Lektüre, denn auch ich war gezwungen, mich selbst zu hinterfragen. Musste ich doch zugeben, dass ich dazu neige, wütende Frauen nicht ernst zu nehmen und von ihnen zu verlangen, ihr Anliegen sachlich und frei von jeder Gefühlsregung vorzutragen.

Hier erzähle ich Euch mehr zu diesem Buch.

 

„Bei den Tannen“ und „Das dunkle Dorf “ von Lenz Koppelstätter

 

Bei den Tannen und Das dunkle Dorf von Lenz Koppelstätter

 

Nicht über die Reihenfolge wundern, in der ich die letzten beiden Bände der Reihe um Kommissar Grauner und sein in Südtirol ermittelndes Team aufliste. Ich habe die beiden Bücher im Lesemonat Januar 2022 in falscher Reihenfolge konsumiert. Denn „Das dunkle Dorf“ lag bereits seit einem knappen Jahr (unverdient!) auf meinem SUB und wurde so vom neuesten Band „Bei den Tannen“ quasi überholt.

Während in „Bei den Tannen“ ein klassischer Mordfall im Fokus steht, dreht Lenz Koppelstätter in „Das dunkle Dorf“ das ganz große Rad und lässt Grauner und seine Kollegen im Mafia-Millieu ermitteln. Beide Fälle konnten mich wieder mit viel Spannung und Südtiroler Lokalkolorit überzeugen. Für mich eine der besten Regionalkrimi-Reihen, die es gibt. Besonders gerne mag ich, dass Lenz Koppelstätter seine Leser*innen in jedem Band in eine andere Region Südtirols mitnimmt.

Zu „Bei den Tannen“ habe ich eine ausführliche Rezension geschrieben, die Ihr hier findet.

 


 

Das war mein Lesemonat Janaur 2022 – ein würdiger Start ins neue Jahr. Besonders gut gefallen hat mir, dass ich so divers gelesen habe. Das möchte ich mir für den Februar unbedingt bewahren. Habt einen tollen Lesemonat Februar 2022.

 

2 Kommentare

  1. Aleshanee
    15. Februar 2022 / 06:40

    Schönen guten Morgen!

    Das klingt ja nach einem perfekten Start ins neue Lesejahr! Freut mich dass dir alle Bücher so gut gefallen konnten und du direkt auch so ein tolles Highlight dabei hattest! Grade bei Fortsetzungen wird es ja oft schwächer und man freut sich dann immer, wenn die Begeisterung anhält 🙂

    Ich wünsch dir noch einen wunderschönen restlichen Februar!

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • glimrende
      Autor
      17. Februar 2022 / 16:00

      Ja, ich habe den Lesemonat Januar 2022 wirklich sehr genossen. Ich hoffe, Deiner war auch gut.

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