|Leseliebe| „Bei den Tannen“ von Lenz Koppelstätter

Wenn man mich aktuell fragen würde, was mein Traumreiseziel ist, würde ich wie aus der Pistole geschossen „Südtirol“ antworten. Da Reisen bei der gegenwärtigen pandemischen Lage für mich aber nicht in Frage kommt, muss ich andere Wege finden, um mich Südtirol nahe zu fühlen. So kam mir der neueste Fall des Südtiroler Kommissars Grauner namens „Bei den Tannen“ vom großartigen Lenz Koppelstätter sehr gelegen.

Werbung: das Rezensionsexemplar (Hörbuch) wurde mir von netgalley kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

 

Bei den Tannen von Lenz Koppelstätter

 

Tod einer Kritikerin

Nach dem dramatischen Ende des letzten Falls befindet sich das Team des Südtiroler Kommissars (und Bauern…) Grauner noch immer im Ausnahmezustand. Der Alltag ruft trotzdem, denn im Sarntal stirbt eine berühmte Restaurantkritikerin just bei dem Besuch einer zu beurteilenden „Jausenstube“. Alle Anzeichen deuten auf eine Vergiftung hin.

Schnell gerät die Inhaberin und Köchin in den Fokus der Ermittlungen. Hat sie die Restaurantkritikerin vergiftet, um eine schlechte Beurteilung abzuwenden? Oder wollen ihr die anderen Dorfbewohner den Mord in die Schuhe schieben? Je tiefer das Team um Kommissar Grauner gräbt, umso mehr Geheimnisse aus der bewegten Geschichte des Sarntals kommen ans Tageslicht. Auch ein ganz besonders dunkles, Jahrhunderte zurückliegendes Ereignis scheint eine Rolle zu spielen.

Aber ist Kommissar Grauner auf der richtigen Spur? Oder sieht er vor lauter „Tannen“ den Wald nicht?

 

Vielschichtige Handlung

Mir hat gut gefallen, dass nach einigen Bänden, in denen in den Regionalkrimis von Lenz Koppelstätter das ganz große, verbrecherische Rad gedreht wurde (organisierte Kriminalität etc.), ein eher bodenständiger Fall in „Bei den Tannen“ im Fokus steht.

Das Setting ist gewohnt mystisch und düster und entspricht so gar nicht dem Postkartenidyll, dass man als Südtirolreisender eigentlich vor Augen hat. Aber gerade das mach für mich die Faszination der Krimis von Lenz Koppelstätter aus. Genauso wie die vielen Spuren, die im Laufe des Falls gelegt werden und teilweise im Sande verlaufen. Was zu einigen „Zufälligkeiten“ führt, die jedoch in meinen Augen nie ins Unglaubwürdige abgerutscht sind.

 

Dunkle Vergangenheit mit Parallelen zur Gegenwart

Besonders beeindruckt hat mich das dunkle Kapitel der Südtiroler Geschichte, das im Laufe der Erzählung nach und nach aufgeschlagen wird. Analogien zur heutigen Zeit dürften kein purer Zufall sein. Denn manchmal gewinnt man den Eindruck, dass – egal ob damals oder heute – meinungsstarke, laute Frauen, die ihr eigenes Ding machen, unerwünscht sind. Zwar mit unterschiedlichen Folgen, die Grundproblematik bleibt jedoch dieselbe. Dieser Aspekt hat mich beim Lesen sehr beschäftigt und mir viel Stoff zum Nachdenken gegeben.

 

Privates und Berufliches

Auch die kleinen und großen Verschiebungen im Team um Kommissar Grauner fand ich spannend. Besonders das Verhältnis zwischen  dem Neapolitaner Saltapepe und Assistentin Silvia Tappeiner bekommt in „Bei den Tannen“ einen neuen Kick. Da sich der eigentliche Kriminalfall und das Privatleben der ermittelnden Personen die Waage halten, hat mir dieser Nebenstrang gut gefallen.

 

Fazit

Für mich ein mitreißender, historisch hervorragend aufbereiteter Krimi mit viel Lokalkolorit, der auch als Hörbuch sehr viel Spaß macht. Ich bin beim nächsten Fall von Kommissar Grauner und seinem Team ganz sicher wieder mit am Start. Dann vielleicht sogar als echte Urlaubslektüre auf dem Weg nach Südtirol…

 

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