|Leseliebe| “Only One Night” Trilogie von Simona Ahrnstedt / Rezension

Wer meinen Blog in den letzten Monaten verfolgt hat, an dem ist sicherlich nicht vorbeigegangen, dass ich mit Simona Ahrnstedt eine neue Lieblingsautorin aus dem Bereich “Chick Lit” entdeckt habe. An der Stelle muss ich anmerken, dass ich finde, dass das Label “Chick Lit” den Büchern von Simona Ahrnstedt nicht gerecht wird. Dazu sind ihre Geschichten viel zu komplex aufgebaut.

 

Rezension zu Die Erbin von Simona Ahrnstedt

“Die Erbin” – Only One Night #1

David Hammar hat sich aus einfachen Verhältnissen ganz nach oben gearbeitet. Sein Antrieb: ein unbändiger Ehrgeiz und der Plan, sich an der schwedischen Oberschicht für Vorkommnisse in seiner Jugend zu rächen.

Natalia de la Grip ist erstaunt, als sich der in ganz Schweden bekannte “Corporate Raider” (auf Deutsch würde man wohl von einer “Heuschrecke” sprechen) David Hammar an sie wendet und um ein Treffen bittet. Sie selbst stammt aus der adligen, schwedischen Oberschicht und sieht sich häufig mit dem Vorurteil konfrontiert, dass ihr ihre Karriere als Unternehmensberaterin in den Schoß gefallen ist. Jedoch muss auch David Hammar schnell feststellen, dass er kein verwöhntes Püppchen sondern eine intelligente, ernsthafte Frau vor sich hat, die ihn weit mehr in ihren Bann zieht, als ihm lieb ist. Müsste er sich doch aktuell zu 100% auf den größten und auch für ihn persönlich wichtigsten Deal seiner Karriere konzentrieren. Und Gefühle für ein Familienmitglied der de la Grips sind an dieser Stelle definitiv völlig fehl am Platz. Trotzdem fühlt sich David Hammar zum ersten Mal in seinem Leben magisch von einer Frau angezogen. Natalia de la Grip geht es nicht anders. Auch sie droht zur Unzeit, ihren kühlen Kopf zu verlieren…

 

Rezension zu Die Erbin von Simona Ahrnstedt

 

Wow, was für eine Geschichte. Ich konnte “Die Erbin” von Anfang an kaum aus der Hand legen. Nicht nur, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es mit Natalia und David weitergeht, auch das ganze Drumherum fand ich faszinierend. U.a. aus beruflichen Gründen war ich bislang der Ansicht, dass das Konzept, das die sogenannten “Heuschrecken” verfolgen, komplett negativ besetzt ist. Simona Ahrnstedt gelingt es tatsächlich, ein weit zweidimensionaleres Bild zu zeichnen. Manche Firmen sind einfach nicht mehr zeitgemäß und die Übernahme durch einen solchen Risikokapitalgeber kann genau die Frischzellenkur sein, die ein solches Unternehmen benötigt.

Das ist in meinen Augen sowieso eine der größten Stärken von Simona Ahrnstedt: bei ihr hat man immer das Gefühl, dass sie Expertin auf dem Gebiet ist, von dem sie schreibt. Das galt schon in “After Work” für die Werbebranche, und kann ich auch in “Die Erbin” für die Themen Unternehmensberatung/”Heuschrecken” und schwedischer Adel zu 100% unterschreiben.

Ein Konzept, das mir in allen drei Teilen von “Only One Night” super gefallen hat, ist, dass es neben der zentralen Liebesgeschichte um Natalia und David eine zweite Storyline gibt, in der es um Natalias Freundin Åsa und Davids Geschäftspartner Michel geht. Dieser weitere Handlungsstrang hat für mich persönlich das Buch enorm aufgewertet, da die beiden für die bei der Gesamtlänge der Geschichte nötigen Abwechslung gesorgt haben.

 

Rezension zu Ein einziges Geheimnis von Simona Ahrnstedt

“Ein einziges Geheimnis” – Only One Night #2

Alexander de la Grip wird bereits in Teil 1 der “Only One Night”-Saga als Jetset-Prinz und kleiner Bruder von Natalia in die Geschichte eingeführt. Dort konnte man den Eindruck gewinnen, dass er außer seinem fantastischen Aussehen, seinem Charme und seiner Leidenschaft für feucht fröhliche Parties (à la Prince Harry zu seinen wildesten Zeiten) nicht allzu viel zu bieten hat. In “Ein einziges Geheimnis” trifft man hingegen auf einen Alexander, der seine Intelligenz und seinen brillanten Geschäftssinn gekonnt unter der Oberfläche des Jetset-Prinzen versteckt.

In der ernsthaften und sozial sehr engagierten Ärztin Isobel Sørensen trifft Alexander zum ersten Mal in seinem Leben eine Frau, die sich nicht von seinem jungenhaften Charme und seiner wohlhabenden Herkunft einwickeln lässt. Zum ersten Mal muss Alexander wirklich um etwas kämpfen und sich den Dämonen seiner Vergangenheit stellen.

Er ahnt nicht, dass auch die nach außen so stark wirkende Isobel in ihrem Inneren tief verunsichert ist. Ständig kämpft sie mit dem Gefühl, ihren eigenen und den Erwartungen ihrer Mutter nicht gerecht zu werden. Gefangen in diesem Zwiespalt schmeicheln ihr die Avancen von Alexander mehr als ihr lieb ist.

 

Rezension zu Ein einziges Geheimnis von Simona Ahrnstedt

 

Für diesen zweiten Band bin ich auf das Hörbuch umgestiegen, weil ich es zeitmäßig zu diesem Zeitpunkt nicht auf die Reihe bekommen hätte, diesen Wälzer zu lesen. So konnte ich meine Autofahrten und jede Minute Hausarbeit dazu nutzen, mit “Ein einziges Geheimnis” voranzukommen.

Als Paar konnten mich Isobel und Alexander nicht ganz so begeistern wie Natalia und David aus Band 1. Irgendwie haben mir zwischen den beiden die sprühenden Funken gefehlt. Alexander mochte ich dabei wirklich gerne, Isobel hingegen war mir manchmal eine Spur zu “leidend”.

Der größte Pluspunkt von “Ein einziges Geheimnis” ist in meinen Augen die plastische Schilderung von Isobels Tätigkeit als Ärztin für eine Hilfsorganisation in Afrika. Hier gelingt es Simona Ahrnstedt, die Verhältnisse im Tschad ohne jede Romantisierung à la Tania Blixen dazustellen. Man kann als Leser die Hitze und den Staub Afrikas förmlich spüren. Davon war ich wirklich beeindruckt.

Das zweite Paar bilden in diesem zweiten Band Alexanders Bruder Peter und Einwanderin Gina, die sich als Putzfrau und Kellnerin ihr Medizinstudium finanziert. Auch ein spannendes Paar, wobei deren Chemie bei weitem nicht an Åsa und David aus dem ersten Teil heranreicht.

Zwischendurch hatte die Geschichte für mich einen Hänger, und ich musste mich ein bisschen durch diesen Teil hindurch quälen. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen, da war mir “Ein einziges Geheimnis” eine Spur zu sehr “50 Shades of Grey”. Auf diese Wendung im Buch hätte ich komplett verzichten können.

Trotzdem wurde ich am Ende versöhnt, denn das Finale war hochspannend und hatte eher die Züge eines Thrillers denn eines Frauenromans.

 

Rezension zu Alles oder nichts von Simona Ahrnstedt

 

“Alles oder nichts” – Only One Night #3

Im finalen Teil wird der innere Kreis der Familie de la Grip verlassen, denn es geht um Tom Lexington, den ehemaligen Elitesoldaten und Sicherheitschef von David Hammar. Dieser ist nach den Ereignissen am Ende des zweiten Bands völlig von der Rolle und hat sich in die Einsamkeit Kirunas – ganz im Norden Schwedens – zurückgezogen. Mit dem Plan in der Tasche, seine große Liebe, die ihn verlassen hat, zurückzuerobern. Stattdessen trifft er wenige Tage vor Weihnachten auf die Journalistin Ambra. Den Start der beiden als holprig zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung.

Ambra wollte nie wieder nach Kiruna zurückkehren. An diesem Ort hat sie die schlimmsten Jahre ihrer Kindheit als Vollwaise bei einer religiös fanatischen Pflegefamilie verbracht. Als aufstrebende und super ehrgeizige Journalistin konnte sie sich jedoch einem Auftrag des “Aftonbladet” nicht entziehen. Eigentlich will sie Tom nach dem Debakel beim ersten Aufeinandertreffen nie wieder sehen, kann es aber nicht verhindern, dass sich ihre Wege immer wieder kreuzen…

 

Rezension zu Alles oder nichts von Simona Ahrnstedt

 

Was für ein Epos! Das längste Hörbuch, das ich jemals gehört habe. Vielleicht lässt es sich aufgrund dieses Umfangs nicht vermeiden, dass mich nicht alle weit über 22 Stunden gleichermaßen begeistern konnten.

Der Anfang der Geschichte in Kiruna hat mir super gefallen. Ich fand es faszinierend, vom Leben im Norden Schwedens zu lesen. Die ewig langen Winternächte, das Nordlicht, meterhoher Schnee – damit bekommt man mich sofort. Auch alles, was Simona Ahrnstedt zum Thema Pflegefamilien, religiösem Fanatismus, Mobbing im Internet und dem Einsatz von privaten Sicherheitsorganisationen in Bürgerkriegsregionen geschrieben hat, fand ich hochspannend und erschreckend. Vor allem beim Thema Pflegefamilien kam ich nicht umhin zu denken, wenn es schon im sozial sehr sicheren Schweden solche Missstände gibt, wie sieht es dann erst in anderen Ländern aus?!

Einerseits kann ich verstehen, dass Simona Ahrnstedt versucht hat, die in Ambras Vergangenheit begründeten Unsicherheiten anhand gewisser Verhaltensweisen von Ambra herauszuarbeiten. Trotzdem fiel mir Ambra in manchen Situationen mit ihrem irrationalen Verhalten und ihrer Verbissenheit auf die Nerven. Da saß ich augenrollend im Auto und habe mir nur gewünscht, dass diese Szenen endlich vorbeigehen.

Deshalb war es für mich immer wieder eine Erleichterung, vom “Nebenpaar” in der Geschichte zu hören. Dieses wurde von Ambras Pflegeschwester, einer berühmten schwedischen Popsängerin, und Toms ehemals bestem Freund gebildet. Bei den beiden prallen Welten aufeinander. Auf der einen Seite das oberflächliche, in den sozialen Medien sehr engagierte Popsternchen und auf der anderen Seite der ernsthafte, belesene Sicherheitsexperte.

Etwas bedenklich fand ich, dass in einer Nebengeschichte sehr locker mit dem Thema Selbstjustiz umgegangen wurde.

Trotz gewisser Schwächen und Längen war auch “Alles oder nichts” ein beeindruckendes Buch. Simona Ahrnstedt hat sich definitiv zu einer neuen Lieblingsautorin von mir entwickelt.

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