|Leseliebe| „Nur noch ein bisschen Glück“ von Simona Ahrnstedt

Simona Ahrnstedt gehört definitiv in die Top 3 meiner Autorenneuentdeckungen der letzten drei Jahre. Ich kenne niemanden, der so komplexe „Frauenliteratur“ schreibt wie die (in Prag geborene) Schwedin. Kein Wunder, dass sie in ihrer Heimat als „Königin der Romanzen“ bekannt ist. Sie ist auch eine der Autorinnen, bei denen ich aktiv verfolge, ob und zu welchem Zeitpunkt ein neues Buch herauskommt. Und diese Neuerscheinung hat in meinen Augen viel zu lange auf sich warten lassen. Umso mehr habe ich mich auf „Nur noch ein bisschen Glück“ gefreut.

Werbung: das Rezensionsexemplar wurde mir von vorablesen.de kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

 

Nur noch ein bissche Glück von Simona Ahrnstedt

 

Großstadt vs. Land

Das Leben von Stella ist komplett aus den Fugen geraten: Trennung vom untreuen Freund, kein Job, kein Geld und nur eine vage Idee von ihrer beruflichen Zukunft. In dieser ausweglosen Lage erinnert sich Stella an das Häuschen auf dem Land, in dem ihre verstorbene Mutter aufgewachsen ist. Sie reist von Stockholm nach Laholm und muss feststellen, dass das Haus in Wahrheit eine verstaubte Bruchbude ohne fließend Wasser und Strom ist. Den holprigen Start auf dem Land überlebt Stella nur dank Nachbar Thor. Der Bio-Bauer greift ihr trotz seiner eher schroffen Schale tatkräftig unter die Arme.

Langsam gewöhnt sich Stella an das Landleben. Und sie beginnt zu ahnen, dass sie vielleicht weniger Großstadtmädchen ist, als sie bislang dachte. Und dabei spielen der sexy Nachbar, seine verschlossenen Kinder im Teenie-Alter und eine vorwitzige Ziege eine nicht unbedeutende Rolle…

 

Ein ganz besonderer Frauenroman

Auf den ersten Blick mag sich die Beschreibung nach einem typischen „Chick Lit“-Plot anhören: versnobte Großstadtpflanze trifft auf wortkargen und hinterwäldlerischen Landwirt, der dank Muskeln an den richtigen Stellen trotzdem in ihr Beuteschema passt. Aber wie immer bei Simona Ahrnstedt steckt auch in „Nur noch ein bisschen Glück“ so viel mehr drin. Quasi im Vorbeigehen greift sie Themen wie Alltagsrassismus (denn Stella hat einen ihr unbekannten indischen Vater und hebt sich alleine deswegen vom Bild der Klischee-Schwedin ab und sticht insbesondere auf dem Land überall heraus), Bodyshaming, Mobbing und früher Tod eines Elternteils auf. Und obwohl ich „quasi im Vorbeigehen“ geschrieben habe, möchte ich damit nicht ausdrücken, dass Simona Ahrnstedt die Themen nur streift und ihnen nicht die notwendige Aufmerksamkeit zukommen lässt. Nein, ich finde sie kombiniert diese ernsten Punkte gekonnt und passend mit der Liebesgeschichte als zentralem Plot. Das mag auch daran liegen, dass sie nicht nur Schriftstellerin sondern eben auch Psychologin und Verhaltenstherapeutin ist.

In Simona Ahrnstedts letztem Buch „After Work“ hatte ich kritisiert, dass sie manche der gesellschaftskritischen Themen für meinen Geschmack zu plakativ und wiederholend eingebaut hat. Das finde ich in „Nur noch ein bisschen Glück“ besser gelungen.

 

Nur noch ein bissche Glück von Simona Ahrnstedt

 

Bestes Setting

Ein weiteres persönliches Highlight muss ich an der Stelle unbedingt erwähnen: das Setting. Ich liebe Nordeuropa und auch Schweden seit Kindertagen. Bei schwedischen Büchern für Erwachsene habe ich das Gefühl, dass diese häufig im hippen Stockholm angesiedelt sind. „Nur noch ein bisschen Glück“ ist endlich einmal ein Buch, das in der schwedischen Provinz spielt und sich sogar dem Unterschied und Spannungsfeld zwischen Stockholm und der Provinz widmet. Denn das ist in Schweden extremer als in Deutschland: es gibt den Ballungsraum Stockholm mit recht vielen Einwohnern. Aber der viel größere Teil des Landes ist dünn besiedelt und teilweise quasi vom Aussterben bedroht. Dass Simona Ahrnstedt eben dieses „platte Land“ als Setting gewählt hat, macht für mich einen Großteil des Charmes des Buches aus.

 

Sommer-Highlight

Für mich ist „Nur noch ein bisschen Glück“ der perfekte (Spät-)Sommerroman, der in mir die Sehnsucht geweckt hat, nach Schweden zu fahren. Zu gerne würde ich auf den Spuren von Stella und Thor (und Astrid Lindgren) wandeln. Simona Ahrnstedt konnte meine Erwartungen erneut erfüllen. Ich glaube, ich muss gleich recherchieren, ob ich schon etwas über ihr nächstes Buch (das zumindest auf Schwedisch hoffentlich bald erscheinen wird), herausfinden kann.

Und weil mir die Geschichte so gut gefallen hat, nehme ich mit ihr an der „Blogger stellen ihre Lieblingsbücher für den Sommer vor“-Aktion von Tanja von „Der Duft von Büchern und Kaffee“ teil.

Ha en bra sommar!

 

9 Kommentare

  1. Hallo liebe Steffi,
    du hattest mein Interesse schon, als du den schroffen Bio-Bauer Thor erwähnt hast. Und dann kam die Sache mit der Ziege <3 Ich liebe Ziegen und ich würde dieses Buch schon alleine deswegen lesen wollen. Aber auch der Rest hat mich gerade sehr angesprochen. Ich danke dir dafür, dass du diesen schönen Sommerlesetipp mit uns im Rahmen der Aktion geteilt hast <3

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

    • glimrende
      Autor
      13. Juli 2020 / 16:27

      Hallo Tanja,
      also wenn Du Ziegen magst, dann hat dieses Buch genau den richtigen „Sidekick“ für Dich 😉 Und eine Schwedenreise bekommst Du gratis dazu 😉

      Mir hat es gerade viel Spaß gemacht, durch die ganzen Beiträge Deiner Aktion zu „surfen“.

      Viele Grüße.

      Steffi

  2. 14. Juli 2020 / 07:38

    Das klingt ja wirklich nach einem perfekten Sommerbuch! Schon allein bei dem Setting bin ich auch sofort dabei 🙂
    Liebe Grüße
    Sarah

    • glimrende
      Autor
      14. Juli 2020 / 15:14

      Hallo Sarah,
      ja, das Setting habe ich wirklich sehr geliebt.

      Viele Grüße.

      Steffi

  3. 15. Juli 2020 / 06:29

    Hallo Steffi,

    diesen Roman habe ich schon auf einigen Buchseiten bewundert, mir hat das Cover sofort zugesagt.
    Auch inhaltlich hat die Autorin wohl einige interessante Themen verarbeitet, es ist ein bunter Mix, der scheinbar über eine seichte Romanze weit hinausreicht.
    Das Buch wandert auf meine Wunschliste, danke für diesen Tipp.

    liebe Grüße und einen schönen Sommer,
    Barbara

    • glimrende
      Autor
      15. Juli 2020 / 21:41

      Hallo Barbara,
      ich wünsche Dir ebenfalls einen tollen Sommer 🙂

      Die Bücher von Simona Ahrnstedt kann ich Dir generell empfehlen.

      Herzliche Grüße.

      Steffi

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