|Leseliebe| „Die Letzte macht das Licht aus“ von Martin Frank

Martin Frank kenne ich dank meiner Mutter, die großer Fan seines kabarettistischen Programms ist und ihm begeistert auf Instagram folgt. Sein erstes Buch „Oma, ich fahr‘ schon mal den Rollstuhl vor“ habe ich ebenfalls gelesen und sehr gerne gemocht. Deshalb stand für mich außer Frage, dass ich „Die Letzte macht das Licht aus“ ebenfalls lesen möchte.

Werbung: das Hörbuch wurde mir von Netgalley kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

 

Die Letzte macht das Licht aus_Martin Frank_Rezension

 

Das Ende einer landwirtschaftlichen Ära

Wer die Karriere von Martin Frank ein bisschen verfolgt hat, weiß, dass er nicht nur ein grandioser Comedian / Kabarettist ist, der in bayrischer Mundart auftritt, sondern kennt auch seine Herkunft. Denn er thematisiert sein Aufwachsen auf einem traditionsbewussten Bauernhof im abgelegenen Bayrischen Wald regelmäßig in seinen Bühnenprogrammen.

In seinem neuen Buch „Die Letzte macht das Licht aus“ steht das Ende dieses Bauernhoflebens im Fokus. Sein Vater hat sich nach vielen Jahren der harten körperlichen Arbeit und des Kampfs gegen Bürokratie, niedrige Fleisch- und Milchpreise und die übermächtige Konkurrenz der Großbauern dazu entschlossen, den landwirtschaftlichen Betrieb aufzugeben.

 

Melancholie kurz vor Schluss

Obwohl weder Martin Frank noch sein Bruder sich ernsthaft mit dem Gedanken getragen haben, die Hofnachfolge anzutreten, wird die gesamte Familie wehmütig, als das Ende naht. Und von dieser finalen Phase berichtet Martin Frank in seinem Buch. Inklusive Rückblenden in die Vergangenheit, in der das bäuerliche Anwesen der Familie Frank voller Leben war und mehrere Generationen unter einem Dach lebten.

Es wird sehr persönlich, denn Martin Frank berichtet von seiner Kindheit und Jugend, in der er unter dem Gefühl gelitten hat, nicht so richtig in dieses Bauernhofleben zu passen. Hat er sich doch nie für Bulldogs interessiert und konnte seinen Vater auch nicht mit handwerklichen Fähigkeiten beeindrucken. Irgendwie schon kurios, das ausgerechnet ein künftiger Künstler, der mit einem Mann zusammenlebt, in einen Bauernhof in der tiefsten Provinz hineingeboren wird.

 

Realistisch und bewegend

Ich mochte das Hörbuch sehr gerne. Dieses wir vom Autor selbst eingesprochen. Das macht die Geschichte besonders authentisch, weil Martin Franks Dialekt durchscheint.

Da ich selbst vom Dorf stamme, konnte ich viele seiner Erzählungen aus der Kindheit bestens nachvollziehen. Auch bei uns konnte man in den letzten 40 Jahren das Bauernhofsterben live miterleben. Als ich klein war, gab es noch diverse Nebenerwerbslandwirte, die mittlerweile alle aufgegeben haben.

Gut gefallen hat mir, dass Martin Frank das Tierwohl im Blick hat und trotzdem realistisch aus der Praxis berichtet. Da kann eben nicht jeder von jetzt auf gleich auf Laufstall umstellen, und Tiere, die Zeit ihres Lebens in Anbindehaltung gehalten wurden, würden in einem Laufstall gnadenlos untergehen.

Besonders bewegt hat mich das Kapitel, in dem er davon berichtet, dass das persönliche Abholen von Kuhmilch für den Eigenbedarf eine kleine Renaissance erlebt hat, als vor zehn Jahren geflüchtete Menschen im Bayrischen Wald angesiedelt wurden. Die haben sich vermutlich gefragt, was das sein soll, was da in deutschen Supermärkten als Milch im Regal steht…

 

Fazit

Ich empfehle „Die Letzte macht das Licht aus“ nicht nur Martin-Frank-Fans sondern allen, die Berührungspunkte mit der Landwirtschaft haben oder einfach nur einen realistischen und nicht unkritischen Blick auf diesen oft missverstandenen Berufsstand  (Stichwort „dumme Bauern“) werfen möchten.

 

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