|Leseliebe| „What I Like About You“ von Marisa Kanter

Nachdem ich bei „Wenn Liebe eine Farbe hätte“ von Leonie Lastella mit dem Aufbau der Geschichte nicht ganz so zufrieden war – da diese mehr als offensichtlich auf einen großen Knall zugesteuert ist – hatte ich hohe Erwartungen an „What I Like About You“ von Marisa Kanter. Die Beschreibung klang nach einem tollen Jugendbuch (also Young und kein New Adult) mit „buchig“, „nerdigem“ Hintergrund.

Werbung: das Rezensionsexemplar wurde mir von netgalley kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

 

What I Like About You von Marisa Kanter

 

Online- vs. Offline-Persönlichkeit

Halle lebt ihr Leben vornehmlich online. Unter dem Pseudonym Kels betreibt sie den erfolgreichen Buchblog „One True Pastry“ (cooles Wortspiel zu OTP – one true pairing), auf dem sie mit Cupcakes Buchcover nachbaut und Jugendbücher rezensiert. Im Internet ist sie viel glücklicher, als ihm echten Leben, denn hier weiß sie immer, was sie sagen und wie sie sich verhalten soll. Auch ihre Panikattacken machen ihr online nicht zu schaffen. Und dann gibt es da auch noch Comic-Zeichner Nash, mit dem sich Kels besonders gut versteht.

Als Halle vor Beginn ihres letzten Highschool-Jahres zu ihrem frisch verwitweten Großvater zieht, ändert sich alles. Sie taucht plötzlich ins echte Leben ein. Findet Freunde in der Schule. Nähert sich ihren jüdischen Wurzeln an. Arbeitet hart in ihrem Traum vom College. Alles könnte so schön sein. Wäre nicht der waschechte Nash Teil ihrer College-Clique. Und Halle zu feige, ihm zu offenbaren, dass sie und Kels ein und dieselbe Person sind.

 

Unnötiges Drama und große Zufälle

Bereits anhand der Beschreibung könnt Ihr erahnen, woran ich mich bei „What I Like About You“ gestört haben könnte. Denn der Plot ist in einem entscheidenen Punkt dem eingangs erwähnten „Wenn Liebe eine Farbe hätte“ nicht unähnlich. Auch hier steuert Protagonistin Halle unweigerlich auf die Katastrophe zu – weil sie Nash nicht die Wahrheit sagt. Durch ein bisschen Kommunikation könnte viel Drama vermieden werden.

Erschwerend kommt bei „What I Like About You“ hinzu, dass die ganze Geschichte auf einem großen Zufall basiert. Denn in einem riesigen Land wie den USA verschlägt es Halle ausgerechnet an die Kleinstadt-Highschool von Nash.

 

What I Like About You von Marisa Kanter

 

„Buchige“ Wohlfühlatmosphäre

Neben diesen Schwächen gibt es aber auch einige Pluspunkte, die mir richtig gut gefallen haben. Da wäre zu allererst die „buchige“ Atmosphäre. Denn Halle lebt und liebt Bücher. Außerdem bewegt sie sich in der typischen Buchblogger-Community und steckt so viel Herzblut in ihren Buchblog. Das war herzerfrischend zu lesen. Vor allem, da man an jeder Zeile gemerkt hat, dass sich Autorin Marisa Kanter offensichtlich sehr gut in der Buchblase auskennt. Wenn aktuell schon niemand die Frankfurter Buchmesse besuchen darf, kann man als Leser mit „What I Like About You“  zumindest in Gedanken zur „BookCon“ reisen. Auch die Konflikte und Streitereien in der „book bubble“ (in der Geschichte exemplarisch dargestellt anhand der Frage, wer „darf“ Jugendbücher lesen? Nur Jugendliche oder auch Erwachsene?) wurde nicht ausgespart.

Ebenfalls beeindruckt hat mich, wie es Marisa Kanter gelungen ist, viel jüdische Lebensart in ihrem Buch unterzubringen. Das fand ich sehr spannend zu lesen, da mein Wissen um jüdische Feiertage vorher eher rudimentärer Natur war.

Die Schilderungen des Familienlebens von Halle – das liebevolle Geplänkel mit ihrem jüngeren Bruder, der Umgang mit dem trauernden Großvater, ihre Erinnerungen an die geliebte Oma und die beruflich eingespannten Dokumentarfilmer-Eltern – haben mir besonders gut gefallen. Denn diese Beschreibungen haben entscheidend zur Wohlfühlatmosphäre von „What I Like About You“ beigetragen.

 

Stärken & Schwächen

Ihr seht, mein Fazit fällt gemischt aus. Das Drama um Halle/Kels und Nash fand ich eher anstrengend und ein bisschen „aufgesetzt“. Die Grundstimmung des Buches und die Schilderungen aus der Book Community hingegen haben mir super gefallen. Deshalb eine klare Empfehlung für alle „book nerds“, die mehr über die eigene „Blase“ lesen möchten.

 

 

1 Kommentar

  1. 18. Oktober 2020 / 19:26

    Das Buch hat aufgrund des buchigen Settings auch schon meine Aufmerksamkeit erlangt. Schade, dass der Plot nicht so ganz überzeugen konnte. Vielleicht schaue ich aber trotzdem mal rein 😉
    Liebe Grüße
    Sarah

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