|Leseliebe| „Finne dein Glück“ von Bernd Gieseking

Für alle, die mich ein bisschen besser kennen, kommt es wenig überraschend: ich liebe Nordeuropa. Egal ob Norwegen, Island, Schweden oder Finnland – für eine Reise in diese Länder bin ich immer zu haben. Wäre keine globale Pandemie dazwischen gekommen, wäre ich in 2020 bei der Eiskunstlauf-WM in Stockholm als Zuschauer am Start gewesen und hätte so meinen nächsten Trip nach Nordeuropa zu verzeichnen gehabt. Da ich in absehbarer Zeit auf keinen Fall fliegen möchte, wird meine Rückkehr in den hohen Norden ein bisschen auf sich warten lassen. Da kam es mir sehr gelegen, dass ich mit „Finne dein Glück“ von Bernd Gieseking zumindest in Gedanken in den hohen Norden reisen durfte.

Werbung: das Rezensionsexemplar wurde mir von netgalley kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

 

Finne dein Glück von Bernd Gieseking

 

Auf der Suche nach dem Glücksgeheimnis der Finnen

In „Finne dein Glück“ schildert der Kabarettist und Finnlandliebhaber Bernd Gieseking in über 40 kurzen Kapiteln seinen 33 Tage andauernden Trip vom Süden Finnlands in den Norden und wieder retour. Er macht sie hier auf die Suche nach dem „Glücksgeheimnis“ der Finnen – führen diese doch regelmäßig die weltweite Statistik der glücklichsten Länder der Erde an. Worin liegt dieses Glücksempfinden begründet? In der Naturverbundenheit? Der Bescheidenheit? Oder – ganz simpel – in der Liebe zur Sauna? Auf seiner Reise trifft Bernd Gieseking die unterschiedlichsten Einwohner Finnlands und beendet jedes Kapitel mit einem persönlichen Tipp. Das kann eine Sehenswürdigkeit, ein lesenswertes Buch oder etwas „Ideelles“ sein. So ist „Finne dein Glück“ eine wilde Mischung aus Sachbuch, Reiseführer und Lebensratgeber.

 

Glück – und die Schattenseiten

Ich finde es gut, dass sich Bernd Gieseking neben den vielen positiven Aspekten Finnlands auch mit den Schattenseiten – wie z.B. der jahrhundertelangen Ausgrenzung der Samen – beschäftigt. Denn wie jedes andere Land auf der Welt hat auch Finnland seine dunklen Kapitel. Trotzdem kann man neidvoll auf dieses entspannte und in sich ruhende Volk im hohen Norden blicken. Denn auch ich habe es jedes Mal gespürt, wenn ich dort war: die Finnen sind beneidenswert freundlich, höflich, wenig gestresst und trotz aller Zurückhaltung gleichzeitig offen. Ich mag die Atmosphäre in Finnland und kehre immer wieder gerne zurück.

 

Große Vielfalt

An „Finne dein Glück“ hat mir vor allem die Vielschichtigkeit gut gefallen. Neben klassischen Touristen-Tipps habe ich auch geschichtliche oder politische und allgemeinbildende Dinge über Finnland erfahren. Manches davon ist mir total im Gedächtnis geblieben – wie z.B. die Tatsache, dass finnische Landwirte in der Tierzucht quasi vollständig auf Antibiotika verzichten müssen. Da stellt sich mir die Frage, wenn das in Finnland funktioniert, warum nicht auch in Deutschland?! Oder der tolle Satz: „In Finnland muss jedes Kind die gleichen Chancen haben, Premierminister zu werden!“ Wie meilenweit sind wir davon in Deutschland entfernt… Die Behandlung von Kindern als vollwertige Menschen und das tiefe Vertrauen in die Politik sind neben der Ruhe und Gelassenheit die zwei Dinge, um die ich die Finnen am meisten beneide.

 

Kleine Längen

Trotzdem hatte „Finne dein Glück“ auch ein paar Längen. Einfach, weil mich nicht jede Geschichte oder Anekdote gleich stark interessiert hat. Für meinen Geschmack waren es zu viele Begegnungen mit Menschen, die nach und nach abgespult wurden. Dazwischen immer wieder Kapitel, in denen einfach nur gereist und beobachtet wird, hätten mich mehr mitgenommen.

 

Warum ich im Herzen Finne bin <3

Trotzdem konnte mich das Buch von Bernd Gieseking in meiner Meinung bestätigen: ich bin im Herzen Finne! Ich habe einen genauso großen, persönlichen Bereich, in dem ich Eindringlinge nur ungern dulde, wie der durchschnittliche Finne. Es wäre ein Traum für mich (und alle Finnen), wenn die Pandemie bedingten Abstandsregeln für immer weitergelten würden. Auch bin ich nicht der größte Fan von „Geselligkeit“ und bin gerne für mich alleine. Wenn mich noch einmal jemand fragt, wie ich es verkrafte, während der Pandemie alleine zu wohnen, bekomme ich einen Schreikrampf…

 

Fazit

Vor meinem nächsten Finnland-Trip (Eiskunstlauf-EM – here we come…) werde ich definitiv noch einmal einen Blick in „Finne dein Glück“ werfen. Denn neben der Ergründung des Glücksgeheimnisses spielen typische, touristische Geheimtipps eine Rolle. Auch wenn nicht jedes Kapitel gleich spannend für mich war, hat mir das Buch trotzdem gut gefallen. Denn ich durfte ein paar neue Dinge über die fantastischen Finnen lernen.

 

 

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