|Wanderlust| Hüttenwanderung am Hochgrat

Irgendwie waren in diesem Jahr der September und Oktober meine persönlich ereignisreichsten Monate. Deshalb bin ich auch kaum mit dem Schreiben meiner Blogsposts hinterher gekommen. Vorenthalten möchte ich Euch zwei noch ausstehende Trips in die Berge trotzdem nicht. Die zweitägige Hüttentour am Hochgrat mit meinen Kollegen schon allein aus dem Grund nicht, weil die ein für mich ziemlich traumatisches Ereignis beinhaltet hat. 

 

Hüttentour Hochgrat

Tiefhängende Wolken aber immerhin kein Regen.

 

Wetterkapriolen und Autochaos

Da hat es den ganzen Sommer und Herbst über so wenig geregnet und ausgerechnet als die Hüttentour am Hochgrat im Kollegenkreis auf dem Plan stand, war quasi Dauerregen vorhergesagt. Ich habe mit meinen beiden Teamkollegen die Wettervorhersage eine Woche lang beobachtet, und es wurde einfach nicht besser.

Wegen der nicht rechtzeitigen Behebung des Unfallschadens an meinem Auto bin ich nicht von meiner Wohnung sondern von meinen Eltern aus angereist. Ich habe dort den minikleinen Mietwagen gegen das „Rentnerfahrzeug“ (entscheidendes Feature: man sitzt schön hoch) meines Vaters eingetauscht. 

Was ich an langen Fahrten alleine im Auto liebe: ich kann nach Herzenslust Hörbücher und Podcasts hören. So ist die Fahrtzeit keine verschwendete Zeit für mich. 

 

Hüttentour Hochgrat

Noch mehr Wolken.

 

Der Ausgangspunkt

Fast am Zielort – und gleichzeitig dem Ausgangspunkt der Wanderung zum Hochgrat – angekommen, wurde es ziemlich abenteuerlich, denn der Weg führte über mehrere Kilometer in Serpentinen bergan. Ich habe einfach gehofft, dass ich das richtige Ziel (keine Straße sondern die „Alpenarena Hochhäderich“) ins Navi eingegeben habe. Deshalb große Erleichterung als wenige Minuten nach mir auch mein Teamkollege auf den Parkplatz eingebogen ist.

 

Hüttentour Hochgrat

Aussicht: Fehlanzeige

 

Die Wetterbedingungen

Und was machte das Wetter? Bei meiner Ankunft auf dem Parkplatz hat es direkt los geregnet. Mäh… Alles grau in grau und nass. Doch während der Wartezeit auf den Rest der Truppe hat es aufgehört zu regnen. Ich nehme es bereits vorweg: so sollte es auch für den Rest des Tages bleiben. Uns erwartete zwar kein strahlender Sonnenschein, aber zumindest war es trocken und nicht total neblig.

 

Hüttentour Hochgrat

Manchmal klarte es etwas auf.

 

Die Route (und ungeplante Hindernisse)

Gewandert sind wir an diesem ersten Tag von der Alpenarena Hochhäderich über die Oberstiegsalpe zum Staufner Haus auf dem Hochgrat. Durch den Dauerregen der Vortage war es teilweise sehr glitschig. An einer Stelle mussten wir uns an einem Baum festkrallen, um eine schwierige Stelle zu überwinden. Das Problem dabei war, dass ein nicht unerheblicher Höhenunterschied zu überwinden war. Ich war die Zweitkleinste in unserer Gruppe und tat mich dabei natürlich schwerer als Kollegen mit plus 180 cm Körpergröße. Mit dem Ergebnis, dass ich quasi im Spagat über das Hindernis gerutscht bin. Fragt nicht, wie ich danach ausgesehen habe…

 

Hüttentour Hochgrat

Unter dem (ersten) Gipfelkreuz

 

Am Ziel angekommen gab es die Option, zum Gipfelkreuz des Hochgrat aufzusteigen. Das habe ich mir nicht entgehen lassen, auch wenn es mit einem letzten, sehr steilen Aufstieg verbunden war. 

 

Gipfelkreuz Hochgrat

Das Gipfelkreuz des Hochgrat

 

Die lieben Kollegen…

Mein persönliches Highlight war, als sich mir ein Kollege sehr förmlich inklusive Händeschütteln vorgestellt hat: „Ich bin der Bernd.“ Ich habe ihm im Gegenzug erklärt, dass wir uns bereits kennen, da wir beide auch bei der letzten zweitägigen Wanderung dabei waren. Wo er, by the way, mich abends beinahe von der Bank gedrängt hat, weil er ständig näher aufgerutscht ist. Seine Entschuldigung: „Ich bin ganz schlecht mit Namen und Gesichtern.“ Das hat er am nächsten Morgen direkt unter Beweis gestellt, als er mich mit den Worten ‚Guten Morgen! Wie hast Du geschlafen Katharina?’ begrüßt hat. Noch witziger war allerdings seine Reaktion, als er erfahren hat, wie alt ich bin. Er dachte nämlich, ich sei im Alter seiner Tochter. Die 13 Jahre jünger ist als ich.

 

Gipfelkreuz Hochgrat

Blick vom Hochgrat. Hier hatte sich der Nebel für ein paar Minuten verzogen.

 

Die Hüttengaudi

Der Abend auf der Hütte war sehr lustig. Ich habe mir zum Abendessen einen leckeren Kaiserschmarren gegönnt. Zu später Stunde wurde ich zu einer Partie „Mensch ärgere Dich nicht“ genötigt. Ein Spiel, das ich hasse. Denn ich mag keine reinen „Glücksspiele“. „Trivial Pursuit“ oder „Spiel des Wissens“ wäre eher meine Ding gewesen. Oder von mir aus auch ein Kartenspiel à la „Gaigel“ oder „Binokel“. Mein Zweierteam hat prompt verloren. Obwohl meine Mitspielerin vorher behauptet hat, dass sie im „Mensch ärgere Dich“ quasi unschlagbar sei.

 

Mensch ärgere dich nicht

Wir waren „schwarz“. Und haben offensichtlich gegen gelb verloren. Aber immerhin waren wir ein bisschen erfolgreicher als grün.

 

Der Hüttenkomfort

Viele reagieren ziemlich ungläubig, wenn ich sage, dass ich im Kollegenkreis auf einer Hütte übernachte. Du? Auf einer Hütte? Anscheinend bin ich dafür bekannt, dass ich eher länger im Bad brauche. Und mein eigenes, kuscheliges Bett liebe. Aber für einen Tag kann ich auf ein luxuriöses Bad verzichten. Und grundsätzlich auch in einem spartanischen Bett schlafen. 

 

Kaiserschmarren

Kaiserschmarren I

 

Die Nacht

Wobei ich bei letzterem nach dem Erlebnis vom Staufner Haus eine Einschränkung machen muss. Schlafsäcke konnte ich noch nie leiden. Ich habe mich schon als Kind darin eingeengt gefühlt und musste den Reissverschluss an der Seite offen lassen. Für das Staufner Haus war ein Hüttenschlafsack vorgeschrieben. Den hat mir netterweise mein Teamkollege geliehen (der offensichtlich einst in Vietnam auf große Einkaufstour gegangen und mehrere dieser dünnen Schlafsäcke aus Seide gekauft hat). Bei dem Hüttenschlafsack hatte ich das Problem, dass er an der Seite komplett geschlossen ist. Folglich konnte ich keinen Reissverschluss offen lassen. Also habe ich mich so hineingelegt, mich warm angezogen, mein Handy und meine Brille direkt neben mich gelegt und meine Ohrenstöpsel in die Ohren gestopft. Insgesamt waren vier Frauen Teil der Wandergruppe und so lagen wir alle zusammen in einem 4er-Zimmer auf der Hütte. Das Zimmer war nur unwesentlich größer als die zwei Stockbetten. Hat mich stark an einen alten Liegewagen im Zug erinnert.

 

Hochgrat im Nebel

Nebelverhangener Blick vom Hochgrat.

 

Mein Schlafsack-Trauma

Eingeschlafen bin ich recht schnell. Jedoch mitten in der Nacht geradezu panisch aufgewacht. Ich wusste im ersten Moment nicht, wo ich war, und hatte regelrecht Herzrasen. Außerdem fühlte ich mich durch den Schlafsack total eingeengt. Zum Glück habe ich mein Handy und meine Brille sofort gefunden. Die absolute Dunkelheit im Zimmer hat meine Panik nämlich nicht gerade gemindert. Leider musste ich feststellen, dass es erst gegen 2:00 Uhr war und mir somit noch fünf endlos lange Stunden bis zum Aufstehen um 7:00 bevorstanden. Um besser Luft zu bekommen, bin ich aus dem Zimmer raus. Auf dem Gang ging es mir deutlich besser. Zurück im Zimmer waren jedoch meine Atemprobleme sofort wieder da. Also bin ich erneut raus. Mit einem sehr schlechten Gewissen, denn ich wollte meine drei Mitbewohnerinnen nicht nerven. Als auch der nächste Versuch im Zimmer keine Besserung brachte, habe ich mir mein Bettzeug geschnappt und bin komplett ausgezogen. Langsam dämmerte mir auch, woher meine Atemprobleme kamen. Weil es draußen kalt war, hatten wir das Fenster geschlossen. Dadurch war es im Zimmer mittlerweile so warm und stickig, dass ich nicht durchatmen konnte. Auch das zwischenzeitlich von mir geöffnete – aber winzige – Fenster konnte daran nichts ändern. Ich hatte „ausspioniert“, dass der Massenschlafsaal gegenüber unseres Zimmers leer war. Der war zwar eiskalt, da alle Fenster offen waren. Aber das war in dem Moment genau das, was ich gebraucht habe. Also habe ich mich dorthin zurückgezogen. Und mit meiner bewährten Einschlaftaktik „erfinde in deinen Gedanken eine Wohlfühlgeschichte“ (ja, richtig gehört, ich schreibe in meinem Kopf quasi einen Mini-Roman) konnte ich tatsächlich noch ein paar Stunden Schlaf anhängen.  

 

Hochgrat im Nebel

Hochgrat im Nebel

 

Das Frühstück

Das Frühstück am nächsten Morgen fiel eher spartanisch aus. Da ich sowieso keinen Hunger hatte, habe ich auf meine in solchen Situationen übliche Kombination zurückgegriffen: Nutellabrot. Mit dem Ergebnis, dass nun alle Kollegen denken, ich würde immer Nutellabrot essen. Was schon seit Jahren nicht mehr stimmt. Ich habe nie Nutella daheim und frühstücke mit wenigen Ausnahmen „Over Night Oats“ mit Obst (also die ganz gesunde, naturbelassene Haferflockenvariante ohne jeglichen Zuckerzusatz).

 

Die Route

Es regnete bereits seit den Abendstunden des vergangenen Tages. Eine Besserung war nicht in Sicht. Nach einigem hin und her haben wir uns trotzdem auf den Weg gemacht. Allerdings nicht zur ursprünglich geplanten langen Gratwanderung sondern zu einer kürzeren Variante, die uns zum Hochhäderich und zum Falkenhaus geführt hat. Die Wanderung war abwechslungsreich und und ging über Stock und Stein. Nachdem ein Teil unserer Truppe plötzlich abgefallen war, ist auch unser Wanderführer zurückgeblieben. Die Leitung unserer Gruppe hat er an mich übergeben, so dass ich einen Großteil der Wanderung angeführt habe. Das hat gut geklappt, obwohl ich nicht gerade der trittsicherste Wanderer EVER bin. Ich bin bei dieser zweitägigen Wanderung über mich hinausgewachsen und habe gemerkt, wenn man muss und die Mitwanderer Vertrauen in deine Fähigkeiten haben, schafft man sehr viel mehr, als man sich vorher vorstellen konnte.  

 

Der Erklärbär

Nervig war nur, dass ein Kollege der Marke „Erklärbär“ hinter uns gelaufen ist. Der hat den gesamten Weg genutzt, um einem anderen Kollegen die Welt der Bergsteiger zu erläutern. Ich war so genervt, dass ich meinen Teamkollegen, der neben mir gewandert ist, gefragt habe, ob der „Erklärbär“ nicht irgendwo einen Ausschaltknopf hat… 

 

Kaiserschmarren

Kaiserschmarren II

 

Kaiserschmarren-Liebe

Unterwegs sind wir im Falkenhaus eingekehrt, das bei diesem Sauwetter definitiv mit keiner Kundschaft gerechnet hatte. Nach dem eher mickrigen Frühstück habe ich richtig zugeschlagen und mir eine weitere Portion Kaiserschmarren gegönnt. Da auch meine beiden Teamkollegen im Verlauf der Wanderung Kaiserschmarren gegessen haben, entstand das Gerücht, dass das unser offizielles „Teamessen“ sei.

 

Die Kälte

Leider trat bei diesem Zwischenstopp mein übliches „Sportproblem“ auf. So bald ich mich angestrengt habe und danach eine Ruhephase beginnt, kühle ich komplett aus. Bei dem nasskalten Wetter wäre ich in der Situation beinahe erfroren. Entsprechend bin ich mit zwei weiteren Kollegen dem endgültigen Ziel – dem Parkplatz von Tag 1 – regelrecht entgegen „gestürmt“. 

 

Der Abschied

Dort angekommen habe ich mich nur kurz von den Kollegen verabschiedet und bin direkt nach Oberstdorf weitergefahren. Wobei direkt eine Übertreibung ist, denn da der Pass gesperrt war, musste ich einen großen Umweg fahren. Aber im Auto war es zumindest warm, auch wenn ich den Knopf für die Sitzheizung nicht gefunden habe. Und wie der Tankdeckel zu öffnen war, blieb mir auch schleierhaft. Da musste ich an den nächsten Tagen das Internet zu Rate ziehen. Wer konnte auch ahnen, dass man dazu einen Knopf auf dem Boden neben dem Fahrersitz betätigen muss… 

Angekommen in Oberstdorf freute ich mich riesig auf eine warme Dusche. Sowie schickere Klamotten. Eiskunstlaufen. Und für die folgende Nacht auf ein kuscheliges Bett ohne Schlafsack… 

 

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