|Leseliebe| „Stauffenberg – mein Großvater war kein Attentäter“ von Sophie von Bechtoldsheim

Claus Schenk Graf von Stauffenberg ist schon seit dem wir alles rundum das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg im Geschichtsunterricht (den ich übrigens immer geliebt habe) durchgenommen haben, eine der interessantesten historischen Figuren, die ich kenne. Okay, ich muss zugeben, das liegt auch an seiner Optik. Denn dadurch, dass er ein wirklich gut aussehender, charismatischer Mann ist, ist er mir unweigerlich ins Auge gestochen.

Werbung: das Rezensionsexemplar wurde mir von netgalley kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

 

Stauffenberg Mein Großvater war kein Attentäter Sophie von Bechtoldsheim

 

Geschichtsstunde mit persönlichem Touch

Sophie von Bechtoldsheim ist einerseits Historikerin, andererseits die Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Entsprechend ist ihr Buch eine Mischung aus geschichtlicher Aufarbeitung und sehr persönlicher Sichtweise auf ihren Großvater. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf dem Leben und den Erinnerungen ihrer Großmutter, der Ehefrau Stauffenbergs.

 

Neutralität vs. persönlicher Einblick

Diese Mischung ist zum einen die Stärke, zum anderen aber auch ein bisschen die Schwäche von „Stauffenberg – mein Großvater war kein Attentäter“. Der sehr persönliche Ansatz, mit dem Sophie von Bechtoldsheim das Leben und Sterben ihres Großvaters betrachtet, macht dieses Buch zu etwas Besonderem. Gleichzeitig sind die Schilderungen der Autorin natürlich nicht so neutral, wie man es sonst von einem geschichtlichen Sachbuch erwarten würde. Wer also Details zum Wirken der Verschwörer oder einen minutiösen Ablaufplan des Attentats erwartet, wird enttäuscht.

 

Starke Großmutter

Wer hingegen mehr über die Familie Stauffenberg und was das Attentat mit der Familie gemacht hat, erfahren möchte, der hält das passende Buch in Händen. Mich haben vor allem die Schilderungen über Stauffenbergs Ehefrau Nina fasziniert. Sie hat nach dem Tod des Mannes und nach ihrer eigenen Befreiung aus der Haft unprätentiös und pragmatisch das Familienmanagement übernommen. Auch scheint es so, dass sie ihrem Mann nie dafür böse war, dass er sich selbst und seine ganze Familie in große Gefahr gebracht hat.

 

Kompakt aber nicht ganz so strukturiert

Mir hat in dem Buch manchmal etwas die Struktur gefehlt. Das hat es nicht einfach gemacht, den „roten Faden“ in Sophie von Bechtoldsheims Schilderungen zu finden. In der Hinsicht würde ich das Buch eher nicht als perfekte Lektüre für Leser, die sich noch nie mit den Ereignissen des 20. Juli 1944 beschäftigt haben, bezeichnen. Auf der anderen Seite ist es ein sehr kurzes Buch – das auch als Essay bezeichnet wird – was es wiederum für Neueinsteiger ins Genre „historisches Sachbuch“ perfekt macht.

 

Was wäre wenn?

Mich lässt die Geschichte von Claus Schenk von Stauffenberg auf alle Fälle nicht los. Einerseits hätte durch das Gelingen des Attentats so viel Leid verhindert werden können. Andererseits frage ich mich angesichts von „Fake News“ und ähnlichen Diskussionen, ob nicht eine Art neue „Dolchstoßlegende“ los getreten worden wäre. In dem Punkt ist „Stauffenberg – mein Großvater war kein Attentäter“ ein wichtiges Werk: es verleiht einer Augenzeugin wie Nina von Stauffenberg (die ja leider immer weniger werden) eine Stimme.

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