|Leseliebe| „Effi liest“ von Anna Moretti / Rezension

Über „Effi liest“ von Anna Moretti bin ich vor ein paar Wochen irgendwo auf Social Media gestolpert. Mich hat der Titel direkt angesprochen, denn ein Wortspiel zu „Effi Briest“, wie cool ist das denn. Außerdem spielt die Geschichte im 19. Jahrhundert und ist somit genau die Art von historischem Roman, die ich mag.

Werbung: das Rezensionsexemplar wurde mir von netgalley kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

 

Effi liest von Anna Moretti

 

Ein Mädchen setzt sich durch

Effi fliegt vom Mädchenpensionat, weil sie mit einem für Mädchen nicht schicklichen Buch erwischt wird. Auf der Bahnfahrt nach Hause lernt sie einen jungen Arzt kennen, der sie fasziniert. Zurück in ihrem Elternhaus ringt Effi ihrem Vater das Versprechen ab, Latein lernen und es im Anschluss mit einem Studium versuchen zu dürfen. Gleichzeitig muss sie sich ihrer übereifrigen Tante erwehren, die Effi unbedingt unter die Haube bringen möchte. Auch den jungen Arzt aus dem Zug trifft sie wieder, aber der ist ihr leider gar nicht mehr so sympathisch und fällt ihr ziemlich auf die Nerven…

 

Tolle Protagonistin

„Effi liest“ hat mir richtig gut gefallen. Für mich war dieses Buch die perfekte Mischung aus historischem Hintergrund, Witz und Unterhaltung. Das lag insbesondere an Effi, die eine tolle Protagonistin abgegeben und sich als starke Persönlichkeit präsentiert hat. Eine weiß Gott nicht einfache Aufgabe, wurden die Frauen der Oberschicht im prüden 19. Jahrhundert doch rein als Deko-Objekte betrachtet, die bitte keine eigene Meinung oder einen eigenen Willen haben sollten. Widersetzten sie sich diesen Vorgaben, sahen sie sich schnell mit dem Verdacht konfrontiert, an „Hysterie“ zu leiden.

 

Effi liest von Anna Moretti

 

Einblick in die Geschichte der Medizin

Und an dem Punkt kommen wir zu einem weiteren Grund, warum mich „Effi liest“ begeistern konnte. Ich habe quasi ganz nebenbei wahnsinnig viel über die Medizingeschichte des 19. Jahrhunderts erfahren. Welch seltsamen Behandlungsmethoden damals an Frauen getestet wurden. Wie sich auch renommierte Ärzte wie Sigmund Freud in dem Zusammenhang nicht mit Ruhm bekleckert haben.

 

Viele Pluspunkte

Äußert amüsant fand ich die Zitate am Anfang der einzelnen Kapitel. Da war z.B. von Marie von Ebner-Eschenbach zu lesen: „Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: alle dummen Männer.“

Gut gefallen hat mir auch der Aufbau. Nach jedem Kapitel – die wurden alle aus der Sicht von Effi erzählt – folgte ein Brief vom jungen Arzt an seinen Bruder. So erhält der Leser einen Einblick in das Seelenleben beider Hauptdarsteller.

 

Klare Leseempfehlung

Von mir beide Daumen nach oben für diese amüsante und lehrreiche Geschichte aus dem 19. Jahrhundert. Das hat Spaß gemacht!

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