|Leseliebe| „Aber vielleicht wird auch alles gut“ von Lea Melcher

Heute möchte ich Euch ein ungewöhnliches Buch vorstellen. Denn in „Aber vielleicht wird auch alles gut“ von Lea Melcher spielt zwar die Liebe eine Rolle – aber eben nicht die Hauptrolle. Als zentrale Themen des Romans würde ich vielmehr den Umgang mit Angststörungen und die Enttabuisierung der Psychotherapie benennen. Wie bei solch schweren Themen trotzdem ein locker, lustiges Buch herauskommen kann, davon erzähle ich in dieser Rezension

Werbung: das Rezensionsexemplar wurde mir von netgalley kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

Aber vielleicht wird auch alles gut von Lea Melcher

 

Ein ganz normales Leben?!

Emilia ist Mitte 30, lebt allein mit ihrer Katze und versucht, als Schriftstellerin Fuß zu fassen. Soweit, so normal. Zu ihrer Geschichte gehört jedoch auch, dass es vorkommen kann, dass sie wochenlang ihre Wohnung nicht verlässt. Denn Emilia leidet an einer Angststörung. Mit Hilfe von Errungenschaften des modernen Lebens wie z.B. Lieferdiensten hat sie es geschafft, sich um ihre Angststörung herum so etwas wie einen „normalen“ Alltag einzurichten. Erst als ihre einst große Liebe wieder in ihr Leben tritt und Emilia versehentlich mit ihm in einer Paartherapie landet, beginnt sie langsam, ihre Komfortzone zu erweitern. Nach und nach werden ihre Routinen auf den Kopf gestellt – und Emilia beginnt wieder zu leben…

 

Faszinierend

Für mich war „Aber vielleicht wird auch alles gut“ ziemlich faszinierend. Denn ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, einigermaßen zu verstehen, was es bedeutet, an einer Angststörung zu leiden. Wie sehr diese Erkrankung das Leben einschränken kann, wenn diese unbehandelt bleibt. Aber wie das Leben eben trotz allem weitergeht und die erkrankte Person nicht 24/7 weinend dasitzt sondern nichtsdestotrotz die ganze Bandbreite an Gefühlen erlebt.

Hier kommen wir zu einem Punkt, der mich besonders überrascht hat: eigentlich hatte ich erwartet, dass „Aber vielleicht wird auch alles gut“ ein sehr trauriges Buch ist, das mich beim Lesen (bzw. Hören) deprimiert. Tatsächlich war die Art und Weise, wie Emilia aus ihrem Leben erzählt, witzig und beinahe „rotzig“. Gleichzeitig konnte ich ihre Verzweiflung über die Erkrankung greifen.

In dem Zusammenhang hat mir sehr gut gefallen, dass es sich bei Lea Melcher um eine „Own Voice“-Autorin handelt. Denn so kann ihr niemand vorwerfen, dass sie die Erkrankung Angststörung in ihrem Buch klein redet und nicht weiß, wovon sie schreibt.

 

Hörbuch

Ich habe „Aber vielleicht wird auch alles gut“ als Hörbuch konsumiert. Obwohl die Geschichte auf zwei Zeitebenen spielt (im hier und jetzt und in der Zeit vor Emilias Erkrankung – just in der Phase, in der sie ihre große Liebe kennengelernt hat), konnte ich dem Handlungsverlauf problemlos folgen.

Es gibt nur eine Sache, die mich an dem Hörbuch gestört hat: ich empfand die Stimme der Sprecherin nicht als angenehm. Das mag Geschmacksache sein, aber ich würde jedem raten, der sich das Hörbuch holen möchte, eine kurze Hörprobe zu machen. Vor allem in den Szenen, in denen die Sprecherin ihre Stimme als Emilias Therapeut verstellt hat, war das „too much“ für mich.

 

Zitateliebe <3

Davon abgesehen hat mich „Aber vielleicht wird auch alles gut“ wirklich beeindruckt. Ich habe mir sogar ein Zitat notiert, das mir geholfen hat, zu verstehen, wie eine solche Angststörung entstehen kann:

Nach innen gerichtete Aggression wird zu Angst, wird zu Depression.

 

Fazit

Ihr seht, ich mochte die Geschichte von Lea Melcher gerne. Denn mich hat dieses Buch sowohl unterhalten, als auch nachdenklich gestimmt und etwas lernen lassen. Ganz besonders hervorheben möchte ich an der Stelle noch den Schluss – denn den fand ich wirklich klasse. Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Bücher zu ernsten Themen, die einen so lockeren Umgang mit der Problematik an den Tag legen.

 

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