Von Meike Winnemuth habe ich bereits ihr Buch über das Reisen („Das große Los“) und das Gärtnern („Bin im Garten“) gelesen und sehr geliebt. Als ich erfahren habe, dass sie ein Buch über das Lesen geschrieben hat, stand für mich außer Frage, dass ich „Eine Seite noch – Warum Lesen uns so glücklich macht“ lesen möchte.
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Leidenschaft Lesen
Meike Winnemuth teilt in „Eine Seite noch – Warum Lesen uns so glücklich macht“ ihren kompletten Lesesommer mit uns. Zu Beginn jeden Monats fasst sie ihren Lesemonat in Stichworten zusammen und am Ende des Kapitels erwartet uns eine Liste mit all ihren gehörten und gelesenen Büchern. Dazwischen berichtet sie von ihren Lesegewohnheiten sowie Begegnungen in Zusammenhang mit Büchern und testet verschiedene Genres von Klassikern über Sachbücher bis hin zu Romantasy.
Das alles macht sie auf so charmante Art und Weise, dass ich regelrecht durch die gut 200 Seiten geflogen bin. Ich fand es unglaublich spannend zu lesen, was Meike Winnemuth mit den verschiedenen Büchern verbindet und wie ihr z.B. das Abenteuer, ein Mammutprojekt wie Tolstois „Krieg und Frieden“ zu lesen, gefallen hat. Mich ganz persönlich hat zudem angesprochen, dass Thomas Mann und sein Werk eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Hervorheben möchte ich außerdem die Haptik und Optik von „Eine Seite noch“. Beides finde ich wunderschön und ein echtes Highlight für das Bücherregal.
Berührend
Da seit meinem 6. Lebensjahr kaum ein Tag vergangen ist, an dem ich nicht zumindest ein paar Zeilen gelesen habe, gehört das Lesen mit so viel Selbstverständlichkeit zu meinem Leben dazu, dass ich nie hinterfragt habe, warum das Lesen eine so große Rolle für mich spielt – im Leben vieler anderer Menschen jedoch nicht.
Deshalb haben mich zwei Stellen in „Eine Seite noch“ besonders berührt:
- Im Kapitel „Mai“ besucht Meike Winnemuth eine Schule und schreibt im Nachgang über die unterschiedliche Lesekompetenz der Menschen in Deutschland. Sie besucht eine Klasse von Kindern, die erst seit kurzem in Deutschland sind, und sich mühselig durch einfache Sätze quälen. In einer Standardklasse begegnet ihr Thea, die bereits dicke Bücher „weg atmet“. Hierzu schreibt die Autorin:
„Ich denke an Thea und ihre Wälzer und ihre Brotdose und denke: Alles Gute, ihr Kleinen, ihr habt euch nicht ausgesucht, mit welcher Dosis Glück ihr ins Leben startet.“
- Im Kapitel August beschäftig sich Meike Winnemuth mit der Hirnleistung, die hinter dem Lesen steckt. Ich war überrascht zu erfahren, dass das Lesen im Unterschied zur gesprochenen Sprache nicht angeboren ist. Wenn wir Lesen lernen, programmieren wir unser Gehirn quasi neu. Das finde ich faszinierend.
Kritisch
Trotz aller Begeisterung habe ich auch zwei Kritikpunkte. Zum einen hat mir nicht gefallen, wie herablassend Meike Winnemuth über „Romantasy“ schreibt. Ja, es ist okay, wenn das Genre nichts für sie ist. Aber gleich allen Autorinnen die Schreibkompetenz abzusprechen, ist in meinen Augen nicht gerecht und schlichtweg falsch. Zum anderen – und dazu passend – hat mich ihr unkritischer Umgang mit Denis Scheck überrascht. Vermutlich wurde „Eine Seite noch“ bereits vor dem Hochkochen des Sexismusvorwufs gegen ihn finalisiert, aber in meinen Augen war auch vorher schon abzusehen, welch unfaire Tendenzen seine „Verrisse“ haben.
Fazit
Trotz der obigen Kritikpunkte überwiegen bei mir die positiven Gefühle. Ich finde, „Eine Seite noch“ ist ein großartiges Buch für alle, die das Lesen lieben. Und vielleicht auch für die, die (noch nicht) verstehen, was das Lesen für eine Faszination ausüben kann.
