|Leseliebe| „Funkenflieger“ von Rita Falk

„Funkenflieger“     

Rita Falk             
Jugendbuch     
Deutsch
4 Sterne       

Marvin
wird von allen nur „Locke“ genannt und wächst irgendwo in Bayern in
einfach Verhältnissen auf. Seine beiden älteren Brüder haben einen
jamaikanischen Vater, Locke vermutlich einen deutschen, den er jedoch
nicht kennt. Die Mutter ist zwar körperlich anwesend, hängt jedoch meist
daheim auf der Couch und schaut stundenlang nachmittäglichen Trash auf
RTL und Sat1. Zum Glück gibt es seinen besten Kumpel Friedel, der zwar
einen Vater hat, von dem er aber maximal Haue erwarten kann. Dann doch
lieber nur eine lethargische Mutter, denkt sich Locke. Locke und Friedel
haben sich einen Rückzugsort auf einem verlassenen Fabrikgrundstück
geschaffen, den sie bald mit mehr Personen aus ihrem Umfeld teilen
müssen, als sie je erwartet hätten. Da wäre zum einen Aicha, die
Freundin von Lockes ältestem Bruder Kevin, die ungeplant schwanger
geworden ist. Außerdem quartiert sich Lockes Bruder Robin ein, der auf der Flucht vor
einigen Gangmitgliedern ist.
Ich finde es erstaunlich, wie Rita
Falk es schaffe, sich mit „Funkenflieger“ und „Hannes“ (den ich bereits
letztes Jahr gelesen habe), ein komplett neues Genre zu erschließen, das
so gar nichts mit Franz Eberhofer zu tun hat. Ihre Jugendbücher sind
sehr einfühlsam und man nimmt der Autorin die jugendliche
Erzählperspektive, die sie in beiden Büchern einnimmt, sofort ab.
„Funkenflieger“ hat mir eine Spur besser gefallen als „Hannes“, einfach
weil es trotz manch ernster Töne vorsichtige Zuversicht vermittelt.
Außerdem ist mir Locke als Hauptperson sehr ans Herz gewachsen. Trotz
der nicht gerade rosigen Umstände seiner Herkunft versucht er, das Beste
aus allem zu machen. Und zieht sich nicht auf den Standpunkt, „aus mir
wird ja eh nix, also kann ich auch kriminell werden“ zurück. Er mag kein
Musterschüler sein, das Rauchen sollte er auch besser lassen, aber er
hat das Herz am rechten Fleck.
Ein schönes Buch, das sich aufgrund seiner überschaubaren Länge auch für „zwischendurch“ oder den Strand eignet. 

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