|Leseliebe| „Mädelsabend“ von Anne Gesthuysen

Dieses Buch hat mich in den letzten Tagen berührt. Mitten ins Herz getroffen. Zu Tränen gerührt. Deshalb möchte ich „Mädelsabend“ von Anne Gesthuysen umgehend hier auf dem Blog vorstellen

Werbung: das Buch wurde mir von netgalley kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

 

Mädelsabend von Anne Gesthuysen

 

Frauenschicksale in der BRD

In „Mädelsabend“ stehen zwei Frauenschicksale vom Niederrhein im Fokus: die Enkelin ist junge Mutter und versucht – typisch Frau von heute – verzweifelt, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Die Oma hat sich Zeit ihres Lebens für die Familie aufgeopfert. Mit fast 90 möchte sie im Seniorenstift endlich einmal ihre eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Was bei ihrem anhänglichen Mann auf wenig Gegenliebe stößt.

Dies ergibt nicht nur das Porträt mehrerer Generationen sondern auch mit Hilfe von Rückblenden einen wilden Ritt durch die biederen 50er und die wilden 70er Jahre der Bundesrepublik bis ins hier und heute.

 

Selbstbestimmung

Warum nun hat mich „Mädelsabend“ so berührt? Geschichten vor historischem Hintergrund habe ich schon viele gelesen. Aber hier ging mir das Schicksal der Großmutter besonders ans Herz. Es hat mir aufgezeigt, wie gut ich es als „Frau von heute“ habe. Denn ich habe es selbst in der Hand, was ich aus meinem Leben mache. Ganz im Gegensatz zur Generation unserer Großmütter. Damals war der Ehemann federführend und hat z.B. darüber bestimmt, ob die Frau arbeiten darf (im Zweifel nein) und wie die Finanzen geregelt werden (auch wenn die Frau wie in „Mädelsabend“ das Vermögen mit in die Ehe gebracht hat). Ehefrauen waren ihren Männern also komplett ausgeliefert.

Besonders schlimm finde ich die Vorstellung, als frisch verheiratete Frau ins Haus der Schwiegereltern ziehen zu müssen und von den Schwiegereltern schikaniert und kontrolliert zu werden. Bei dem Gedanken läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Ich hätte das nicht überlebt.

 

Mädelsabend von Anne Gesthuysen

 

Entscheidungsfreiheit

In letzter Zeit hört man immer wieder, dass es zu Trennungen oder Scheidungen bei hochbetagten Paaren kommt (siehe Lothar Späth). Ich habe mich schon länger gefragt, wie es hierzu kommen kann. In „Mädelsabend“ schildert Anne Gesthuysen sehr plastisch, wie die Ehefrau noch einmal zu neuen Ufern aufbrechen möchte. Der Ehemann kommt bei diesem Tempo nicht mit und aus Angst, seine Frau zu verlieren, klammert er sich an sie und nimmt ihr damit die Luft zum Atmen.

Aber auch im Leben der Enkelin ist nicht alles Gold was glänzt. Denn was die Oma zu wenig an Entscheidungsfreiheit hatte, gibt es heutzutage zu viel, möchte man meinen. Trotzdem würde ich mich immer für das zu viel an Möglichkeiten und gegen das Leben unter der Fuchtel eines Mannes entscheiden.

 

Leichtigkeit

Trotz aller Dramatik gab es auch leichte und amüsante Momente, die mich zum Lächeln gebracht haben. Eine positive Grundstimmung kann man „Mädelsabend“ in meinen Augen auf keinen Fall absprechen. Sehr gut gefallen hat mir zudem, wie Anne Gesthuysen den Lokalkolorit vom Niederrhein ins Buch einbaut.

 

Mehrwert

Für mich stellt „Mädelsabend“ eine perfekte Mischung aus ernsten Tönen und Unterhaltung dar. Ich wurde unterhalten und gleichzeitig zum Nachdenken angeregt. Somit ist „Mädelsabend“ ein rundes Buch, das mir sehr viel gegeben hat.

 

2 Kommentare

  1. 18. März 2020 / 17:55

    Hallo,

    danke für die Vorstellung dieses Buches, ich möchte es auch gern noch lesen.
    Mir hat schon der Roman „Wir sind doch Schwestern“ von Anne Gesthuysen richtig gut gefallen. Darin geht es um drei Schwestern, von denen eine 100 Jahre alt wird und bei ihren Vorbereitungen für die Feier wälzen die Schwester ihre familiären Hintergründe und es werden die Alltagsprobleme der damaligen Generation sehr deutlich.
    Vielleicht wäre das auch interessant für dich, ich gebe dir mal den Link zu meiner Rezi.

    https://sommerlese.blogspot.com/2016/09/wir-sind-doch-schwestern-gesthuysen.html

    Liebe Grüße und komm gesund durch die Zeit,
    Barbara

    • glimrende
      Autor
      20. März 2020 / 20:21

      Hallo Barbara,
      danke für den Link zu Deiner Rezension. Schaue ich mir gleich an.

      „Wir sind doch Schwestern“ habe ich tatsächlich noch nicht gelesen. Dafür das zweite Buch von Anne Gesthuysen: „Sei mir ein Vater“. Da hat mir damals auch echt gut gefallen.

      Viele Grüße.

      Steffi

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