Nachdem ich im ersten Teil die Bücher aus allen anderen Kategorien vorgestellt habe, folgen nun die „super guten Bücher“ aus dem Lesemonat Mai 2026.
Super gute Bücher

„Thomas Mann“ von Tilmann Lahme
- Noch eine Thomas-Mann-Biografie? Braucht das die Welt? Diese hier auf jeden Fall, denn Tilmann Lahme wirft einen komplett neuen Blick auf den großen deutschen Dichter. Zum ersten Mal ist nicht nur von homoerotischen Tendenzen sondern von unterdrückter Homosexualität die Rede.
- Anhand von bislang nicht veröffentlichten, bewusst weggelassenen und falsch eingeordneten Quellen stützt der Autor seine These.
- Wie so häufig bei Thomas Mann steht nicht nur er selbst sondern auch seine illustre Familie im Fokus. So werden z.B. Katia Manns gesundheitliche Probleme mit der Lüge in Verbindung gebracht, die ihr Mann – und unweigerlich auch sie gemeinsam mit ihm – gelebt hat.
Für mich fühlen sich Bücher über die Manns nie wie Sachbücher sondern wir kurzweilige Romane an. So unglaublich, dramatisch und unterhaltsam war deren Leben. Im vorliegenden Werk hat mich vor allem der neue Blickwinkel sowie die Aufarbeitung bislang bewusst zum Schutz des großen deutschen Dichters weggelassener Quellen beeindruckt. Ich bin weiterhin bereit, jedes Buch über das Leben der Manns zu lesen. Ein bisschen stolz bin ich außerdem, dass dieser Wälzer meinem super erfolgreichen Lesemonat Mai 2026 keinen Abbruch getan hat. Das war nämlich zunächst meine Befürchtung…
„Die kleine Auszeit in den Bergen“ von Sabina Brack
- Zwei ungleiche Schwestern – die eine immer durchorganisiert und korrekt, die andere eine kleine Chaotin – beschließen auf einer einsamen Berghütte ein Retreat für eine kleine Gruppe an Menschen, die aktuell am Leben verzweifeln, anzubieten.
- So sammeln sie eine wilde Mischung an Teilnehmenden um sich: ein gestresster Banker aus der Großstadt, ein sich stets für seine Kinder aufopfernder alleinerziehender Vater, eine durch das ständige Vergleichen unglückliche Social-Media-Maus und eine Frau im besten Alter, die aus ihrer langweiligen Ehe ausbrechen möchte.
- Gemeinsam startet die Gruppe in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang: Wird der einfache Ort und das esoterisch angehauchte Programm dem Teilnehmerkreis gefallen? Werden die Schwestern sich zusammenraufen und ihre Meinungsverschiedenheiten ausblenden können? Und was ist mit den streitbaren Einheimischen, die auf dem benachbarten Hof wohnen und keine Fremden am Berg dulden?
Dieses Buch hat richtig Spaß gemacht. Berge und Yoga, das sind genau meine Themen. Außerdem waren die Figuren so plastisch gezeichnet, dass das Buch wie ein ARD-Freitagabendfilm vor meinem inneren Auge abgelaufen ist. Aber was sagt es über mich aus, dass ich mich mit der klar strukturierten Schwester besonders gut identifizieren konnte und beim Lesen einen Crush auf den Banker entwickelt habe?
Ich würde mir wünschen, dass diese Geschichte mehr Aufmerksamkeit bekommt.

„Boy Friends“ von Kai Spellmeier
- Luca und Simo sind beste Freunde, die ohneeinander das Highschool-Leben ziemlich unerträglich fänden.
- Aber Luca ist auch verliebt in Simo. Und das kann er ihm unmöglich sagen. Denn das würde alles zerstören, oder?
- Doch dann nimmt jemand Unbekanntes Luca die Entscheidung ab: Auf der riesigen Informationstafel ihres Heimatorts steht, dass die beiden sich lieben. Wie damit umgehen? Verdrängen? Verstecken? Oder wirklich verlieben?
Hach, was für eine tolle Geschichte – perfekt für den Pride Month Juni. Ich mochte es sehr, die Geschichten aus den unterschiedlichen Perspektiven der zwei Freunde zu lesen. Die sich in- und auswendig kennen, aber trotzdem Geheimnisse voreinander haben.
Eigentlich bin ich niemand, der in Bezug auf Bücher den Werbeslogan „für Fans von…“ mag, aber hier würde ich ganz eindeutig sagen: Für Fans der Hearstopper-Reihe!
Eine Sache hat mich sehr überrascht. Das ist kein Einzelband. Ganz eindeutig nicht. Das Ende hat mich aus den Socken gehauen…

„Fleur de Lavande – Wie du strahlst“ von Gabriella Santos de Lima
- Von außen könnte man meinen, Julias Leben wäre perfekt. Ist sie doch die Tochter einer berühmten, französischen Parfum-Dynastie namens „Fleur de Lavande“ und darüberhinaus eine überaus begabte Fotografin.
- Doch in einer Hinsicht war Julia noch nie perfekt: ihre Figur hat schon immer die Vorstellung der „petite“ Französin gesprengt, die ihre Mutter verkörpert wie keine Zweite. So hat sich Julia, so lange sie denken kann, gefühlt, als wäre sie zu viel. In jeglicher Hinsicht. Ja, sie lebt mittlerweile den „Body Positivity“-Gedanken und ist auch aktivistisch tätig. Und trotzdem bleibt es ein täglicher Kampf, nicht in alte Muster zu verfallen und an der Diet Culture zu verzweifeln.
- Dann lernt Julia Étienne kennen. Der ausgerechnet der designierte Nachfolger des größten Konkurrenten von „Fleur de Lavande“ ist. Wie immer möchte Julia etwas rein Körperliches. Doch dieser große Gentleman, der so viel in ihr zu sehen scheint, berührt Julia auf eine bislang unbekannte Weise. Kann das gutgehen?
Wow. Hier ist Gabriella Santos de Lima etwas ganz besonderes gelungen. Man merkt an jeder Seite, wie sehr sie für Julia und ihren Struggle brennt. Wie sehr sie vermutlich ihre eigene Geschichte mit uns teilt. Weshalb ich beim Lesen nie von dem Gedanken weg kam: „Oh Gott, ich hoffe nur, dass Gabriella all das nie selbst erfahren und fühlen musste“. So ein wichtiges Buch in Zeiten von SkinnyToc und dem Trend, das Frauen wieder möglichst wenig Raum einnehmen sollen.
Neben dem Thema hat mir auch der unkonventionelle Aufbau der Liebesgeschichte besonders gut gefallen. Da war nie dieser große Knall, sondern man ist beim Lesen quasi mit den beiden in die Liebe hineingeschlittert.
Ich freue mich auf Band 3, der am 08.10.2026 erscheinen wird.
„Das Flüstern im Eis“ von Lenz Koppelstätter
- Der Ortler ist der höchste Berg Südtirols. Einer von der Sorte, die man nicht als Tourist in Turnschuhen besteigen sollte (sonst kommen die Bergretter aus meiner heiß geliebten ARD-Doku „In höchster Not“). An der besonders gefürchteten Nordwand findet ein Wettkampf zwischen zwei der begnadetsten Kletterinnen der Gegenwart statt.
- Saltapepe und „seine“ Silvia sind vor Ort. Was ein idyllischer Ausflug sein soll, entpuppt sich schnell als neuer Fall. In der Turnhalle wird der Chef der Bergrettung ermordet aufgefunden und die iranische Teilnehmerin des Kletterduells verschwindet spurlos.
- Das Team um Kommissar Grauner ermittelt am Berg und im Tal. Saltapepe kommt dabei den Südtiroler Bergen näher, als er es jemals wollte…
Ich bin bekanntermaßen großer Fan der Reihe, aber diesen Teil mochte ich besonders gerne. Das Buch stammt bereits aus 2023, hat aber aufgrund der diesjährigen Entwicklungen im Iran eine erschreckende Aktualität.
Ich bewundere Lenz Koppelstätter sehr dafür, dass er nach über 10 Bänden noch immer ein hohes Niveau hält und mit neuen Fällen und Orten in Südtirol zu überraschen weiß.
Das war mein Lesemonat Mai 2026, der mir unglaublich viel Spaß gemacht hat. Habt alle einen tollen Lesemonat Juni 2026. Meiner lässt sich bisher recht gut an. Es könnte sein, dass er zwei Jahreshighlights beinhalten wird…

Hallo liebe Steffi,
ich sehe schon: Du hattest einen richtig schön abwechslungsreichen Lesemonat.
Um die Fleur de Lavande-Reihe kreise ich schon seit einer Weile herum. Irgendwie bin ich neugierig, aber mir fehlt noch der letzte Funke. Ich meine, du warst schon beim ersten Band so begeistert von der Geschichte und auch der zweite Band scheint dir wieder richtig gut gefallen zu haben. Das freut mich sehr und das motiviert irgendwie auch, der Geschichte mal eine Chance zu geben.
Mit deinen Worten zu Boy Friends hast du mich auch gleich gekriegt. Das klingt nach einer richtig schönen und süßen Geschichte.
Ich wünsche dir einen wunderschönen Start in den Juli und viele gute und spannende Bücher auf der Leseliste.
Ganz liebe Grüße
Tanja :o)
Autor
Liebe Tanja,
herzlichen Dank für Deinen Kommentar.
Von Gabriella Santos de Lima kann ich Dir wirklich alles von ganzem Herzen empfehlen. Sie hat immer super aktuelle Themen, einen tollen Schreibstil und Herzklopfen gibt es on top.
Ich hoffe, Dein Lesemonat Juli lief ebenfalls toll 🙂
Viele Grüße
Steffi