|Leseliebe| Meine Lesegeschichte

Da es auch in meiner Umgebung Personen gibt, die nicht so viel und so
begeistert lesen wie ich, bin ich auf die Idee gekommen, meine
„Lesegeschichte“ aufzuschreiben, um ein bisschen zu erläutern, warum ich
mir ein Leben ohne Lesen nicht vorstellen kann.
Ich denke,
einen Teil meiner Lesebegeisterung habe ich meinem Elternhaus zu
verdanken. Meinen Papa kann ich hier ausklammern, denn der liest nur
Zeitung und Zeitschriften, wobei meine Mutter behauptet, dass er da auch
nicht wirklich liest sondern nur Bilder anschaut… Meine Mutter
hingegen war schon seit Kindertagen eine begeisterte Leserin. Was in
ihrem Fall keine Selbstverständlichkeit ist, denn sie ist in den 60er
Jahren auf dem Land aufgewachsen und der Zugang zu Büchern war damals
gar nicht so einfach. Auf alle Fälle bin ich mit Büchern und einer
lesenden Mama groß geworden. Ich denke, diesen Einfluss darf man auf
keinen Fall unterschätzen, denn wie soll ein Kind einen Zugang zum Lesen
finden, wenn es in einem „bücherfreien“ Haushalt aufwächst?!

Morgan Matson – meine Lieblingsautorin im „Young Adult“-Bereich

Als
ich in der Schule lesen gelernt habe, ist es mir von Anfang an leicht
gefallen. Ich war auch in den anderen Fächern (außer Sport…) nie
schlecht, aber in Mathe musste ich mich z.B. ein bisschen anstrengen,
während Lesen einfach Vergnügen für mich gewesen ist. Okay, eine
Ausnahme gab es. Im Lesebuch der ersten Klasse gab es eine Geschichte,
in der das Wort „nanu“ vorkam. Ihr glaubt nicht, wie oft mein Vater mit
mir diese Stelle geübt hat, bis ich nicht „nuna“ oder eine andere
Abwandlung gelesen habe. Auch der Lehrerin blieb mein Talent für das
Lesen nicht verborgen und so durfte ich bei der Abschlussfeier der 2.
Klasse eine komplette Geschichte vorlesen. Da bis kurz vor der Feier
nicht klar war, ob ich daran würde teilnehmen können (Stichwort
Windpocken), gab es eine Zweitbesetzung, die allerdings nicht aus einer
Person sondern aus mehreren Klassenkameraden bestanden hat, denn hierfür
hatte die Lehrerin die gesamte Geschichte auf verschiedene Kinder
aufgeteilt. In dem Moment war mir klar, dass ich wohl ziemlich gut lesen
können musste 😉
Als
die Lesefähigkeit soweit fortgeschritten war, dass ich mich an ganze
Bücher heranwagen konnte, habe ich alle meine Klassenkameraden beneidet,
die ältere Geschwister und deshalb einige Bücher für Leseanfänger
daheim hatten. Ich musste erst auf meinen Geburtstag warten, damit ich
mir die ersten Bücher in Schreibschrift wünschen konnte („Das Krokodil
der Herrn Pfefferminz“ und „Lieber kleiner Igel“). Ab diesem Zeitpunkt
war ich ein begeisterter Viel- und Schnellleser. Wie bereits in einem
anderen Blogpost erzählt, habe ich z.B. alle Bände aus der „Meine
Schwester Klara“-Reihe oder in den Osterferien der zweiten Klasse die
Gesamtausgabe der „Kinder aus Bullerbü“ verschlungen.

„Vampire Academy“ und das Spin-Off „Bloodlines“ sind meine Lieblingsreihe aus dem Bereich „Fantasy“

 

Irgendwann
wurden meiner Mutter die Bücheranschaffungen zu teuer, und ich habe in
den Sommerferien einen Ausweis für die Stadtbibliothek (22 km entfernt
von meinem Heimatdorf) bekommen. Dort habe ich mich u.a. durch die
komplette „Drei Fragezeichen“-Reihe gelesen. Als ich meine Mutter vor kurzem gefragt
habe, ob ich in den Sommerferien ein anstrengendes Kind war
(mittlerweile ist man ja von stöhnenden Eltern umgeben, die von ihren zu
bespaßenden Kindern genervt sind), meinte sie „nein, du hast dich immer
schön selbst beschäftigt und ab dem Zeitpunkt, wo du lesen konntest,
war das eh alles kein Problem mehr. Da hat man stundenlang nichts von
dir gesehen und gehört.“
Ich habe mich auch gerne am Bücherregal
meiner Mutter vergriffen und Ende der 80er Jahre die damals beliebten
„Konsaliks“ und „Uta Danellas“ gelesen. Zugegebenermaßen habe ich im
Grundschulalter nicht wirklich alles verstanden. Manches hat sich erst
ein, zwei Jahre später zu einem Gesamtbild zusammengefügt. U.a. erinnere
ich  mich da an ein Kapitel aus dem Begleitbuch zu „Eine glückliche
Familie“ (Fernsehserie der ARD mit Maria Schell und Siegfried Rauch in
der Hauptrolle) mit der Überschrift „Das erste Mal“…

Amerikanische Reihen sind im Hardcover normalerweise viel hübscher als deutsche Bücher. „Silber“ von Kerstin Gier kann da aber durchaus mithalten.

Natürlich
gab es auch ab und zu Phasen, in denen ich wenig gelesen habe, jedoch
waren diese Abschnitte immer nur kurz und an die letzte Phase dieser Art
kann ich mich ehrlich gesagt nicht erinnern. Seit ich mit der S-Bahn
zur Arbeit fahre, habe ich meine festen Lesezeiten von ca. 50 Minuten am
Tag. Zusätzlich lese ich vor dem Einschlafen ein paar Seiten, so dass
ich im Normalfall problemlos auf eine Stunde am Tag komme.
Gerade
Männer in meinem Job, der das Lesen von Gesetzen und Fachliteratur
zwingend bedingt, begründen ihre Leseunlust gerne damit, dass sie beruflich schon sooo viel lesen müssen, dass es für sie keine
Entspannung wäre, wenn sie privat auch noch zu Büchern greifen würden.
Das kann ich überhaupt nicht verstehen, denn es ist ein riesiger
Unterschied, ob man Fachliteratur durchackert oder zum Vergnügen einen
Roman liest. Mir kann niemand ernsthaft erzählen, dass er ein Urteil des
Bundesfinanzhofs (oder noch schlimmer, des EuGH) mit „Harry Potter“
vergleichen möchte. Aus diesem Grund hatte ich während der
Klausurenphase an der FH auch meist echte „Lesehochphasen“, da ich immer
wieder zur Entspannung fünf Minuten in einen Roman anstatt in ein
Fachbuch geschaut habe.
Ein Leben ohne Lesen kann ich mir nicht vorstellen. Es würde so viel Lebensqualität verloren gehen. Ich brauche diese Fluchten aus dem Alltag. Ohne Bücher – ohne mich.

 

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