|Leseliebe| „Muswiese“ von Wildis Streng / Rezension

In Hohenlohe tanzte ein echter Mann seiner Meinung nach nur, wenn er mit 40 immer noch Single war und im „Apfelbaum“ eine Frau angraben wollte, oder wenn er, noch älter, Mitte 60, unglücklich verheiratet oder geschieden, ab und zu nach Neustädtlein in die „Tanzmetropole“ ging – da war Discofox ganz hilfreich.

„Die Hektar hat“ (Muswiesen-Version von „Die immer lacht“).

Von diesem Buch hatte ich Euch bereits an dieser Stelle hier erzählt, denn ich habe es auf der Muswiese gekauft – dem Schauplatz, an dem der Krimi spielt.

Bei den Hohenlohe-Krimis von Wildis Streng stehen die beiden Kommissare Lisa Luft und Heiko Wüst im Mittelpunkt. Er ist waschechter Hohenloher, sie zugezogen aus Westfalen und die beiden sind auch privat ein Paar.

Muswiese von Wildis Streng

„Muswiese“

  • Wildis Streng
  • Hohenlohe Krimi
  • Krimi
  • Deutsch
  • 4 Sterne (von 5 möglichen Sternen)
  • Empfehlung: für alle Krimiliebhaber aus Hohenlohe

In Musdorf bei Rot am See im Landkreis Schwäbisch Hall (ja, Schwäbisch Hall gibt es wirklich, das ist nicht nur eine Bausparkasse) bricht die 5. Jahreszeit an, denn wie jedes Jahr startet an einem Samstag im Oktober der größte Krämer-/Jahrmarkt der Region: die Muswiese. Eigentlich wollte Kommissar Heiko Wüst das deftige Essen und die einmalige Atmosphäre dort richtig genießen, aber da kommt ihm nicht nur seine Freundin und Kollegin Lisa Luft mit ihrer Shopping-Begeisterung und der Besuch seiner ungeliebten Schwiegermutter (ausgerechnet während der Muswiese!) in die Quere sondern auch das gewaltsame Ableben einer Muswiesenwirtin. Die ermordete Erika Böckler hat sich durch ihr intrigantes Verhalten viele Feinde in Musdorf und Umgebung gemacht, was den Kreis möglicher Täter unübersichtlich gestaltet. Mehr als einmal durchkämmen Lisa und Heiko die Muswiese auf der Suche nach einem Verdächtigen und lassen sich nebenbei Schlachtplatte, Bratwürste und Burgunderbraten schmecken.

Muswiese von Wildis Streng

Diesen Regionalkrimi kann man in meinen Augen in zwei Bereiche aufteilen:

Zum einen wäre da die eigentliche Krimihandlung, die man etwas spannender und „krimineller“ hätte gestalten können. So richtig packend wurde es leider nie, was in meinen Augen auch daran liegt, dass sich die Kommissare mehrfach auf einer falschen Spur befinden, was man als Leser schon allein daran erkennen kann, dass für eine Festnahme des Täters noch zu viele Seiten im Buch übrig sind.  So war ich nach dem Ausschlussprinzip bereits in der Mitte des Buches dem richtigen Täter auf der Spur. Am Ende war es zwar nicht genau die Person, auf die ich getippt hatte, aber der Mörder kam zumindest aus dem Umfeld der von mir als tatverdächtig auserkorenen Person. Im übrigen muss ich in dem Zusammenhang anmerken, dass die Beweggründe des eigentlichen Mörders etwas weit hergeholt erscheinen, weshalb man als Leser Schwierigkeiten hat, diese Person als tatverdächtig zu enttarnen.

Muswiese von Wildis Streng

Das schwäbisch-hällische Schwein musste bei einem Buch über die Muswiese einfach mit aufs Bild.

Neben der Krimihandlung ist der zweite zentrale Bereich von „Muswiese“ der Lokalkolorit und der wird absolut perfekt in Szene gesetzt. Jeder, der schon einmal auf der Muswiese war, hat diese beim Lesen des Buches bildlich vor Augen, denn da stimmt nicht nur die Anordnung der Stände auf dem Krämermarkt, auch sämtliche Muswiesenwirte werden namentlich benannt (wobei in den Mordfall natürlich nur fiktive Muswiesenwirte verstrickt sind). Außerdem wird Dialekt gesprochen (z.B. „Sou, bisch a weng doa…“ – die typische Muswiesen-Begrüßung) und die Eigenheiten der Hohenloher werden nicht zuletzt anhand des Paradebeispiels eines Hohenlohers, Kommissar Heiko Wüst, aufgezeigt. Dieser Aspekt von „Muswiese“ hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich im Urlaub grinsend auf meiner Liege am Pool lag und immer wieder meinen mitreisenden Hohenlohern daraus zitiert habe.

So hat mir diese Geschichte trotz Schwächen in der Krimihandlung insgesamt richtig viel Spaß gemacht. Ob ich „Muswiese“ Lesern aus ganz Deutschland empfehlen kann, weiß ich nicht, aber für alle Einheimischen ist es quasi Pflichtlektüre. In diesem Sinne: Weihnachten ist jedes Jahr, aber Muswiese nur einmal im Jahr!

Hinweis: mit dieser Rezension nehme ich an der „Blogger empfehlen dir ihr Lieblingsbuch für den Herbst 2017“- Aktion von „Der Duft von Büchern und Kaffee“  und „Meine Welt voller Welten“ teil. Warum ich mich für „Muswiese“ als mein Lieblingsbuch für den Herbst entschieden habe? Weil die Muswiese für mich traditionell den Herbst einleitet, denn dort ist es meist kühl und windig, manchmal auch sonnig – typisches Herbstwetter eben. Deshalb denke ich, dass man mit diesem Buch richtig in Herbststimmung kommen kann. 

 

11 Kommentare

  1. 25. Oktober 2017 / 19:18

    Hallo – selbst wenn der Krimiteil nicht so überzeugt,scheint das menschliche mit der Umgebung gelungen – Ich bin jetzt nicht so der Krimifan – eher Thriller – aber das Cover finde ich auch total klasse – Ich werde mal Probelesen und mal sehen wie es mir so gefällt.Liebe Grüsse

    • glimrende
      25. Oktober 2017 / 20:13

      Hallo Rina,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Ja, das Cover mag ich auch sehr gerne. Das sind die Originalkostüme vom „Metzgerstanz“, der während der Muswiese aufgeführt wird (und natürlich auch im Buch eine Rolle spielt).

      Viele Grüße,

      Steffi

  2. 26. Oktober 2017 / 18:25

    Liebe Steffi,
    ich selbst lese ja, wie du vermutlich weißt, keine Krimis. Aber bei deiner Einleitung musste ich schon Grinsen. Heikos Kollegin scheint sein Leben doch ein wenig auf den Kopf zu stellen. Das hört sich nach einer sehr guten Lektüre für die etwas kältere Jahreszeit an. Zumal hier scheinbar Spannung aber auch Humor nicht zu kurz kommen :o)

    Vielen Dank, dass du mit deinem Lesetipp an der Aktion teilgenommen hast :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

    • glimrende
      26. Oktober 2017 / 20:28

      Ich bin auch beim nächsten Mal gerne wieder bei Euren Lesetipps dabei 🙂 Gibt es die Aktion auch zu Weihnachten?

  3. 27. Oktober 2017 / 10:55

    Hallo Steffi,
    klingt perfekt, klingt wirklich perfekt. Eine super Vorstellung, und ich hätte jetzt Lust auf die Muswiese 😀
    Liebe Grüße von Daniela
    hier ist mein Beitrag, der als Lokalkolorit Botswana hat, eine ganz andere Ecke

    • glimrende
      27. Oktober 2017 / 15:15

      Hallo Daniela,
      das freut mich, dass Dir mein Beitrag gefallen hat.
      Da werde ich gleich auf Deinem Blog schauen, was Du zum Thema Botswana vorgestellt hast.
      Herzliche Grüße,
      Steffi

  4. 29. Oktober 2017 / 19:40

    Huhu Steffi,

    was ist denn das für ein unglaublich süßes Kuscheltier?? Also von den Fotos war ich direkt hin und weg. c:

    Ok, ok, nochmal zurück auf Anfang. Ich freue mich riesig, dass du dich unserer Aktion angeschlossen hast und uns dieses Buch vorgestellt hast. Die „Muswiese“ kannte ich bisher noch überhaupt nicht und deswegen habe ich es mal ein wenig gegooglet. Dadurch, dass es im Oktober stattfindet, passt deine Empfehlung wirklich super in den Herbst! Wobei ich auch finde, dass allein ein Krimi schon totales Herbstfeeling mit sich bringt. Das passt bereits perfekt zum Halloween-Flair.

    Das Buch selbst, scheint allerdings nichts für mich zu sein. Bei Krimi-Büchern habe ich oft das Problem, dass ich den Täter viel zu schnell heraus habe oder den Handlungsverlauf vorherbestimmen kann. Die Genre kann mich selten überraschen und wenn du bereits schreibst, dass es so schnell vorhersehbar ist, würde ich eher nicht dazu greifen. Es freut mich aber sehr, dass du trotzdem noch so viel Spaß mit der Geschichte hattest! c:

    Ganz liebe Grüße
    Leni

    • glimrende
      1. November 2017 / 15:43

      Hallo liebe Leni,
      vielen Dank für Deinen Kommentar und dafür, dass Du gemeinsam mit Tanja die ganze Aktion organisiert hast.
      Herzliche Grüße,
      Steffi

    • glimrende
      1. November 2017 / 15:58

      Hallo Wildis,
      oh, das freut mich sehr, dass es Dich auf meine Seite verschlagen hat. Vielen Dank für das Verlinken meiner Rezension. Ich freue mich schon auf den nächsten Krimi von Dir.
      Herzliche Grüße,
      Steffi

      • Wildis
        2. November 2017 / 20:01

        Awwer geera. Ja, des interessiert mii ja aa. Und ich schreib grad tatsächlich am nächsten. 😊 Also, viel Erfolg und viel Spaß, Wildis.

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