Julia Dibbern bin ich seit ihrer Norwegen-Reihe, die sie unter dem Pseudonym Julie Birkland veröffentlicht hat, treu. Ich habe alle ihre Romane gelesen und sehr gemocht, weshalb für mich außer Frage stand, dass ich auch ihr neues Buch „Zugvögel wie wir lesen“ möchte.
Werbung: das Buch wurde mir vom Bloggerportal kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

Herzlichen Dank an meinen Kollegen, der mir aus seinem Fundus Fotos von Kranichen zur Verfügung gestellt hat.
Auf der Spur der Kraniche
Eva ist eine Frau in den Fünfzigern, die am Scheideweg steht. Beruflich gibt es Probleme, ihre Ehe ist schon lange zerbrochen, ihre Mutter wird immer gebrechlicher und mit ihrer Tochter hat sie keinen Kontakt. Als sie während eines Schwedenurlaubs bei ihrer besten Freundin, die mit dem perfekten Familienleben gesegnet zu sein scheint, einen verletzten Kranich findet, reift in Eva ein beinahe unglaublich erscheinender Plan: Mit einem altersschwachen Fahrrad möchte sie dem Weg ihres Kranichmädchens bis nach Frankreich folgen.
In der rauen Natur lernt Eva viel über sich selbst und das Leben allgemein. Vielleicht ist an dem Spruch, dass es für einen Neustart nie zu spät ist, doch etwas dran?!
Starke Protagonistinnen
„Zugvögel wie wir“ habe ich an Ostern an nur einem Tag beendet. Das ist wahrscheinlich alles, was man über die Qualität der Geschichte wissen muss. Ich mochte es sehr, Eva auf ihrem langen Weg von Schweden nach Frankreich zu folgen. Mir hat gute gefallen, sie dabei zu beobachten, wie sie langsam über sich hinauswächst und sich ganz neue (und auch längst vergangen geglaubte) Welten erschließt.
Gleichzeitig ist Eva ein eher sperriger Charakter. Besonders am Anfang neigt sie zum Zaudern. Was man aus der Perspektive ihrer Tochter über sie erfährt, lässt zusätzlich Zweifel an ihrem Verhalten aufkommen. Trotzdem habe ich sie nie als unsympathisch empfunden, sondern Julia Dibbern hat es geschafft, dass ich beim Lesen für beide Frauen Verständnis aufgebracht habe. Ich konnte beide Positionen nachvollziehen.

Kraniche in Aktion
Wie im Film…
Die Roadtrip-Atmosphäre ist für mich ein weiterer Pluspunkt der Geschichte. Ich hatte die Bilder beim Lesen so plastisch vor Augen, dass ich mich die ganze Zeit gefragt habe, ob diese Geschichte nicht eine wunderbare Vorlage für einen ARD-Freitagabendfilm wäre. Irgendwie sehe ich eine Schauspielerin wie Saskia Vester in der Hauptrolle und bin mir sicher, dass meine Mutter den Film lieben würde.
Die Rückblenden und Einschübe aus Sicht von Evas Mutter und Tochter mochte ich sehr. Diese haben das Buch zu etwas besonderem gemacht und eine neue Perspektive hinzugefügt. Auch das Ende war on point.
Fazit
Julia Dibbern liefert in gewohnter Manier ab. Für mich der perfekte Roman aus der Lebenswelt einer Frau Ü50, die sich fragt, was das Leben noch für sie bereithält. Ich werde dieses Buch für immer mit dem Osterfest 2026 verbinden und an meine Mama weiterreichen.
