|Wanderlust| Robbie Williams Konzert in München

Robbie Williams Konzert in München

Ich habe gestern das Robbie Williams Konzert (ist es eigentlich bezeichnend für meinen Job, wenn ich in der Überschrift „Konzern“ anstatt „Konzert“ schreibe?) in München besucht. Das war ein echte Premiere für mich, denn ich war noch nie auf einem Konzert. Ich bin eher der Sportnerd, den man zu jeder Sportveranstaltung schleppen kann (eigentlich wäre ich ein „dream girl-friend“, denn zur Not würde ich auch die AH-Mannschaft meines Freunds auf dem Sportplatz in der Provinz anfeuern…). Allerdings bevorzuge ich Sportevents mit Sitzplätzen. Aus diesem Grund stellte das Konzert auch eine echte Herausforderung für mich dar, denn wir hatten Tickets für die Stehplätze im Innenraum.

Die Hinfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und den Einlass am Olympiagelände würde ich in die Kategorie „anstrengend“ einordnen, denn sowohl die Bahnen als auch der Eingangsbereich waren sehr voll. Ich vermute, das liegt daran, dass die Infrastruktur am Olympiapark aus den 70er Jahren stammt. Wobei dies auch gleichbedeutend mit einem erhabenen Moment war: für mich als großer Olympiafan war es ein spezielles Gefühl, als ich das Stadion betreten durfte, in dem z.B. Ulrike Meyfarth bei den Olympischen Spielen 1972 Gold gewonnen hat. Wenn ich mir ein historisches Ereignis aussuchen dürfte, an dem ich live dabei sein möchte, kämen die Olympischen Spiele von Lillehammer 1994 an der Position eins und München 1972 an zweiter Stelle.

 

Robbie Williams Konzert in München

Im Nachhinein war die Anreise inklusive Einlass und die Rückfahrt weit anstrengender als der eigentliche Aufenthalt im Stadion, denn dort gab es kein Gedränge und zumindest bei uns am mittigen Rand des Innenraums hatte man wunderbar Platz. Da habe ich beim Ski alpin in Garmisch schon bedeutend eingequetschter gestanden. Außerdem waren die anderen Zuschauer sehr relaxt und angenehm. Kein Wunder, war der Altersdurchschnitt doch höher als erwartet. Eher so bei Mitte 40 aufwärts. Ich hätte vorher auf einen Schnitt von Ende 30 getippt, schließlich ist das genau die Altersklasse, die zur Hoch-Zeit von „Take That“ im Teenie-Alter war. Zur angenehmen Atmosphäre trugen die hohen Alkoholpreise bei, da so niemand total betrunken durch das Stadion getorkelt ist. Diese gechillte Grundstimmung hat mich an die Biathlon-WM in Oslo erinnert.

Die Vorband „Eraser“ möchte ich mit dem Zitat einer Freundin abhandeln: „haben nicht gestört“. Wobei ich mich frage, ob es eigentlich einen undankbareren Job gibt als den einer Vorband…

Obwohl ich theoretisch zur Generation „Take That“ gehöre, haben diese mich damals nicht interessiert. Wie bereits oben erwähnt, war ich Team „Sport“ und meine Idole hießen Gordeeva & Grinkov, Kjetil-Andre Aamodt und Janne Ahonen. Aufmerksam auf Robbie Williams wurde ich erst durch seine Solo-Single „Supreme“. Ab da war ich ein „casual fan“ und habe deshalb spontan zugesagt, als eine Freundin mir ein Ticket für das Konzert in München angeboten hat. Ich ging ohne große Erwartungen in dieses Konzert und wie so oft im Leben entpuppte sich das als die perfekte Voraussetzung für einen gelungenen Abend.

Robbie Williams Konzert in München

Zu Beginn war ich zugegebenermaßen ein bisschen geschockt von Robbies Aussehen, denn er hat – mal wieder – an Gewicht zugelegt (ich hoffe, es liegt daran, dass er erneut mit dem Rauchen aufgehört hat) und auf hohenlohisch würde man sagen „er hat einen rechten Mostkopf [gesprochen: Mauschdkopf] beieinander!“ Als unfit würde ich ihn trotzdem nicht bezeichnen, denn er hat sein Programm gut durchgehalten.

Das Intro fand ich super klasse. Okay, Eminem am Anfang war etwas „random“, aber „God Bless Our Robbie“ (zur Melodie „Land of Hope and Glory“, die ich mag, obwohl ich nun wirklich nicht pathetisch-nationalistisch veranlagt bin) war genial, denn der Text beinhaltet genau das, für was ich Robbie mag: er hat Selbstironie und nimmt sich selbst nicht so ernst. So etwa in der Liedzeile, in der er sich als „global player“ bezeichnet – außer in den US of A. Dieser Zusatz hat in München für extra lauten Applaus und Kreischen gesorgt. Sagt ein bisschen etwas über das aktuelle Standing der USA in Deutschland aus… Den letzten Satz in dem Song hat m.E. mangels einer entsprechenden Reaktion die Mehrheit des deutschen Publikums nicht verstanden: „Robbie is well hung“.

„The Heavy Entertainment Show“ und „Let Me Entertain You“ empfand ich als perfekte Opener, denn sie brachten das Publikum sofort in Stimmung. Mir hat von Anfang an gut gefallen, dass Robbie sich live so anhört wie auf CDs. Da kann man nicht von allen Sängern behaupten…

Das dritte Lied war eine schöne Überraschung für mich, denn das eigentlich nicht so bekannte „Monsoon“ ist einer meiner absolut liebsten Songs von Robbie. Zu „Escapology“ besitze ich auch eine Konzert-DVD und da ist „Monsoon“ ebenfalls eines meiner Highlights. So schön, dass ich das nun auch live sehen durfte.

Bei „Party Like a Russian“ musste ich sofort an die legendären Partynächte in Gelsenkirchen beim dortigen Eiskunstlaufwettbewerb denken. Ich mag den Song, aber live war er nicht so mitreißend wie erwartet. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass irgendein russischer Eiskunstläufer zu diesem Titel ein Schaulaufprogramm bastelt.

Wo wir gerade beim Thema Eiskunstlaufen sind, „Minnie the Moocher“ erinnerte sowohl mich als auch meine (Eiskunstlauf-)Freundin bereits beim ersten Takt an einen typischen Originaltanz im Eistanzen.

„Freedom 90“ ist Robbies Tribute für sein Idol George Michael.

Das Audience Singalong Medley (u.a. „Livin‘ On a Prayer“, „Rehab“…) empfand ich als gelungene Abwechslung und super Kniff, um das Publikum in die Show zu integrieren. Generell war die gesamte Show toll abgestimmt und ließ keine Minute Langeweile aufkommen.

„Love My Life“ hat Robbie seinen Kindern und beim Konzert allen Mommies und Daddies im Publikum gewidmet. Man hat aus seinen Worten die Liebe zu seinen Kindern herausgehört, und ich fand das auch authentisch und musste nicht an Konzert-Kitsch denken. Mich haben seine einleitenden Worte sogar ein bisschen melancholisch gestimmt. Auch weil ich den Eindruck habe, dass seine Tochter ein „Daddy’s Girl“ ist wie ich…

„Come Undone“, „Millenium“ und „Kids“ (hier weiche ich von der Reihenfolge im Konzert ab, aber ich möchte diese Lieder gerne in meinem Review zusammenfassen) haben mir allesamt gut gefallen. Ich habe auch nichts daran auszusetzen, dass Robbie auf viele ältere Songs zurückgegriffen hat (inklusive Coversongs seines „Swing“-Albums). Das war der Stimmung definitiv zuträglicher, als wenn er sich auf sein neues Album konzentriert hätte, ohne dass er wie ein alterndes Showpferd wirkt, das immer denselben Song performen muss (à la Rex Gildo und „Hossa“).

Für „Somethin‘ Stupid“ hat sich Robbie einen weiblichen Fan auf die Bühne geholt. Sie sollte die Rolle von Nicole Kidman übernehmen. Allerdings versehen mit einer Art Maske vor dem Mund, die mich an die unsäglichen Puppenspieler in deutschen Schlagersendungen erinnert hat.

„Rudebox“ ist in der Setlist eine Art Gag, denn Robbie weiß sehr wohl um den schlechten Ruf des Songs und seiner Rapper-Qualitäten.

Ich mag es, dass Robbie seinen Dad mit auf dieser Tour dabei hat. Mein Papa ist zur Zeit gesundheitlich angeschlagen, und wenn ich gegenwärtig auf Tournee wäre, würde ich ihn auch mitnehmen <3 . Man muss die Zeit mit seinen Eltern nutzen… „Sweet Caroline“ mag ich persönlich sowieso sehr gerne, denn ich fühle mich sofort zu einem Even im Ski alpin versetzt. Das lässt mein kleines Après-Ski-Herz höher schlagen…

Robbie Williams Konzert in München

„Feel“ und „Rock DJ“ waren ein perfektes Finale, bevor „She’s the One“ und „Angels“ als gefühlsbetonte Zugaben das Ende der Show bedeuteten. Alle, die mich ein bisschen kennen, wissen, dass ich überhaupt kein Balladen-Fan bin. Ganz im Gegenteil… Deshalb ist es ein bisschen überraschend, dass mir bei Robbie auch die langsamen Songs gefallen.

Den finalen Akkord der Show bildete „My Way“ (ein Zusatzlied, das für manche wohl überraschend kam, denn die waren schon auf dem Weg zum Parkplatz). Ein würdiges Ende.

Schön war’s. Gerne wieder. Bitte genauso entspannt und bei dem gleichen perfektem Wetter (nicht zu heiß und nicht so kalt).

 

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