|Wanderlust| Oberstdorf – Wanderung vom Fellhorn zum Freibergsee

Ich habe letzte Woche meine Zeit nicht nur in der Eishalle verbracht. Am Freitag waren wir wandern und haben dafür auf das Kurzprogramm der Damen und die Kür im Eistanzen verzichtet.

Wir waren an diesem Tag bereits früh unterwegs und kamen bereits gegen 9:30 Uhr an der Fellhornbahn an. Sehr zu empfehlen, denn es gab keine Schlange, und wir konnten sofort auf den Berg fahren. Der Bustransfer ab Oberstdorf zur Fellhornbahn funktioniert tadellos und ist als Alternative zum Auto zu empfehlen. Die Preise haben das übliche, gesalzene Oberstdorf-Niveau, was bedeutet, dass wir 20 Euro pro Person bezahlen mussten, um bis zu ersten Station der Bergbahn – der Station Schlappoltsee – zu gelangen.

Blick vom Fellhorn

Wie haben uns für eine Wanderung entschieden, die wir in Teilen bereits vor zwei Jahren gemacht haben. Da die Aussicht so gigantisch war, nahmen wir diese teilweise Wiederholung gerne in Kauf.

Die diesjährige Wanderung hat uns von der Station Schlappoltsee über den Schlappoltkopf und den Berggasthof Hochleite bis zum Freibergsee und von dort aus zurück nach Oberstdorf geführt.

Blick vom Fellhorn

Der Anfang der Wanderung war ein „Kaltstart“, was ich eigentlich so gar nicht mag, denn es ging direkt von 1.780 m (Station Schlappoltsee) auf 1.968 m (Schlappoltkopf) hoch. Da mir das Federbett und der Teppichboden in unserer Ferienwohnung sowie die trockene Luft in der Eishalle sehr zugesetzt haben, konnte ich nur durch den Mund atmen, da kommt man bei so einem Anstieg ganz schön ins Schnaufen. Vor allem, wenn es direkt von Null auf Hundert geht, und man nicht zuvor bereits in der Ebene ein bisschen Zeit zum „Einlaufen“ hatte.

Der Blick von oben entschädigt zum Glück dafür. Außerdem war es der einzige Anstieg der Wanderung, ab da ging es entweder bergab (was auf Dauer jedoch anstrengender ist als bergan zu wandern) oder gänzlich ohne Auf und Ab voran.

Der Bergkamm – von mir auch als Kamelbuckel bezeichnet.

Der Teil der Wanderung, der an den steilen Anstieg anschließt, gefällt mir am besten. Es ist eine Gratwanderung, von der aus man u.a. einen tollen Blick auf das Kleinwalsertal hat. Ich mag den Grat selbst auch sehr gerne, denn von der Form her erinnert er mich an Kamelbuckel. Was mich natürlich an die Abfahrt in Gröden denken lässt (der ich mittlerweile eher mit Tränen in den Augen entgegen sehe).

Die wunderschöne Allgäuer Bergwelt

Die im Anschluss an den Kamm-Teil folgenden Abstiege sind etwas tricky und man muss sich teilweise sogar an Stahlseilen festhalten. Für einigermaßen geübte und trittsichere Wanderer sollten diese Streckenteile trotzdem zu bewältigen sein.

Selbst jetzt im Herbst gibt es sie noch – die Blütenpracht.
Die Gipfel der Allgäuer Berge

Wir sind im Berggasthof „Bergleite“ eingekehrt und haben uns für denn restlichen Teil der Wanderung gestärkt. Ich hatte eine leckere Portion Ofenkartoffeln mit Mayo (anstatt Knoblauchcreme).

Stärkung à la Stefka

Im Anschluss geht es auf dem „steilen Weg“ (ist tatsächlich so ausgeschildert!) Richtung Freibergsee. Das ist in der Tat eine recht steile Angelegenheit, die auf Dauer etwas ermüdend ist, weshalb wir froh waren, als wir unten am Freibergsee angekommen sind.

Pflanzen am Berg
Ein „abandoned place“ am Wegesrand

Am Freibergsee angekommen, haben wir einen „abandoned place“ entdeckt: ein verlassenes Hotel. Das sah ein bisschen gespenstisch, aber auch sehr spannend aus. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich trauen würde, dort tatsächlich einzusteigen, um Fotos zu machen (natürlich ohne etwas zu zerstören!). Ich glaube, ich hätte Angst vor Spinnen und Ratten. Trotzdem bewundere ich alle, die solche Fotos auf ihrer Homepage veröffentlichen. An diesem Gebäude hier gab es u.a. einen alten Zigarettenautomat, auf dem DM-Preise vermerkt waren. Ich habe die ganze Zeit versucht, mir vorzustellen, wie es in diesem Hotel wohl ausgesehen hat, als es noch bewirtschaftet wurde. Und warum es zwischenzeitlich verlassen ist…

 

Der Freibergsee mit der Skiflugschanze im Hintergrund

Der Freibergsee ist ein schönes, von Bergen und Wald umrahmtes Naturfreibad. Für Badevergnügen war es Ende September jedoch zu kalt. Dafür hatten wir einen tollen Blick auf die Skiflugschanze, die sich direkt am Rande des Freibergsees in die Höhe reckt. Für alle, die noch nie oben waren: eine klare Empfehlung, probiert das aus, auch wenn Ihr Euch – im Gegensatz zu mir – nicht fürs Skispringen interessiert. Ich war vor einigen Jahren oben und der Blick ist wirklich toll. Außerdem die Vorstellung, dass es tatsächlich Menschen gibt, die es wagen, von dort oben mit Ski abzufahren, sich ins Tal zustürzen und ganz unten irgendwo im Auslauf zu landen.

Dazu passend fällt mir ein, dass ich in diesem Jahr in Oberstdorf zum ersten Mal ernsthaft darüber nachgedacht habe, Tandemfliegen auszuprobieren.

Waldboden

Laut meines Wanderführers hätte man eigentlich mit dem Bus zurück nach Oberstdorf fahren sollen. Wir haben uns entschieden, dieses letzte Stück auch noch zu Fuß zu bewältigen, mit dem Ergebnis, dass diese Wanderung sogar unsere Megawanderung aus Südtirol im Juli geschlagen hat. Es waren ca. 12 km bis zum Freibergsee. Dazu kommt der Weg nach Oberstdorf. Die Länge der Wanderung haben wir am nächsten Tag alle in den Knochen gespürt. Trotzdem eine klare Wanderempfehlung von mir.

Blick auf Oberstdorf
Allgäukuh

 

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