|Leseliebe| „Küss mich bei Tiffany“ von Eva Völler

„Küss mich bei Tiffany“

Eva Völler
Kiss & Crime #2
Young Adult
Deutsch
Kindle
2,5 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Oh, ich hatte mich so auf dieses Buch gefreut, denn „Zeugenkussprogramm“, der erste Teil dieser Serie, gehörte im letzten Jahr zu meinen Favoriten. Das Buch war witzig, unterhaltsam und die beiden Haupcharaktere Emily und Pascal passten wunderbar zusammen. Außerdem empfand ich die Mischung aus Jugendbuch und Krimi als etwas Besonderes. Es ist also keine Übertreibung, wenn ich schreibe, dass dieses Buch zu den Neuerscheinungen 2016 gehört hat, auf die ich am meisten hin gefiebert habe. Vielleicht hätte ich gewarnt sein müssen, als ich das Buch auf meinen E-Book-Reader geladen und dabei gesehen habe, dass es nur relativ magere 3,5 Sterne als Bewertung hatte. Nun ja, es waren zu dem Zeitpunkt nur sehr wenige Bewertungen online, so dass ich den Durchschnittswert auf eine einzelne grottige Bewertung schob, die sich vielleicht getäuscht hatte. Und so sehr kann ein Nachfolgeband im Vergleich zum Vorgänger doch gar nicht abfallen, oder? Nun ja…

Eins vorneweg, die Stammbesetzung des zweiten Teils ist identisch mit der des ersten Bands: Emily, die das Abitur in der Tasche hat, ihr Freund Pascal, der noch immer beim „Zeugenschutzprogramm“ arbeitet, Emilys Omi, die trotz ihres fortgeschrittenen Alters als Autorin von Schundromanen schwer beschäftigt ist, und Sarah, die attraktive Kollegin von Pascal. Diese vier fliegen gemeinsam nach New York, wo Sarah und Pascal ein Seminar zur Verbrechensbekämpfung besuchen werden, während Emily und ihre Omi sich als Touristen in das pulsierende Leben in New York stürzen möchten.

Man sollte also meinen, bei diesen Voraussetzungen kann man nicht viel falsch machen. Aber weit gefehlt. Man füge einfach eine Reihe nerviger neuer Charaktere hinzu und überlege sich einen hanebüchenen Plot, der die Mafia, einen Filmproduzenten, ein Ex-P*ornosternchen und einen geschenkten Aufenthalt in einem Luxushotel sowie diverse vertauschte Taschen beinhaltet und schon ist die Buchkatastrophe perfekt.

Ich würde das Buch als überzeichnete Krimi-Komödie beschreiben, die mich häufig an diese Theater-Boulevard-Komödien aus den 70er Jahren erinnert hat. Kennt die noch jemand?! Die wurden früher im TV übertragen und u.a. kam es regelmäßig zu Szenen, bei denen ein potentielles Liebespaar durch Klingeln oder Anklopfen an der Tür an einer Annäherung gehindert wurde. Genauso war es auch hier, denn jedes Mal, wenn Pascal Emily auf das King-Size-Bett zerren wollte, klingelte es an der Tür ihrer Hotelsuite, und die Zweisamkeit war Geschichte. Ich hatte an diesen Stellen immer Didi Hallervordens „Palimpalim“ im Ohr…

Außerdem fand ich den paranoiden angeblichen Drehbuchautor Dickie, dem Emily und Pascal das King-Size-Bett und auch die Verwicklung in eine Mafiageschichte zu verdanken haben, einfach nur nervig. Das gilt auch für die Auszüge aus seinen Drehbüchern, die manche Kapitel ergänzt haben.

Ein zentraler Punkt der Geschichte ist die Verwechslung diverser Notebooktaschen, die mich wiederum an einen Film aus den 70er Jahren erinnert hat, der am Wörther See spielt und in dem mehrere Personen auf der Jagd nach einem Kissen, in dem Wertgegenstände versteckt sind, rund um den See rasen. Ist eine dieser typischen, seichten deutschsprachigen Komödien dieser Zeit, in der üblicherweise an den unpassendsten Stellen gesungen wird. Das muss man dem Buch jedoch zu Gute halten: gesungen wird nicht… Dafür ist die Verwechslungssache so vorhersehbar, dass ich bereits Mitte des Buches wusste, was wirklich dahinter steckt.

Trotzdem ist nicht alles schlecht, denn der Schreibstil von Eva Völler ist noch immer genauso angenehm locker und flüssig wie im ersten Teil. Außerdem war New York als Spielort der Geschichte für mich eine schöne Gelegenheit, um noch einmal gedanklich in diese aufregende Stadt zu reisen. „Top of the Rock“, Central Station, „Saks“ (der „Breuni“ von New York), Ground Zero und Staten Island – das alles kenne ich von meinem eigenen Aufenthalt in New York im Mai 2015. Und die schriftstellernde Omi finde ich als Charakter noch immer genauso grandios wie im ersten Teil, wohingegen Emily und Pascal als Paar leider ein bisschen an Charme verloren haben. Vor allem da es für die gerade volljährig gewordene Emiliy nichts wichtigeres zu geben scheint als eine baldige Heirat.

Zusammenfassend kann ich es leider nicht anders sagen: für mich eine der größten Enttäuschungen des Lesejahres 2016.

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