|Leseliebe| „Im Grab schaust du nach oben“ von Jörg Maurer

"Im Grab schaust du nach oben" von Jörg Maurer

 

Mein Verhältnis zu den Krimis von Jörg Maurer ist ein spezielles. Als ich vor einigen Jahren den ersten Band von meiner Mutter geschenkt bekommen habe, hat mir die Geschichte rundum den im Sprung erschossenen Skispringer überhaupt nicht gefallen, und ich habe das Buch sogar abgebrochen. Warum ich ein Hörbuch aus der Reihe, das Jahre später durch Zufall auf meiner Festplatte gelandet ist, sofort geliebt habe, ist mir bis heute ein Rätsel. Ich hätte nie gedacht, dass man einem Autor, den man als Leser nicht leiden kann, als Hörer verfällt. Ist aber so.

Jörg Maurer ist als Sprecher seiner eigenen Krimis so brillant (und bildet gemeinsam mit Christian Tramitz und Michael Schwarzmaier meine persönliche Top 3 der Hörbuchsprecher. Sprecherinnen haben es bei mir schwer…), dass ich ihm stundenlang zuhören könnte. Allein sein bayrischer Akzent und das rollende „R“ lassen mich regelmäßig in Verzückung geraten.

„Im Grab schaust du nach oben“

  • Jörg Maurer
  • Kommissar Jennerwein #9
  • Krimi
  • Deutsch
  • Hörbuch
  • 4 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Es herrscht Ausnahmezustand in der großen Kurstadt/der Bindestrichstadt, denn Garmisch Partenkirchen bildet den Schauplatz des G7-Gipfels. Die Polizei versucht mit erhöhter Präsenz und einer extra großen Bestellung Müsliriegel (allen, die sich wundern, für was man beim G7-Gipfel Müsliriegel benötigt, empfehle ich die Lektüre des Krimis) der verschärften Sicherheitslage Herr zu werden. Kommissar Jennerwein und sein Team stehen entsprechend unter Strom und einem Mitglied des Teams unterläuft ein folgenschwerer Fehler, der in der Folge einen Rattenschwanz an skurrilen Begebenheiten – wie etwa die Exhumierung eines leeren Sargs und das Auffinden einer Leiche in einem Schubkarren – nach sich zieht. Auch der Glöckl-Clan, Inhaber eines einst florierenden Senfimperiums, sowie dessen unschlagbarer Werbeslogan „Glöckl-Senf, der glöckelt“ spielen eine wichtige Rolle. Die lieb gewonnenen Nebendarsteller (z.B der österreichische Mafia-Unterstützer Koarl Swoboda oder das noch immer mit einem Berufsverbot belegte Bestatterehepaar Grasegger) haben ebenfalls Gastauftritte.

"Im Grab schaust du nach oben" von Jörg Maurer

Die Hörbücher von Jörg Maurer gehören definitiv zu meinen Favoriten, wenn es darum geht, was ich auf Autofahrten gerne höre. Einfach, weil sie so wunderbar kurzweilig, amüsant und trotzdem spannend und komplex sind.

Witziger Weise hatte ich einen Tag, bevor ich richtig in dieses Hörbuch eingestiegen bin, mit einer ebenfalls lesebegeisterten Freundin eine Diskussion, bei der wir zu dem Schluss gekommen sind, dass Thriller oft vorhersehbar oder alternativ mit hanebüchenen Wendungen versehen sind, und dass Krimis in der Hinsicht um einiges weniger ausrechenbar und deshalb auch spannender zu lesen sind. Am folgenden Tag wartete „Im Grab schaust du nach oben“ genau mit so einer für mich völlig überraschenden aber trotzdem nicht an den Haaren herbeigezogenen Wendung auf. So etwas finde ich großartig.

Genauso gerne mag ich die Namen, die Jörg Maurer für seine Protagonisten findet wie z.B. in diesem Band den Hausnamen „Ropfmartl“ oder die beiden Wirtshäuser „Zur roten Katz“ und „Allgäuer Schmankerlstuben“. Das sind kleine Details, die für mich entscheidend zum Lokalkolorit beitragen und die Bücher besonders liebenswert machen.

Der Schwachpunkt war für mich in diesem Band, dass der Mörder bereits ziemlich schnell bekannt war. Das hat ein bisschen vom Spannungsmoment genommen. Auch bin ich mir nicht sicher, ob wirklich alle Handlungsstränge am Ende aufgelöst wurden.

Davon abgesehen hat mich dieser Band wieder wunderbar unterhalten, und ich bin beim nächsten Buch definitiv mit dabei. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass die Geschichten rundum Kommissar Jennerwein und sein Team im Laufe der Jahre besser geworden sind. Und die Aussage kann man definitiv nur bei ganz wenigen Krimi-Reihen treffen. Normalerweise lutschen sich die Themen über die Jahre aus und man kann von Glück sagen, wenn das Niveau gehalten wird. Deshalb alle Daumen nach oben für dieses Krimi-Juwel.

4 Kommentare

  1. 21. Mai 2017 / 09:45

    Huhu Stefka,
    das Genre ist eigentlich so gar nicht meins. Deine Rezension klingt allerdings wieder so richtig schön. Ich kann mir direkt vorstellen,dass man sich hier in einem humorvollen Krimi wieder findet. Auch kann ich mir gerade perfekt vorstellen, wie man den Lokalkolorit durch die kleinen Feinheiten zu spüren bekommt.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

    • 21. Mai 2017 / 18:12

      Ich war schon immer Fan von Krimis und als die Regionalkrimireihe los ging, war ich von Anfang an dabei.

      Die Krimis von Jörg Maurer mag ich u.a. auch deswegen so gerne, weil ich selbst schon öfters in Garmisch war.

    • 23. Mai 2017 / 20:07

      Ja, wobei die Örtlichkeiten in den Krimis von Jörg Maurer gar keine so große Rolle spielen. Bei ihm ist es eher das Flair von Garmisch, das eine Rolle spielt. Man erkennt beim Lesen hingegen keine Straßennamen oder sonstigen Orte, die man in echt schon einmal gesehen hat. Das ist bei den Kluftinger-Krimis z.B. anders. Da spielen reale Orte im Allgäu eine wichtige Rolle.

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