|Leseliebe| E-Book vs. klassisches Buch (#leseparty)

Da ich immer wieder von Freunden und Bekannten gefragt werde, wie es denn sei, auf einem E-Reader zu lesen, oder von Buchpuristen darauf hingewiesen werde, dass sie sich nicht vorstellen können, auf einem E-Reader zu lesen, habe ich mir gedacht, dass die Woche der Buchmesse in Frankfurt der geeignete Rahmen ist, um einen Blogpost zum Thema Vor-und Nachteile von E-Books im Vergleich zum klassischen Buch zu schreiben.

Dieses Buch habe ich an dieser Stelle nicht nur ausgewählt, weil es als Bildband perfekt zum Thema passt. Ich habe mich auch wegen des Covers dafür entschieden. Dieses Wochenende findet das erste Weltcup-Rennen der Saison in Sölden statt und Aksel Lund Svindal wird nicht daran teilnehmen. Nach seinem schweren Sturz von Kitzbühel Anfang diesen Jahres (bei dem ich für einige Augenblicke überzeugt war, dass er nicht überlebt hat) steht nicht fest, ob sein Knie stabil genug ist für die Fortsetzung der Karriere. Sollte sich das bewahrheiten, wäre es einer der schlimmsten Momente meiner Sport-Fan-Laufbahn.

Ein echtes Buch hat den Vorteil, dass man etwas traditionelles, einen echten Gegenstand in der Hand hält. Ein besonders aufwändig gestaltetes Buch wird die digitale Ausgabe niemals schlagen können. Das fängt schon bei Biografien an, die häufig einen Bildteil enthalten, der in einer Printausgabe viel schöner aussieht als in schwarz-weiß auf dem E-Reader. Das gleiche gilt für illustrierte Bücher oder hochwertige Cover.

Ein E-Book, das ich lieber als „echtes“ Buch besitzen würde: die Biografie von Aamodt und Kjus (norwegische Skifahrer). Allerdings war es mir nicht möglich, an eine Ausgabe heranzukommen, da es nur in Norwegen erschienen ist.

Gedruckte Bücher haben außerdem den Vorteil, dass man sie problemlos verleihen kann. Das ist bei E-Books gar nicht oder nur über Umwege möglich. Wenn ich jemanden eines meiner E-Books lesen lassen möchte, verleihe ich meinen E-Reader. Das bietet sich folglich nur für Personen an, die in unmittelbarer Nähe wohnen und die man regelmäßig trifft.

Dafür kann es einem nicht passieren, dass man E-Books in schlechtem Zustand zurückbekommt. Ich bin sehr penibel was meine Bücher betrifft, weshalb sie meist wie neu aussehen. Wenn ich Bücher an Freunde ausleihe, bekomme ich sie ab und zu mit schiefem Buchrücken oder Leserillen zurück. Insbesondere das mit dem schiefen Buchrücken verstehe ich nicht. Drückt man da das Buch beim Lesen extrem auseinander?!

Eines der schönsten Cover dieses Jahres, bei dem das E-Book keine Alternative für mich war.

Ich liebe an meinem E-Reader, dass ich immer und überall ein neues Buch kaufen kann. Im September saß ich auf Fuerteventura am Strand und wollte unbedingt und dringend und sofort ein weiteres Buch einer bestimmten Autorin lesen. Da mein E-Reader mit einem eigenen Internetzugang ausgestattet und somit nicht auf (das in Spanien nur sporadisch vorhandene) W-LAN angewiesen ist, war das überhaupt kein Problem, und ich konnte innerhalb weniger Minuten das gewünschte Buch herunterladen. Meine Begleitung in diesem Urlaub hatte normale Bücher dabei, allerdings nicht in ausreichender Anzahl. In dieser Situation ist man aufgeschmissen, während ich auf meinem E-Reader eine komplette Bibliothek dabei habe.

Diese mobile Bibliothek hat für mich zudem den Vorteil, dass ich mich nicht mit dem Eigentum an Gegenständen belaste. Ja, ich liebe mein Bücherregal, und es ist noch immer mein Traum, irgendwann eine Bibliothek mein Eigen zu nennen. Andererseits übt mittlerweile ein minimalistischer Lebensstil eine große Anziehung auf mich aus. Ich finde es nicht mehr erstrebenswert, möglichst viel Kram zu besitzen (außer vielleicht Schuhe…). Von daher bin ich für jedes Buch dankbar, das sich in digitaler Form auf meinem E-Book-Reader versteckt.

Beim Thema Bibliothek fällt mir auch direkt ein, dass mir nach vielen Jahren des Besitzens von Büchern aufgefallen ist, dass Taschenbücher im Laufe der Zeit leider einen nicht unerheblichen Qualitätsverlust erleiden. Sie vergilben und die Bindung löst sich auf, weshalb sich im schlimmsten Fall einzelne Seiten lösen. Da ich bekanntermaßen penibel bin, was meine Bücher betrifft, macht es mir keinen Spaß, diese in dem Zustand ein weiteres Mal zu lesen. Ein E-Book hingegen wird seinen Zustand unverändert beibehalten. Völlig ohne Sorgen kann man hier der Zukunft trotzdem nicht entgegenblicken, da man nie weiß, wie sich die Technik entwickelt. Vielleicht wird es in 10 Jahren nicht mehr möglich sein, die Formate „epub“ oder „mobi“ lesbar zu machen.

Einer meiner liebsten Romane aus dem Bereich Chick Lit, den ich trotzdem „nur“ als E-Book besitze.

Beim Stichwort „mobi“ möchte ich erwähnen, dass ich tatsächlich einen E-Reader vom bösen, großen „A“-Konzern besitze. Ja, ich heiße deren Steueroptimierung nicht gut, aber was will man machen, wenn die globale Steuergesetzgebung Dinge wie das „Double Irish Dutch Sandwich“ ermöglicht? (Das gibt es wirklich, gebt es gerne einmal in eine Suchmaschine ein, wenn Ihr etwas völlig abgefahrenes lesen wollt). Ich habe mich für den „Kindle“ entschieden, weil es zum Zeitpunkt des Kaufs der auf meine Bedürfnisse perfekt zugeschnittene E-Reader war. Den „Tolino“ z.B. gab es damals noch nicht. Mein „Kindle“ hat zwei technische Spielereien, auf die ich nicht verzichten möchte: eine interne Beleuchtung, die einem ermöglicht auch im Dunkeln (also z.B. abends ohne Nachttischlampe) zu lesen. Ein riesiger Vorteil, wenn man nicht alleine in einem Zimmer nächtigt und die andere, bereits schlafende Person nicht stören möchte. Den zweiten Vorteil habe ich bereits erwähnt: die integrierte Möglichkeit, immer und überall ohne Zusatzkosten und ohne W-LAN online zu gehen. Ansonsten bin ich von der Robustheit meines „Kindle“ begeistert. Er übersteht den Transport in meiner Handtasche unbeschadet. Auch ein kleiner Absturz kann ihm nichts anhaben.

Ab und zu lässt sich ein Fehlkauf bei Büchern nicht vermeiden. Beim Buch in gedruckten Form fangen bei mir an der Stelle die Überlegungen an: auf „Rebuy“ oder „Medimops“ verkaufen? Dem „Roten Kreuz“ für einen Bücherflohmarkt schenken? Beim E-Book verschiebe ich das Buch in den Ordner „Schrott“ und die Sache ist erledigt. Später kann ich das E-Book sogar endgültig aus der Cloud löschen.

In einem durchschnittlichen Lesejahr halten sich bei mir die englischen und deutschen Bücher die Waage (in diesem Jahr wird es anders aussehen, eine Analyse folgt am Jahresende).

Da es in den USA und England keine Buchpreisbindung gibt, kann man auf dem englischen Buchmarkt echte E-Book-Schnäppchen machen und hat nicht nur den unrentablen Unterschied von ein oder zwei Euro wie in Deutschland. Hinzu kommt, dass die englischen Taschenbücher erfahrungsgemäß noch schneller vergilben als die deutschen.

Als Fazit kann ich somit ziehen, dass ich mittlerweile Team „E-Book“ bin. Ausnahmen mache ich bei Büchern, die ich zu meinen absoluten Favoriten zähle, weshalb feststeht, dass ich sie öfters lesen werde. Oder bei Büchern, von denen ich weiß, dass ich sie Familie und Freunden ausleihen werde (wie z.B. den neuen „Kluftinger“). Und bei Bücher, die wunderschön gestaltet sind oder Fotos enthalten.

Über Kommentare zum Thema „Team E-Book“ oder „Team klassisches Buch“ würde ich mich freuen.

7 Kommentare

  1. 20. Januar 2017 / 06:01

    Guten Morgen!

    Ja, das ist immer wieder ein Dilemma! Ich bin mittlerweile auch ein Fan von minimalistischem Lebenstil, wie du so schön schreibst 🙂 Die einzige Ausnahme sind bei mir allerdings Bücher *lach*
    Allerdings hab ich vor Jahren angefangen, auszusortieren – ich hatte viele Bücher, die mir gar nicht gefallen hatten oder die ich eben nicht mehr lesen wollte und die hab ich entweder in die Bücherei gebracht oder auf Internet-Plattformen vertauscht.
    Das war ein großer Befreiuungsschlag, denn vorher wollte ich wirklich alle behalten einfach weil ich viele Bücher in den Regalen haben wollte. Mittlerweile behalte ich nur noch die, die ich sehr gut fand und die mir etwas bedeuten (allerdings werden das auch schon wieder viel zu viele!)

    Ich hab auch einen Reader und ich lese da wirklich gerne drauf. Aber ich bin (leider) auch ein Coverfetischist und wenn ich ein Cover mega finde, hab ich es immer noch gerne im Regal als auf dem Reader. Ich denke, da dauert meine Umstellung im Kopf noch ein bisschen 🙂

    Ich hab deinen Beitrag heute übrigens auch in meiner Stöberrunde verlinkt!

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • 20. Januar 2017 / 16:02

      Vielen Dank für Deinen Kommentar und für die Verlinkung. Ich habe mich wirklich sehr gefreut.

      Das mit dem Besitzen, nur damit man viele Bücher hat, kenne ich auch zu gut. Mit 16 Jahren bin ich gerne vor meinem Bücherregal gestanden und habe gezählt, wie viele Bücher ich habe. Ich wollte einfach möglichst viele Bücher besitzen. Das hat sich bei mir mit dem Alter verändert…

      Ich kann mich auch für schöne Cover begeistern. Deshalb kaufe ich mir Bücher aus dem Königskinder-Verlag oder von Magellan immer als echtes Buch.

    • 20. Januar 2017 / 18:38

      Jap, genauso ist es auch bei mir. Früher wars egal, hauptsache viele Bücher. Ob gelesen oder nicht, interessant oder nicht. Hauptsache alles steht voll *lach*

      Aber den Platzmangel kenn ich natürlich auch, obwohl ich viel aussortiert hab. Wirklich viel. Ich hab in den letzten Jahren ungefährt 500 Bücher vertauscht – das Problem dabei ist halt: man tauscht sich auch Bücher zurück *lach* Nicht nur, aber natürlich hauptsächlich. Obwohl ich oft auch für 1 Buch 2 weggegeben hab.

      Auch wenn ich nur die Bücher behalte, die mir etwas bedeuten, die Regale platzen langsam aus allen Nähten und ich weiß nimmer, wo ich noch anbauen kann.

      Eigentlich wollte ich z. B. bei Reihen nur den ersten Band ins Regal stellen (damit ich was zum anschauen hab) und die Fortsetzungen dann als ebook. Geklappt hats bisher nicht wirklich *lach*

  2. 20. Januar 2017 / 07:25

    Hallo!

    Das ist wirklich ein sehr interessanter Post. Du listest hier Dinge auf, die ich ehrlich gesagt noch nie bedacht habe. Ich selbst bin eher Team klassisches Buch. Es ist einfach toll ein Buch in der Hand zu halten, die Seiten beim Umblättern rascheln zu hören, den Geruch von neuen Büchern (oder ganz alten) zu riechen…ganz zu schweigen von den Buchreihen auf dem Regal, die so schön anzusehen sind. Persönlich finde ich auch, dass es einem Raum Persönlichkeit verleiht, wenn darin Bücher sind. Bei jedem Besuch stehe ich deshalb auch erstmal vor dem (hoffentlich vorhandenen:D) Bücherregal. Trotzdem sehe ich durchaus welche Vorteile ein E-book Reader hat; Bücher immer und überall kaufen und lesen zu können ist natürlich schon sehr praktisch.

    Liebe Grüße
    Xandi

    • 20. Januar 2017 / 16:10

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass Dir der Post gefallen hat.

      Ich kann trotz meiner Affinität zu E-Books verstehen, warum Du "Team echtes Buch" bist. Ganz ohne könnte ich auch nicht.

      Das mit dem "vor dem Bücherregal stehen in fremden Wohnungen" kenne ich auch. Und nix schlimmeres als Wohnungen ohne Bücher 😉

  3. 20. Januar 2017 / 18:50

    Guten Abend,

    ich könnte jetzt auch ewig darüber philosophieren, welche Vor- und welche Nachteile die jeweilige Buchart hat, allerdings mache ich es lieber kurz:
    Ich bin ebenfalls Team E-Book und halte es ähnlich wie du. Viele Bücher kommen mir nur als E-Book ins Haus, weil aktuter Platzmangel herrscht oder weil es eher oberflächliche Lektüre ist, die ich nur einmal lese und nur als Snack bezeichnen würde.
    Andere "Wichtige" Bücher, wie die Bücher meiner Lieblingsautoren, generell Highlights, oder Bücher mit wunderschönen Illustrationen kaufe ich als Printausgabe für das Regal.

    Für mich war die Verfügbarkeit von E-Books eine Offenbarung. Überall und in Sekunden ein Buch zu erstehen, war für mich ein Traum und bewahrt mich nun schon seit langer Zeit vor einem hohen SUB, denn das Wissen darum, dass ich mir jederzeit das gewünschte Buch kaufen kann, hält mich vom Horten ab.
    Ganz am Anfang der Ära E-Book wollte ich unbedingt dagegen sein, aber mit der Zeit haben sich einige Vorteile gezeigt.

    Ich habe keinen E-Reader, aber ich besitze ein Tablet – darauf ist die Kindle App und eine frei verfügbare App für andere Formate. (Auf der ich dann schon mal copyrightlose Klassiker lese)
    Ein sehr schön geschriebener Beitrag, vielen Dank dafür 🙂

    LG
    Ina

    • 21. Januar 2017 / 22:58

      Herzlichen Dank für Deinen Kommentar.

      Mir ging es am Anfang genau wie Dir: auch ich war überzeugt, gegen E-Books zu sein. Deshalb bin ich umso froher, dass ich E-Books trotzdem eine Chance gegeben habe.

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