|Leseliebe| Lesestatistik 2016 – März

Meine Lesestatistik für den Monat März sieht leider nicht ganz so überzeugend aus wie die der Monate davor. Ich habe nur fünf Bücher gelesen. Das lag zum einen daran, dass ich im März im Urlaub in Oslo war, wo ich nur auf der Hin- und Rückfahrt Zeit zum Lesen gefunden habe. Zum anderen habe ich ein Buch auf Norwegisch gelesen, wofür ich naturgemäß länger brauche, als würde ich ein deutsches oder englisches Buch lesen. Aber ich bin stolz darauf, dass es mir relativ leicht gefallen ist, den Inhalt des norwegischen Buches zu verstehen.

 

„Ein Sommer ohne uns“ von Sabine Both

„Ein Sommer ohne uns“

Sabine Both

Young Adult

Deutsch

4 Sterne

Verena und Tom sind „Childhood Sweethearts“: sie sind seit ihrem 13. Lebensjahr ein Paar. Kurz vor dem Abi stellt sich bei Verena die Angst ein, sie könnte etwas verpassen und auch Tom erkennt, dass er gegen die Reize anderer Mädchen nicht immun ist. Die beiden entschließen sich zu einer Beziehungspause, ohne zu ahnen, was für eine Lawine sie damit lostreten.

Die Geschichte wurde in einem speziellen, distanzierten Schreibstil im Präsens verfasst. Mir hat das super gut gefallen, denn ich finde, der Autorin gelingt es dadurch, die Gefühlswelt der Protagonisten anschaulich darzustellen. Deshalb war ich sehr überrascht, als ich online feststellen musste, dass das Buch teilweise grottige Rezis bekommen hat und einige das Buch im Rahmen einer Leserunde abgebrochen haben. Da hätte man das Buch besser an mich verlosen sollen…;-)

 

„Fully Ignited“ von Shannon Stacey

„Fully Ignited“

Shannon Stacey

Boston Fire #3

Chick Lit

Englisch

Kindle

3,5 Sterne

In diesem Band ist der Feuerwehrmann und Ex-Womanizer Scottie, der kleine Bruder der beiden Kincaid Schwestern, auf der Suche nach der großen Liebe. Und die scheint er ausgerechnet in Person seiner neuen Vorgesetzten zu finden.

Kein Paar, das mich total begeistert hat, aber eine nette, romantische Geschichte mit einer Prise Humor für zwischendurch.

 

„Vorne sieht man Meer“ von Kobr & Klüpfel

„In der ersten Reihe sieht man Meer“

Kobr/Klüpfel

Roman

Deutsch

vorablesen.de

4 Sterne

Der gestresste Mitvierziger Alexander liegt in den Endzügen seiner Urlaubsvorbereitungen. Aus nostalgischen Gründen soll es in diesem Jahr mit der Familie an die Adria gehen. Plötzlich findet er sich in einer Art Traum in seiner Jugendzeit in den 80er Jahren wieder. Es stehen ebenfalls Urlaubsvorbereitungen an, dieses Mal ruht die Verantwortung jedoch nicht auf seinen Schultern sondern er ist „nur“ der pubertierende Sohn, der mit Mutter, Vater, Oma und der großen Schwester im Auto ohne Klimaanlage und Navi an die Adria fährt. Dort angekommen, ist er zunächst von der einfachen Ferienanlage, dem verschmutzten Meer und dem deutschen Fraß enttäuscht. Erst als er Kontakt zu den Einheimischen knüpft und die Erfahrungen seines Alter Egos aus der Werbebranche in der Rettung des Kiosks seiner neuen, italienischen Freunde einbringen kann, beginnt er, den Urlaub zu genießen.

Mir hat diese Zeitreise in die 80er Jahre viel Spaß gemacht. Das Buch ist locker, leicht geschrieben und man fliegt nur so durch die Seiten. Die Geschichte selbst ist nicht spektakulär, aber das große Plus des Buches ist für mich, wie es den Autoren gelingt, das Lebensgefühl der 80er Jahre zu transportieren. Man kann sich bildlich vorstellen, wie die deutschen Urlauber damals einerseits Sehnsuch nach dem Süden hatten, aber andererseits nicht bereits waren, sich wirklich auf den italienischen Lebensstil einzulassen. Das hat dazu geführt, dass die Autos bis an die Decke mit deutschen Lebensmitteln vollgepackt wurden, damit man auch an der Adria die gute „Jacobs Krönung“ aufbrühen und zum Abendessen auf Kohlrouladen anstatt Antipasti zurückgreifen konnte. Das kann man sich im Zeitalter von Latte Macchiato und italienischer Feinkost an jeder Ecke überhaupt nicht vorstellen. Manchmal überkommt einen aktuell eine Sehnsuch nach der übersichtlicheren, simpleren Welt der 80er Jahre, aber wenn ich das lese, bin ich froh, im Hier und Jetzt zu leben.

Die alten Urlaubsbilder des Autorenduos am Anfang eines jeden Kapitels fand ich klasse und auch das Cover möchte ich in diesem Zusammenhang lobend erwähnen. Es fühlt sich an wie ein Fotoalbum! Hier hat man sich wirklich etwas besonderes einfallen lassen.

Einzig die Auflösung von Alexanders Traums hat mich nicht überzeugt. Hier hat mir eine klare Linie gefehlt. Ansonsten eine klare Leseempfehlung für alle, die Urlaubssehnsucht haben oder sich an die 80er Jahre erinnern möchten.

 

„Fangirl“ von Rainbow Rowell

„Fangirl“

Rainbow Rowell

Young Adult

Norwegisch

4 Sterne

Cath hat ihr ganzes Leben im Windschatten ihrer Zwillingsschwester verbracht. Als diese beschließt, dass dieser Zustand mit Beginn ihres Collegelebens ein Ende haben muss, fühlt sich Cath zunächst wie amputiert und völlig hilflos. Sie droht noch weiter in ihre Traumwelt rund um „Simon Snow“ abzudriften. Zum Glück gibt es ihre unkonventionelle Mitbewohnerin Reagan und deren Freund Levi, die ihr trotz aller Gegensätzlichkeiten zur Seite stehen.

Rainbow Rowell versteht es wie keine Zweite, liebenswerte Außenseitercharaktere zu erschaffen. Man fiebert von der ersten Seite an mit Cath und hofft, dass sie ihren Platz am College und im Leben finden wird.

Was mich besondert fasziniert hat: der Autorin gelingt es, mit „Simon Snow“ eine komplette Parallelwelt zu erschaffen. „Simon Snow“ ist der Held einer Fantasy-Jugendbuchreihe à la „Harry Potter“ und Cath schreibt hierzu leidenschaftlich und erfolgreich Fanfiction. Im Buch enthalten sind sowohl Auszüge aus diesen fiktiven Büchern als auch aus Caths Fanfiction zu diesem Thema. Mich hat diese Idee der Autorin so begeistert, dass ich aktuell „Carry On“, ein Spin-Off rundum „Simon Snow“ lese.

„Der Sturm“ von Lilli Gruber

„Sturm“

Lilli Gruber

Zeitgeschichte

Deutsch

4 Sterne

Die Autorin verwebt die eigene Familiengeschichte (belegt durch zeitgeschichtliche Dokumente wie Briefe und Fotos) mit einer fiktiven Geschichte und lässt so die wechselvolle Geschichte Südtirols vor und während des zweiten Weltkriegs lebendig werden.

Südtirol ist meiner Meinung nach eines der schönsten Fleckchen Erde, die es gibt. Die Landschaft, das Wetter, das Essen – hier passt einfach alles zusammen. Außerdem gibt es keine schöneren Berge als die Dolomiten. Da muss ich keine tausende Kilometer weit fliegen. Südtirol reicht mir völlig aus. Gerade aufgrund der „Gesegnetheit“ dieses Landstrichs, finde ich es umso faszinierender, was für eine wechselhafte Geschichte Südtirol seit dem ersten Weltkrieg durchgemacht hat: die zwangsweise Abspaltung von Tirol und Österreich und die damit einhergehende Eingliederung nach Italien, das Hoffen auf „Erlösung“ durch die Nationalsozialisten und der quasi in einen Bürgerkrieg ausartende Widerstand gegen die Italiener nach Ende des zweiten Weltkriegs.

Der Autorin gelingt eine spannende und authentische Aufarbeitung eines bewegten Abschnitts der Südtiroler Geschichte. Eine klare Empfehlung für alle, die mehr über die geschichtlichen Hintergründe dieser Region erfahren möchten.

Im folgenden habe ich zwei Zitate, die mich besonders bewegt haben, dokumentiert:

 

Manche Dinge ändern sich nie. Auch damals schon ging es ums Öl.
Wahre Worte.

 

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