|Leseliebe| „Mit Flipflops ins Glück“ von Matthias Sachau

„Mit Flipflops ins Glück“

Matthias Sachau
Roman
Deutsch
4 Sterne

Nina ist Anfang dreißig und lebt mit ihrem langjährigen Freund Sami in Münster. Sie arbeitet im Café ihrer besten Freundin und ist eigentlich mit ihrem Leben zufrieden. Uneigentlich steht sie kurz vor dem Burn-Out, denn die Last, das Café seit geraumer Zeit alleine führen zu müssen, da ihre Freundin Baby-/Scheidungspause macht, wiegt schwer auf ihren Schultern. Außerdem stehen große Entscheidungen an, denn ihre Freund bekommt ein Angebot von einer Computerfirma in Sao Paulo und möchte, dass Nina ihn dorthin begleitet. Ausgerechnet Brasilien, das Land in dem Gero, ihre erste große Liebe mittlerweile lebt.

Für mich ein völlig überraschendes Buch, in dem etwas ganz anderes steckt, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Zunächst der Titel „Mit Flipflops ins Glück“, der einen locker-flockigen Liebesroman ohne Tiefgang erwarten lässt. Was mich an dieser Annahme hat zweifeln lassen: ein männlicher Autor. Vielleicht sollte ich doch eher Comedy im Stile von Thommy Jaud (dessen Bücher mich mittlerweile nur noch nerven) erwarten. Auch das Cover konnte ich nicht wirklich einordnen, die stilisierte Landkarte von Südamerika gefällt mir, die teilweise pinken Flipflops und vor allem die Herzchen wollten jedoch nicht zu einem männlichen Autor passen.

Am besten einfach aufschlagen, nichts erwarten und sich überraschen lassen. Letzteres hat dieser Roman getan. Ich hätte nicht erwartet, dass ein männlicher Autor so gekonnt aus Sicht einer Frau schreiben kann. Oder überhaupt auf die Idee kommt, es zu versuchen. Obwohl das Buch nicht in Ich-Form verfasst wurde, schildert der übergeordnete Erzähler beinahe alle Kapitel aus der Sicht von Nina, nur jeweils einmal gewährt er Einblick in das Seelenleben von Sami und Gero. Ich hätte es bevorzugt, wenn man auf diesen Perspektivwechsel verzichtet hätte, bin gleichzeitig aber nicht sicher, ob das umsetzbar gewesen wäre.

Die Geschichte selbst hat mich durch ihre Melancholie überrascht. Auch gab es immer wieder Wendungen, die ich so nicht erwartet hatte, weshalb mir bis zur letzten Seite nicht klar war, auf welches Paar es hinauslaufen und ob Nina überhaupt ein „Happy End“ beschieden sein würde. Nach diversen „Chick Lit“-Romanen nach Schema F war das das eine willkommene Abwechslung.

Für mich persönlich hatte „Mit Flipflops ins Glück“ den Effekt, dass ich an meine Zeit im Schullandheim und auf einer späteren Klassenfahrt erinnert wurde. Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt und die am weitesten zurückliegende schildert die Klassenfahrt von Nina und Sami nach Sylt, wo die beiden Münsteraner auf Gero und dessen Hamburger Klassenkameraden treffen. Ich selbst habe meinen Schullandheimaufenthalt ebenfalls auf Sylt verbracht und als wir zwei Jahre später auf Klassenfahrt in Berlin waren, sind wir Landkinder (und damit meine ich in diesem Fall wirklich tiefste Provinz. Ich hatte diverse Klassenkameraden mit Bauernhof daheim und dass man unseren Dialekt dort oben überhaupt verstanden hat, grenzt im Nachhinein an ein Wunder) auch auf eine Schulklasse aus der Stadt getroffen. Amouröse Verwicklungen ähnlich derer im Buch inbegriffen.

Mit den Olympischen Spielen von Rio aktuell im TV hat man auch gleich den passenden Hintergrund für dieses Buch vor Augen. Also der perfekte Zeitpunkt, um zu diesem Buch zu greifen.

 

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