|Leseliebe| „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde

Dieses Mal präsentiere ich für meine Verhältnisse ungewöhnlich schwere Hörbuchkost. Normalerweise greife ich bei Hörbüchern zu locker, leichten Regionalkrimis. Als ich jedoch vor ein paar Wochen auf der Suche nach Nachschub für meine täglichen Autofahrten war, gab es in diesem Genre nichts passendes und so ist der Bestseller „Die Geschichte der Bienen“ in meinem Warenkorb gelandet.

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde

„Die Geschichte der Bienen“

  • Maja Lunde
  • Roman
  • Deutsch (Original: Norwegisch)
  • Hörbuch
  • 4,5 Sterne (von 5 möglichen Sternen)
  • Empfehlung: für alle, denen die Umwelt und gut gemachte, komplexe Geschichten am Herzen liegen

Maja Lunde verwebt in diesem Roman drei Zeitebenen und drei Schicksale miteinander. Am Anfang scheinen diese drei Erzählstränge nur eines gemeinsam zu haben: die Bienen. Am Ende stellt sich jedoch heraus, dass die drei porträtierten Personen sehr viel mehr verbindet.

Da wäre als erstes der verhinderte Naturforscher William, der im 18. Jahrhundert gegen seine Depression und für das Überleben seiner kinderreichen Familie kämpft. Im Laufe dieses Prozesses erfindet er den modernen Bienenstock.

Quasi in der Gegenwart (im Jahr 2007) spielt der Erzählstrang rund um den Farmer George, der in den USA den Kollaps der Bienenkolonien miterleben muss.

Als letztes schaut man gemeinsam mit der Chinesin Tao in die Zukunft. Sie lebt im Jahr 2098. Die Bienen sind ausgestorben, weshalb die Menschheit dazu übergegangen ist, die Blüten von Hand zu bestäuben. Europa und die USA haben diese radikale Veränderung nicht überlebt, den Chinesen gelang es, aufgrund ihrer großen „Manpower“ weiter zu existieren.

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde

Im Mittelpunkt des Romans steht jedoch nicht nur dieses Umweltthema, sondern auch der Konflikt zwischen der Eltern- und der Kindergeneration spielt eine zentrale Rolle. William z.B. setzt all seine Hoffnung auf seinen einzigen Sohn, der in seine Fußstapfen als Wissenschaftler treten soll. Dabei verkennt er, dass diesem hierzu die Anlagen fehlen und die älteste seiner Töchter viel wissbegieriger, ernsthafter und begabter ist. Aber wer hat damals Frauen schon mehr als die drei K (Kinder, Küche, Kirche) zugetraut? George hingegen möchte unbedingt, dass sein Sohn die Farm übernimmt und sieht es deshalb überhaupt nicht gerne, dass dieser ganz in seinem Studium aufgeht. Der Sohn von Tao ist noch ganz klein und verspielt, aber  sie möchte ihm mit allen Mitteln das harte Schicksal eines Feldarbeiters ersparen und versucht ihm deshalb möglichst viel Wissen zu vermitteln, obwohl er lieber unbeschwert spielen möchte.

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde

Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt. Ja, es war – wie oben bereits erwähnt – keine leichte Kost. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause gefahren bin, hätte ich mir manchmal gewünscht, stattdessen auf einen harmlosen Regionalkrimi oder eine vorhersehbare Schnulze mit heißen Footballspielern zurückgreifen zu können. Vor allem die Zukunftsschilderungen im dritten Erzählstrang haben mich deprimiert. Aber ich bin dran geblieben, und es hat sich gelohnt. Nicht nur, weil man viel über die Bienen und ihre Lebensweise erfährt. Sondern auch, weil ich mich gefühlt habe, wie zu schönsten Abi-Zeiten, denn „Die Geschichte der Bienen“ bietet wahnsinnig viel Spielraum für Interpretationen. Etwa bezüglich der oben erwähnten
Eltern-Kind-Reibungspunkte, bei denen man sich fragt, ob Eltern immer genau das haben wollen, was ihnen das Kind nicht bietet. Oder der im China der Zukunft spielende Erzählstrang, bei dem mich die Feldarbeiter mit ihrem trostlosen Alltag an die immer fleißigen Arbeitsbienen in einem Bienenstock erinnert haben.

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde

Auf die Sprecher des Hörbuchs möchte ich an dieser Stelle kurz eingehen. Bibiana Beglau, Markus Fennert und Thomas M. Meinhardt bilden ein Sprechertrio, denn jede Zeitebene hat ihren eigenen Erzähler. Für mich waren alle drei Stimmen angenehm zum Zuhören. Besonders gut gefallen hat mir, dass man durch die drei verschiedenen Sprecher die drei Zeitebenen problemlos auseinanderhalten konnte.

Ein kleiner Kalauer am Rande: ich muss beim Namen der Autorin grinsen. Maja Lunde – wie „Biene Maja“…

„Die Geschichte der Bienen“ ist für mich ein nachdenklich stimmendes Buch, das man nicht so schnell vergisst. Dazu tragen nicht nur die behandelten Themen und deren teilweise brennende Aktualität bei sondern auch der flüssige und trotzdem poetische Schreibstil von Maja Lunde. Ein richtig tolles Buch, das verdient so weit vorne in den Bestsellerlisten steht und mit dessen Thematik sich gar nicht genug Menschen auseinander setzen können.

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