|Leseliebe| Book Confession (Bücher-Beichte) – Chick Lit

Ich hab eine „guilty pleasure“ [Laster, heimliches Vergnügen]: ich lese gerne „Chick Lit“, also auf Deutsch „leichte Frauenliteratur“. Ich finde das englische Wort trifft es viel besser und klingt auch wesentlich amüsanter. Eigentlich würde man nicht vermuten, dass ich auf diese Art von Büchern stehe, denn ich denke, die meisten schätzen mich als äußerst rational und nüchtern ein, aber auch ich habe eine romantische, verträumte Seite. Bin also nicht nur „der organisierteste Mensch, den ich kenne“ (O-Ton Ex-Kollege) mit einem Hang zu To-Do-Listen, umfangreichen Excell-Tabellen und dem Drang, nicht benötigte Fenster am PC umgehend zu schließen, um die Taskleiste übersichtlich zu gestalten. Zurück zum eigentlichen Thema. Trotzdem sind nicht alle Bücher aus diesem weitläufigen Genre für mich gemacht. Z.B. lese ich keine total verkitschten Schnulzen, in denen die Protagonisten ständig von den schlimmsten Schicksalsschlägen gebeutelt werden. Auch romantische Geschichten in Verbindung mit übersinnlichen Momenten sprechen mich nicht an.

Ich brauche eine Prise Humor und eine Hauptperson, mit der ich mich identifizieren kann und – am allerwichtigsten – ein Paar, bei dem die Chemie stimmt. Die beiden können gerne gegensätzlich sein, müssen aber trotzdem eine gemeinsame Wellenlänge haben. Am besten gefällt mir die Phase, in der die beiden die Anziehung spüren, aber noch nicht wirklich aufeinander zugehen. Das „happily ever after“ [glücklich bis ans Lebensende] ist mir im Vergleich nicht sooo wichtig, denn dass es das in Wahrheit nicht gibt und der Alltag auch für das süßeste Paar eine Herausforderung darstellt, ist mir durchaus bewusst. Was ich gar nicht mag, sind die für diese Art von Büchern typischen Wendungen kurz vor Ende des Buches, wenn sich das Paar überraschend noch einmal trennt, bevorzugt weil irgendeine längst vergessene Leiche aus dem Keller eines der beiden ausgegraben wird, nur um ein paar Seiten später doch noch eine Aussprache durchzuführen und zusammenzubleiben. Wahrscheinlich habe ich diesen Erzählaufbau einfach das eine oder andere Mal zu viel gelesen. Auf super romantische Epiloge kann ich ebenfalls verzichten (alternativ eine Beschreibung des Heiratsantrags, der Hochzeit oder – mein Favorit im negativen Sinne – es wird die weeeeeeit entfernte Zukunft gezeigt, in der ein Kind des Paares heiratet. Letzteres fand ich bei „Harry Potter“ auch ganz, ganz übel).

Als nächstes möchte ich meine absoluten Favoriten aus diesem Genre vorstellen, wobei ich hier nach und nach separate Posts erstellen möchte.

Bücher von Julie James

Gegenstand meines ersten Eintrags soll eine meiner Lieblingsautorinnen sein, die gleichzeitig eine der ersten war, von der ich Bücher aus diesem Genre gelesen habe: Julie James. An ihren Büchern mag ich besonders den juristischen Hintergrund. Man merkt, dass sie Jura studiert hat und sich auskennt. Mein Interesse an diesen Details mag durchaus berufliche Gründe haben.

„Just the Sexiest Man Alive“ (2008) / keine deutsche Übersetzung

Eine Anwältin wird dazu verdonnert, einem Hallodri-Schauspieler für seine nächste Hauptrolle Einblick in ihren Alltag zu gewähren.

Man kann sich vorstellen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Trotzdem super Charaktere und sprühende Funken. Ein Buch das Spaß macht. Beim erstmaligen Lesen habe ich mir George Clooney in der männlichen Hauptrolle vorgestellt. So zu seiner „Emergency Room“ Zeit mit den Charakterzügen von „Doug Ross“.

„Practice Makes Perfect“ (2009) / keine deutsche Übersetzung

Payton Kendall und J.D. Jameson arbeiten als Anwälte in derselben Kanzlei. Sie könnten gegensätzlicher nicht sein: sie, eine Feministin, die sich alles hart erarbeiten musste und er, ein Junge aus gutem Haus, dem scheinbar die Juristenkarriere in die Wiege gelegt wurde. Die beiden versuchen sich mit allen Mitteln gegenseitig auszustechen, bis sie gemeinsam auf einen Fall angesetzt werden.

Hat mir persönlich nicht ganz so gut gefallen wie „Just the Sexiest Man Alive“. Nichtsdestotrotz hat es mich super unterhalten.

 

„Practice Makes Perfect“

 

„Something About You“ (2010) / „Für alle Fälle Liebe“ (1. Teil der FBI/US Attorney Serie)

Die Staatsanwältin Cameron Lynde wird in ihrem Hotelzimmer keine Augen- aber Ohrenzeugin eines Mordes im Nachbarzimmer. Als wäre das nicht genug, wird sie durch den Vorfall auch dazu gezwungen, mit dem FBI Special Agent Jack Pallas zusammenzuarbeiten. Die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit, die keine positiven Erinnerungen wach ruft.

Mein Favorit der Reihe. Die Chemie zwischen den beiden Hauptpersonen stimmt absolut und es fliegen die Funken. Man fiebert ab der ersten Minute mit und die beiden spielen sich die Bälle auf gekonnte Art und Weise zu. Von mir 5 von 5 Sternen.

 

„Something About You“

 

„A Lot Like Love“ (2011) / „Undercover ins Glück“ (2. Teil der FBI/US Attorney Serie)

Jordan Rhodes ist eine Tochter aus (neu)reichem Haus, die einen exklusiven Weinhandel betreibt. Sie soll dem FBI helfen, den Agenten Nick McCall zu Beobachtungszwecken als „Date of the Night“ auf eine exklusive Party einzuschleusen.

Der flüssige Schreibstil von Julie James nimmt mich wie immer mit, aber hier wird der Charakteraufbau zum ersten Mal zu wiederholend. Starke, unabhängige Frau, die auf keinen Fall eine feste Bindung eingehen möchte, häufig ausgelöst durch schlechte Erinnerungen an die eigene Kindheit, trifft auf bindungsunfähigen, jungenhaften Charmeur, der plötzlich vom Player zum ernsthaften Familienmenschen mutiert. Das hat durchaus Potential für ein unterhaltsames Buch, wird auf Dauer aber eintönig.

 

„A Lot Like Love“

 

„About That Night“ (2012) / „Wiedersehen macht Liebe“ (3. Teil der FBI/US Attorney Serie)

Rylann Pierce und Kyle Rhodes (Bruder von Jordan, siehe Band davor) haben vor Jahren eine gemeinsame Nacht verbracht. Jetzt sehen sie sich unerwartet vor Gericht wieder. Rylann als Anwältin und Kyle als Zeuge. Eine Begegnung, auf die Rylann verzichten könnte, hatte sie damals doch auf ein Wiedersehen gehofft, aber Kyle ist nicht zum verabredeten Treffpunkt gekommen.

Pluspunkt bei dieser Geschichte: Kyle kommt nicht aus dem üblichen FBI-/Justizumfeld. Außerdem kann man Julie James eines nicht absprechen: sie schreibt wahnsinnig unterhaltsam und man zweifelt in keiner Sekunde daran, dass sie sich mit den Hintergründen aus dem amerikanischen Justizsystem auskennt.

 

„About That Night“

„Love Irresistibly“ (2013) / „Einspruch für die Liebe“ (4. Teil der FBI/US Attorney Serie)

Brooke Parker ist die Managerin eines exklusiven Restaurants in Chicago. Ex-Footballer und Staatsanwalt Cade Morgan braucht ihre Hilfe für die Abhöraktion in Zusammenhang mit einem korrupten Senator. Unvorhergesehene Ereignisse zwingen die beiden, viel länger als geplant ein Paar zu spielen.

Erneut ein Buch, bei dem man geradezu durch die Seiten „fliegt“, jedoch führt der von mir bereits oben kritisierte, sich wiederholende Aufbau der Geschichten dazu, dass ich dieses Buch im Rückblick kaum von „A Lot Like Love“ aus 2011 unterscheiden kann. Beide Male muss eine sehr auf Unabhängigkeit bedachte, erfolgreiche Unternehmerin dem FBI bei einer Beschattung unter die Arme greifen.

 

„Love Irresistibly“

 

„It Happened One Wedding“ (2014) / „Keine Hochzeit ist auch keine Lösung“ (5. Teil der FBI/US Attorney Serie)

Investmentbankerin Sidney Sinclair muss sich als Trauzeugin ihrer Schwester mit dem sehr von sich überzeugten Trauzeugen ihres künftigen Schwagers herumschlagen, dem FBI Special Agent Vaughn Roberts. Den Rest kann man sich denken…

Für mich vielleicht das schwächste Buch von allen. Es war auch das schmalste, wenn ich mich richtig erinnere. Trotzdem besser, als vieles andere, was in diesem Genre geboten wird. Und ein wahnsinnig fotogenes Cover…

 

„It Happened One Wedding“

 

„Suddenly One Summer“
(2015) / noch nicht übersetzt (6. Teil der FBI/US Attorney Serie)

Ford Dixon ist Investigativjournalist bei einer renommierten Tageszeitung. Aufgrund seines schwierigen Verhältnisses zu seinem kürzlichen verstorbenen Vater strebt er in seinem Privatleben keine feste Bindung an. Victoria Slade ist eine erfolgreiche Scheidungsanwältin, die sich aus einfachen Verhältnissen nach oben gearbeitet hat. Sie wurde als Kind von ihrem Vater im Stich gelassen, weshalb sie sich nicht in der Rolle einer Ehefrau und Mutter sieht. Als Victoria vorübergehend in die Nachbarwohnung von Ford einzieht, lernen die beiden sich kennen, aber wegen einer Reihe von Missverständnissen nicht unbedingt lieben. Trotzdem raufen sie sich zusammen und machen sich gemeinsam auf die Suche nach dem Vater von Fords Nichte, dem Produkt eines One Night Stands.

Same old, same old. Wiederum wunderbar mitreißend geschrieben, mit vielen Details aus der Juristenszene. Trotzdem wurde ich mit den beiden Hauptpersonen nicht so recht warm. Ich vermute, weil die Autorin im mittlerweile 8. Band wenig Neues für mich bietet. Ich würde mir wünschen, sie fügt ihrem nächsten Buch einen unerwarteten Twist hinzu oder begibt sich vom Setting her auf komplettes Neuland. Vielleicht würde es schon helfen, einmal Chicago zu verlassen. Trotz aller Kritikpunkte werde ich mir auch das nächste Buch von Julie James kaufen. Sie schreibt einfach zu gut.

 

„Suddenly One Summer“
Outtake 😉

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